> > > A Renaissance Christmas: The Sixteen, Harry Christophers
Montag, 22. April 2019

A Renaissance Christmas - The Sixteen, Harry Christophers

Weihnachtlicher Renaissance-Streifzug


Label/Verlag: Coro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser Streifzug durch das Repertoire weihnachtlicher Renaissance gerät überaus kurzweilig. Überzeugend gesungen von The Sixteen ist er sowieso.

Unter den Großen der Renaissance nach weihnachtlichem Repertoire zu suchen ist eine mehr als bezwingende Idee: Nie zuvor und selten danach gab es eine derart blühende Produktivität auf dem Feld der geistlichen Musik wie in dieser Zeit – und das quer durch Europa. Davon kann man auf der aktuellen Platte des britischen Vokalensembles The Sixteen mit seinem Leiter Harry Christophers einen Eindruck bekommen. The Sixteen unternehmen zum wiederholten Mal einen Streifzug durch das Repertoire; auch andere herausragende Formationen haben weihnachtliche Renaissance-Platten sehr verschiedenen Zuschnitts produziert, etwa Stile antico oder Weser-Renaissance Bremen mit Manfred Cordes.

Ausgangspunkt im aktuellen Programm von The Sixteen ist die gregorianische Einstimmigkeit, ideal verkörpert durch Adventlich-Weihnachtliches wie 'Veni, veni Emmanuel' oder 'Resonet in laudibus'. Diese Grundlagen waren nicht selten Ausgangspunkte für die Motettenkunst der großen Meister, erlesen im Satz, oft erhaben in der Wirkung. Ergebnis ist ein erstaunlich stimmungsvolles Ganzes, knapp 70 Minuten zwischen Kontemplation und bewegter Freude. Attraktiv ist das Programm natürlich wegen der bekannten Größen wie Thomas Tallis, William Byrd, Tomás Luis de Victoria, Francisco Guerrero, Johannes Eccard, Jacob Handl, Orlando di Lasso, Jan Pieterszoon Sweelinck oder John Sheppard mit ihren gewichtigen Sätzen. Aber nicht nur: Das Beispiel der weit weniger bekannten Richard Dering oder vor allem George Kirbye, dessen exzellentes, schmerzlich klares 'Vox in Rama' sehr beeindruckt, macht deutlich, wie hoch die Qualität in vielen Komponierstuben jener Zeit war.

Energische Experten

The Sixteen sind in groß angelegter, weit ausgreifender Polyphonie, die blüht und prangt, seit vielen Jahrzehnten zu Hause wie nur wenige andere Ensembles, in immer wieder verjüngter Besetzung. Tallis oder Sheppard zu hören ist mit diesen Vokalisten von Format ein ohrenöffnendes Erlebnis. Dieses künstlerische Vermögen, diese stupende Erfahrung verdichten sich zu einer reich substantiierten, hochlebendigen Präsentation, die im besten Sinne weihnachtlich inspiriert wirkt. Und dazu reich an anmerkenswerten Details ist: Die Tempi sind auffallend frisch gewählt, dynamisch fällt die für das Ensemble typische Neigung ins Gewicht, auch heiklen Kontrapunkt mit avancierter Geste aufzuladen. Die Intonation ist makellos, nicht nur kraftbasiert, sondern auch in schwereloser linearer Freiheit beeindruckend. Artikulatorisch fällt ein breites Repertoire auf, von der schon angesprochenen großen Linie bis zu lustvoll ausformulierter Kleinteiligkeit: Das Bewegliche, Wache, Energische eignet dem Ansatz des Ensembles eigentlich immer; selten wirkt das wie ein etwas zu nervöser Zug – etwa in den bewegten Sätzen von Sweelinck oder Handl. Das Klangbild ist klar und differenziert, dazu nimmt es die Kraft des Ensembles nuanciert auf. Dieser Streifzug durch das Repertoire weihnachtlicher Renaissance gerät überaus kurzweilig. Überzeugend gesungen von The Sixteen ist er sowieso.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    A Renaissance Christmas: The Sixteen, Harry Christophers

Label:
Anzahl Medien:
Coro
1
EAN:

828021616723


Cover vergössern

Coro

CORO is the lively and successful record label of Harry Christophers and The Sixteen. Formed in 2001 Coro has re-mastered, re-packaged and re-issued recordings of The Sixteen that were for a short time available on Collins Classics and now releases most of the ensemble?s new recordings. The label also features artists such as The Hilliard Ensemble, Elin Manahan Thomas and Sarah Connolly as well as a ?Live? series and young artists focus. It has recently launched the Acoustic World series of discs which epitomize CORO?s values of excellence of performance, authentic instruments, brilliance of sound and world class musicians.

Celebrated releases include Allegri?s Mierere, Tallis?s Spem in Alium and the complete Eton Choirbook Collection. More recently CORO has released brand new recordings by The Sixteen of Handel?s Coronation Anthems and Fauré?s Requiem with the Academy of St Martin in the Fields. The ensemble?s recording of Handel?s celebrated oratorio, Messiah, with an all-star soloist line-up: Carolyn Sampson, Catherine Wyn-Rogers, Mark Padmore and Christopher Purves, was awarded the prestigious MIDEM Classical Award 2009.

The Sixteen is recognised as one of the world?s greatest ensembles. Comprising both choir and period instrument orchestra, The Sixteen's total commitment to the music it performs is its greatest distinction. A special reputation for performing early English polyphony, masterpieces of the Renaissance, bringing fresh insights into Baroque and early Classical music and a diversity of twentieth-century music, is drawn from the passions of conductor and founder, Harry Christophers.

At home in the UK, The Sixteen are "The Voices of Classic FM", TV Media Partner with Sky Arts, and Associate Artists of Southbank Centre, London. The group promotes an annual series at the Queen Elizabeth Hall as well as The Choral Pilgrimage, a tour of our finest cathedrals bringing music back to the buildings for which it was written. The Sixteen has recently featured in the highly successful BBC Four television series, Sacred Music, presented by actor Simon Russell Beale.

The Sixteen tours throughout Europe, Japan, Australia and the Americas and has given regular performances at major concert halls and festivals worldwide, including the Barbican Centre - London, Bridgewater Hall - Manchester, Concertgebouw - Amsterdam, Sydney Opera House, Tokyo Opera City and Vienna Musikverein and also at the BBC Proms, the festivals of Granada, Lucerne, Istanbul, Prague and Salzburg.

Bringing together live concerts and recording plans has allowed The Sixteen to develop a glittering catalogue of releases, containing music from the Renaissance and Baroque through to great works of our time.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Coro:

  • Zur Kritik... Gestern & heute: Ganz klar: Das ältere englische Repertoire ist bei The Sixteen und Harry Christophers in den besten Händen - die klangorientierte Moderne genauso. Dies macht die aktuelle Platte zu einer hocherfreulichen Angelegenheit. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Der Funke springt über: Ein echter Haydn-Live-Mitschnitt aus Neuengland. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Erlesen: The Sixteen sind unterwegs in erfreulichen Purcell-Erkundungen, die weniger bekanntes Repertoire ins Zentrum rücken und unterstreichen, dass der Komponist ein Meister aller Klassen war. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Coro...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Verdienstvoll: Dieser dritte Teil der interessanten Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner erfreut: Dessen kompositorische Stimme immer weiter zu stärken, so wie Florian Heyerick das mit seinem Ensemble Ex Tempore tut, ist höchst verdienstvoll. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Große Erzählung: Ralf Otto macht diese Produktion zu einem echten Erlebnis, zwischen theologischem Diskurs und Trauerspiel. Eine unbedingt hörenswerte, in ihrer textverständlichen Natürlichkeit eindrückliche Matthäus-Passion. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Liebeslieder: Die Liebe zu besingen oder sie so kunstfertig wie hier besungen zu hören – wer würde dessen je überdrüssig? Am Repertoirewert mag man mit Recht mäkeln. Schön ist diese Platte der King's Singers trotzdem. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Verdienstvoll: Dieser dritte Teil der interessanten Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner erfreut: Dessen kompositorische Stimme immer weiter zu stärken, so wie Florian Heyerick das mit seinem Ensemble Ex Tempore tut, ist höchst verdienstvoll. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Wenig Emotion, Glanz und editorische Sorgfalt: Die um 1700 erstmals publizierte, in ihrem Umfang übersichtliche Cembalo-Musik dieser beiden Organisten, die am Hofe des Sonnenkönigs Louis XIV tätig waren, ist bereits in exzellenten Aufnahmen präsent, mit denen Yago Mahugo kaum konkurrieren kann. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Große Erzählung: Ralf Otto macht diese Produktion zu einem echten Erlebnis, zwischen theologischem Diskurs und Trauerspiel. Eine unbedingt hörenswerte, in ihrer textverständlichen Natürlichkeit eindrückliche Matthäus-Passion. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich