> > > Violin Unlimited: Baiba Skride, Violine
Samstag, 25. Juni 2022

Violin Unlimited - Baiba Skride, Violine

Deutsche Violinsolosonaten der Goldenen Zwanziger


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Baiba Skride erkundet die große Freiheit der Soloviolinmusik in der Nachfolge Regers.

Mit seinen Sonaten für Violine allein opp. 42 und 91 eröffnete Max Reger deutschen Geigern und deutschen Komponisten ungeahnte neue Ausdrucksmöglichkeiten. Einer seiner Schüler war Erwin Schulhoff, dessen viersätzige Sonate für Violine allein von 1927 jeden Reger-Einfluss hinter sich gelassen hat. Freitonal erkundet er expressive (oder expressionistische?) musikalische Regionen, die sich sein ehemaliger Lehrer nicht hätte vorstellen können. Auch Paul Hindemith, zeitlebens als Interpret ein begeisterter Regerianer, erweist sich in seiner Sonate op. 31 Nr. 2 von 1924 (seinem letzten Gattungsbeitrag), mit einem Variationen-Schlusssatz über 'Komm, lieber Mai' als tonal gebundener Expressionist, der der Solovioline die Fenster weit in die Natur öffnet. Philipp Jarnach, in jener Zeit Hindemith eng befreundet, hatte seine zweite Sonate für Violine allein op. 11 1913 gar 'Max Reger verehrungsvollst gewidmet'; seine Sonate op 13 entstand 1922 (im Vorfeld von Regers 50. Geburtstag 1923?) und ist von starker freitonaler Expressivität. Auch Eduard Erdmann kann man fraglos einen Regerianer nennen (das Reger'sche Klavierkonzert gehörte zu seinem Kernrepertoire als Pianist), und seine Sonate für Violine allein (1920-1), kurz nach seiner Alban Berg gewidmeten ersten Sinfonie entstanden, ist gleichfalls dem musikalischen Expressionismus zuzurechnen - und manche überbordende Figuration mag als humoristische Reflexion über Reger verstanden werden. Der langsame Satz ist von ähnlicher emotionaler Intensität wie vergleichbare Sätze Regers, der Schlusssatz zitiert fast unverhohlen typisch Reger'sche Rhythmik.

Die lettische Geigerin Baiba Skride wirft sich voller Verve in die Musik und bietet mitreißende, klanglich wohlausgewogene, spannende Wiedergaben, die aufnahmetechnisch vom Deutschlandfunk vorzüglich eingefangen worden sind. Die klangliche Vielfalt der 1920er-Jahre wird ebenso offenbar wie die Binnenbezüge und die Referenz (und Reverenz) zu Reger. Dass Reger in diesem Gattungsbereich für die deutsche Musikgeschichte ein wichtiger Einfluss war, wird zwar offenkundig, doch kennen wir bislang nur einen Bruchteil dessen, was vor hundert Jahren für diese Besetzung entstanden ist. Ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der Musikgeschichte, gleichzeitig eine mitreißende CD der so schwierigen Musik für Violine allein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Violin Unlimited: Baiba Skride, Violine

Label:
Anzahl Medien:
ORFEO
1
Medium:
EAN:

CD
4011790210513


Cover vergössern

Erdmann, Eduard
Hindemith, Paul
Schulhoff, Erwin


Cover vergössern

ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
Unser Ziel: Die Faszination, die klassische Musik ausüben kann, über die Generationen lebendig nahe zubringen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag ORFEO:

  • Zur Kritik... Ein Kuss auf die Stirn: Eine liebevolle Wiederbelebung einer komischen Oper von Johann Strauss. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Mächtige Stimme mit glutvollem Kern: George Gagnidze präsentiert mit acht Jahren Verspätung sein eindrückliches Debüt-Album mit Giuseppe Verdis großen Bariton-Partien als Kernrepertoire. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Brahms mit Leidenschaft: Daniel Müller-Schott (Violoncello) und Francesco Piemontesi (Klavier) ergänzen sich nobel bei drei Sonaten von Johannes Brahms. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle Kritiken von ORFEO...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Neue Facetten aus Schweden: Leider ist das Engagement für Hugo Alfvén in nicht optimaler Weise kanalisiert. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Alt-neu konzipiert: Markus Schäfer und Zvi Meniker kehren zu Franz Schuberts ursprünglichen Liedopera-Konzepten zurück. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Harmonisches Ganzes: Erwin Schulhoffs frühes Klavierkonzert zeigt den jungen Komponisten von einer neuen Seite. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (4/2021) herunterladen (7000 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (6/2022) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich