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Sonntag, 25. August 2019

Saariaho, Kaija - Werke für Violoncello

Kühle Klangwandlungen


Label/Verlag: aeon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die CD gibt einen guten Einblick in die Arbeit einer vom IRCAM geprägten Komponistin.

Ein von der finnischen Komponistin Kaija Saariaho bevorzugtes Instrument ist das Violoncello. Es verfügt über einen großen Tonumfang, seine Klänge sind reich an Obertönen – somit ist es ausgezeichnet geeignet für die ,Spektralmusik’, einer Kompositionsmethode, bei der das Tonmaterial aus der Zerlegung eines Klanges in seine Obertöne gewonnen wird. Dennoch verlässt sich Saariaho nur in zwei der vorliegend eingespielten sechs Kompositionen ausschließlich auf das Violoncello. In zwei Kompositionen verwendet sie zudem elektronische Klänge. ,Oi Kuu’ ist ein Duo für Bassklarinette und Cello, ,Mirrors’ ist für Flöte und Cello geschrieben. ,Mirrors’ ist ursprünglich eine Komposition für CD-ROM. Damit hatte jeder die Möglichkeit, die Cello- und Flötenfragmente nach dem ,mirror’-Prinzip selbst zu kombinieren. Die Version auf der vorliegenden CD wurde von Saariaho arrangiert.

Klangwandlungen

Auch in den vorliegend eingespielten Kompositionen zeigt sich ein zentrales Anliegen Saariahos, die Suche nach Schönheit, nach schönen Klängen. Anderes ist ihr weniger wichtig. Für die Suche verwendet sie einige Methoden regelmäßig. So erklingen Ostinatostrukturen, die in der Wiederholung abgewandelt werden. Bewegungen beziehen sich oft auf ein Tonzentrum. Töne werden tremoliert, dann in ihre Obertöne überführt und schließlich in Geräusche gewandelt. Oder anders betrachtet, Saariaho zeigt beständig Variationen eines Klanges, seine Umfärbungen. Die intensiven Klänge vermitteln einen räumlichen Eindruck. Tiefe und hohe Töne einer Obertonreihe verwendet Saariaho eng nebeneinander. In den Duos führt sie die Instrumente sehr ähnlich, der Klang beider Instrumente wird zu einem changierenden Klang verschmolzen.

Kühl

Bei diesem Fließen von Klang zu Klang vermisst man allerdings einen übergeordneten, tragenden Spannungsbogen. Die Musik verspricht eine Dramatik, die sie nicht hat. Sie ist schön und angenehm zu hören, mündet jedoch ins Nichts. Aus ihr gewinnt man keine Erkenntnis. Trotz ihrer Intensivität bleiben die Kompositionen kühl und lassen den Hörer unberührt.

Die CD gibt einen guten Einblick in die Arbeit einer vom IRCAM geprägten Komponistin. Das Booklet ist, wie immer beim Label aeon, eine wahre Freude. Zumindest, wenn man Englisch, Französisch oder Finnisch kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Saariaho, Kaija: Werke für Violoncello

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
aeon
1
01.03.2009
Medium:
EAN:

CD
3760058366370


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aeon

Äon bedeutet im Altgriechischen soviel wie Zeitalter bzw. Ewigkeit. Wenngleich letztendlich keine Aufnahme für die Ewigkeit sein kann, so kann sie doch zumindest Gültigkeit für ein Zeitalter oder Menschenalter beanspruchen. Diesem nicht geringen Anspruch versucht man bei AEON mit bereits fast hundert Titeln gerecht zu werden. Für seine Einlösung spricht, dass das Label seit seiner Gründung 2001 schnell zu einer der ersten Adressen aus Frankreich wurde. Den Labelgründern Damien und Kaisa Pousset ist es wichtig, einen Katalog zu schaffen, dessen einzelne Titel jeweils als ultimative Intention der beteiligten Musiker verstanden werden können. Künstler wie Alexandre Tharaud, Andreas Staier, Felicity Lott oder das Quatuor Ysaÿe haben hier Aufnahmen vorgelegt, die woanders so sicherlich nicht möglich gewesen wären. Der Katalog von AEON umfasst im Wesentlichen drei Hauptschwerpunkte: monographische CDs mit Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts, dann das breitere, klassische Repertoire, das durch ausgewählte Künstler und Ensembles bestritten wird, sowie die frühe Musik des Mittelalters.


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