> > > Schumann, Robert: String Quartets op. 41
Montag, 20. Mai 2019

Schumann, Robert - String Quartets op. 41

Vorsicht: Hochspannung!


Label/Verlag: aeon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Einspielung von Schumanns Streichquartetten durch das Quatuor Ysaÿe verdient als Sternstunde der Musik bezeichnet werden. So charaktervoll, emphatisch, hingebungsvoll und spannend haben diese Werke selten geklungen.

Die Streichquartette op. 41 von Robert Schumann sind, wie viele andere Werkgruppen des Komponisten, in einem konzentrierten Schaffensprozess innerhalb kurzer Zeit entstanden. Nicht selten hat ein solch gedrängtes Arbeiten dem Komponisten den Vorwurf eingebracht, ehe überlasse sich zuvorderst seinen momentanen Inspirationen und arbeite im Sinne kompositorischen Handwerks zu wenig aus. Das mag sicherlich für einige Werke gelten; doch trifft auch sie der Vorwurf eigentlich nicht, ist doch in Betracht zu ziehen, dass die Niederschrift momentaner Einfälle als Dokumentation des Improvisatorischen eine Ästhetik eigenen Rechts ausbilden kann. Die Streichquartette op. 41 gehören wohl zu jenen Werken, an denen das genannte Verdikt vorbeischrammt. Denn Momente der Überraschung, des wechselhaft Unsteten sind hier in einen musikalischen Verlauf eingebunden, der ebenso auf struktureller Ebene seine Kunstfertigkeit unter Beweis stellt.

Extreme Ausdrucksmomente

Interpretatorisch lässt sich der Fülle an Ausdrucksmomenten auf unterschiedliche Weise beikommen. Das eine Ensemble betont mit klarer Diktion eher die Dimension der tragenden Substanz. Andere Streichquartett-Formationen widmen sich eher den Charakteren sowie deren Kontraste bzw. im Tonsatz aufscheinenden Überlagerungen. Die Aufnahme des französischen Quatuor Ysaÿe lässt sich zweifellos der letztgenannter Gruppe zuordnen. Wobei sich hier ebenso der vierstimmige Satz konturenscharf mitteilt, nur eben nicht zu jeder Zeit. Denn Die vier Musiker wagen einen ganz persönlichen Blick auf Schumanns großartige Quartette, was auch zur Folge hat, dass Passagen, die von den vier Franzosen in ihrer Atmosphäre als verschwommen, flimmernd, undeutlich erkannt wurden, ebenso gespielt werden. Damit gelingt dem Quatuor Ysaÿe eine Deutung, die den Hörer durch einen ganz unverstellten Ausdruck fordert. Gleichzeitig wird dieser aber mit solcher Emphase und schonungsloser Intensität ausgestellt, dass man nicht umhin kommt, sich von der expressiven Interpretation hinreißen zu lassen.

Himmlische Kantilenen

Zumal das Quatuor Ysaÿe eine solche Differenzierung im Detail hörbar werden lässt, dass in jedem Moment für Hochspannung gesorgt ist. Vor allem wird sie erzeugt durch die Zuspitzung der Satzcharaktere bzw. den Stimmungen von Passagen. Langsame Satzeinleitungen zeigen sich in einem ganz dichten Klangbild, bei dem die Farbmomente zur Mitte hin versammelt werden: Die erste Geige nimmt sich zurück, das Cello zeigt eine Klangfarbe, die stark der Bratsche angenähert ist. Doch den Musikern steht ebenso eine harsche Klangtrennung zu Gebote, wo sie gefordert ist. Neben rhythmisch stark profilierten Punktierungen zelebriert das Quatuor Ysaÿe Linien mit einer Kantabilität wie man sie sonst so weich und zugleich spannungsvoll bei diesen Werken kaum hören kann. Dazu dient vor allem der prominente Einsatz von Portamenti. Dadurch gewinnen die Linien eine Zartheit und fügen sich bruchlos ineinander. Dass daraus aber beileibe kein sentimentales Schluchzen wird, wird durch die dynamische Feinschattierung verhindert, so dass ständig Gewichtsverlagerungen im Tonsatz erreicht werden. Ein Vibratoeinsatz, der nicht nur zwischen viel und wenig (bis fast gar nicht), sondern auch zwischen schnellem engen und langsamen weiter ausgreifenden unterscheidet, trägt zu der Profilierung der einzelnen Charaktere bei.

Exzellenter Klang

Aufgenommen wurde die CD in der Abtei Epau, die dem Quatuor Ysaÿe den nötigen Raum gibt, um die klanglichen Köstlichkeiten voll zur Entfaltung bringen zu können. Der unglaublich reich schattierte Klang des Ensembles wurde exzellent eingefangen. Unterstützt wird der überzeugende Gesamteindruck von einem sehr informativen dreisprachigen Booklettext. Eine Sternstunde der Musik!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: String Quartets op. 41

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
aeon
1
21.04.2004
79:05
2003
EAN:
BestellNr.:

3760058364185
AECD0418


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Schumann, Robert
 - String Quartet op. 41 n°1 in A minor - Introduzione-Andante espressivo-Allegro
 - String Quartet op. 41 n°1 in A minor - Scherzo presto
 - String Quartet op. 41 n°1 in A minor - Adagio
 - String Quartet op. 41 n°1 in A minor - Presto
 - String Quartet op. 41 n°2 in F major - Allegro vivace
 - String Quartet op. 41 n°2 in F major - Andante quasi variazioni
 - String Quartet op. 41 n°2 in F major - Scherzo
 - String Quartet op. 41 n°2 in F major - Finale
 - String Quartet op. 41 n°3 in A major - Andante espressivo-Allegro molto moderato
 - String Quartet op. 41 n°3 in A major - Assai agitato
 - String Quartet op. 41 n°3 in A major - Adagio molto
 - String Quartet op. 41 n°3 in A major - Finale


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Interpret(en):Sutre, Guillaume
Aguera, Luc-Marie
Silva, Miguel da
Salque, François


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"Schumann imbues his string quartets with an expressive aspect which is found nowhere else in his output, revealing his secret garden as well as what might be the calmer part of his inner self. His Opus 41 also bears the double stamp of over.ow and restraint, and is without doubt one of the most highly developed examples of symbiosis between the expressive needs of romanticism and the formal demands of writing for sixteen strings."


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aeon

Äon bedeutet im Altgriechischen soviel wie Zeitalter bzw. Ewigkeit. Wenngleich letztendlich keine Aufnahme für die Ewigkeit sein kann, so kann sie doch zumindest Gültigkeit für ein Zeitalter oder Menschenalter beanspruchen. Diesem nicht geringen Anspruch versucht man bei AEON mit bereits fast hundert Titeln gerecht zu werden. Für seine Einlösung spricht, dass das Label seit seiner Gründung 2001 schnell zu einer der ersten Adressen aus Frankreich wurde. Den Labelgründern Damien und Kaisa Pousset ist es wichtig, einen Katalog zu schaffen, dessen einzelne Titel jeweils als ultimative Intention der beteiligten Musiker verstanden werden können. Künstler wie Alexandre Tharaud, Andreas Staier, Felicity Lott oder das Quatuor Ysaÿe haben hier Aufnahmen vorgelegt, die woanders so sicherlich nicht möglich gewesen wären. Der Katalog von AEON umfasst im Wesentlichen drei Hauptschwerpunkte: monographische CDs mit Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts, dann das breitere, klassische Repertoire, das durch ausgewählte Künstler und Ensembles bestritten wird, sowie die frühe Musik des Mittelalters.


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