> > > Rautavaara, Einojuhani: Garden of Spaces/Klarinettenkonzert/Cantus Arcticus
Montag, 27. Mai 2019

Rautavaara, Einojuhani - Garden of Spaces/Klarinettenkonzert/Cantus Arcticus

Finnische Meisterleistung


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für seine Komposition ‚Cantus Arcticus‘ (1972) hat Einojuhani Rautavaara den Gesang der Vögel in der finnischen Tundra auf Tonband festgehalten, um ihn anschließend mit einem Orchestersatz zu ergänzen. Das Ergebnis ist eine faszinierende Mischung natürlicher und künstlicher Klänge: Die Vogelstimmen werden gleichsam zu Solisten in diesem ‚Konzert für Vögel und Orchester‘, so der Untertitel. In Anlehnung an das traditionelle Konzert hat das Werk drei Sätze mit fantasievollen Titeln: ‚The Bog‘, ‚Melancholy‘ und ‚Swans Migrating‘. Das 30 Jahre später entstandene Klarinettenkonzert ist ebenfalls dreisätzig; Rautavaara schrieb es für Richard Stoltzman, der es im Oktober 2002 uraufführte. Ergänzt werden diese beiden Schöpfungen des angesehensten finnischen Komponisten nach Sibelius durch ‚Garden of Spaces‘, eine experimentelle Komposition, die den Dirigenten mitschöpferisch tätig werden läßt. Leif Segerstam leitet in allen drei Werken das Helsinki Philharmonic Orchestra, der Solist im Klarinettenkonzert ist Widmungsträger Stoltzman.

‚Garden of Spaces‘, 1971 entstanden und 2003 überarbeitet, zeigt die rauhe, kantige Seite des Komponisten, die Segerstam in seiner mitschaffenden Interpretation deutlich hervorhebt. Die in der Partitur festgelegten Orchestergruppen treten nach dem Willen des Dirigenten in etwa gleich stark hervor, das Werk erzeugt so jenseits aller theoretischen Spekulation einen klangmächtigen Eindruck. Wilde Streicherballungen wechseln sich mit sensiblen Passagen ab, in denen die Flöte eine prominente Rolle spielt. Gelegentlich tritt auch das ins Orchester integrierte Klavier hervor. Am Ende des knapp vierzehnminütigen Werkes bleibt dem Hörer die Wahl: Entweder stempelt er Rautavaara als postmodernen Klangmaler ab, oder er begeistert sich an diesem differenzierten Werk, das geschickt mit der Tradition spielt. Segerstams Interpretation erleichtert es jedenfalls, sich für die Begeisterung zu entscheiden.

Die drei Sätze des Klarinettenkonzertes folgen dem bewährten Schema schnell – langsam – schnell, auch wenn der erste Satz die ungewöhnliche Vortragsbezeichnung 'Drammatico (ma flessibile)‘ trägt. Nach einer kurzen, heftigen Eröffnung des Orchesters hebt Stoltzman zu einem virtuosen Ritt an, der ihn durch alle Lagen seines Instrumentes führt. Dabei ist er technisch stets Herr der Situation; schmachtende Kantilenen meistert er ebenso wie technisch halsbrecherische Passagen. Segerstam erweist sich als Dirigent, der vom Solisten einiges an Durchsetzungsvermögen fordert, ihm in den entscheidenen Passagen aber doch die notwendigen Freiräume läßt. In seiner Freude an instrumentaler Virtuosität und einer reichen Orchesterpalette (mit gelegentlich hervortretender Harfe) erinnert vor allem der erste Satz des Werkes an das Klarinettenkonzert von Magnus Lindberg. Besonders eindrucksvoll ist Stoltzman die Interpretation der Kadenz gelungen. Im zweiten Satz steht die Virtuosität eher im Hintergrund, lange, gelegentlich an Bruckner erinnernde Melodien dominieren. Wieder erweisen sich Stoltzman und Segerstam als bestens aufeinander abgestimmte Partner, die die melancholische Stimmung dieses ‚Adagio assai‘ voll erfassen. Der Finalsatz bietet neben einer faszinierenden Demonstration von Stoltzmans Klarinettenkunst auch etwas Heiterkeit, der Kontrast zum 2. Satz ist denkbar groß. Insgesamt liegt hier eine mustergültige Einspielung eines meisterhaft komponierten Klarinettenkonzertes vor, das man mit dem Konzert Carl Nielsens in einem Atemzug nennen darf. Im ‚Cantus Arcticus‘ herrscht wieder eine trübe Stimmung vor, wie man schon am Titel des Mittelsatzes (‚Melancholy‘) unschwer erkennen kann. Die Idee, Vogelstimmen auf Tonband und eine gemäßigt moderne, von den Holzbläsern dominierte Orchestertextur zu kombinieren, mag nicht jedermanns Geschmack sein. Wer sich aber für derartige Experimente begeistern kann, bekommt eine technisch einwandfreie Interpretation der Komposition geboten.

Bestes Werk auf dieser CD ist ohne Zweifel das Klarinettenkonzert in einer Einspielung, die durch Virtuosität wie Musikalität gleichermaßen fasziniert. Mit dem Widmungsträger Stoltzman als Solisten und dem komponierenden Dirigenten Segerstam (der mit dem Schaffen seinen Kollegen Rautavaara bestens vertraut ist) am Pult ist zudem größtmögliche Authentizität gewährleistet. Auch klanglich darf man Ondine zu dieser Veröffentlichung gratulieren, der Reichtum von Rautavaaras Orchestersprache kann sich voll entfalten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rautavaara, Einojuhani: Garden of Spaces/Klarinettenkonzert/Cantus Arcticus

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Aufnahmejahr:
Ondine
1
29.03.2010
2003
EAN:
BestellNr.:

0761195104125
ODE 1041


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Rautavaara, Einojuhani


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Dirigent(en):Segerstam, Leif
Orchester/Ensemble:Helsinki Philharmonic Orchestra
Interpret(en):Stoltzman, Richard


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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