> > > Szymanowski, Karol: Piano Music: Radoslaw Sobczak, Klavier
Sonntag, 7. Juni 2020

Szymanowski, Karol: Piano Music - Radoslaw Sobczak, Klavier

Ziemlich gewaltig


Label/Verlag: DUX
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Pianist Radoslaw Sobczak veröffentlicht eine Szymanowski-Platte mit der gewaltigen, beeindruckenden zweiten Klaviersonate und anderen Klavierwerken.

Angesichts seiner nicht allzu großen Popularität ist es schon bemerkenswert, dass nun innerhalb weniger Monate bereits die vierte Platte mit Klaviermusik von Karol Szymanowski (1882–1937) erschienen ist und die dritte mit dessen neun Präludien op. 1. Radoslaw Sobczak spielt sie mit häufig recht langsamen Tempi, die ein genaues Verfolgen der einzelnen Stimmen erlauben. Außerdem ist sein Rubato sehr stark ausgeprägt, der Komponist verlangt genau das aber auch immer wieder. Obwohl Radoslaw Sobczaks Spiel keineswegs die dynamischen Kontraste fehlen, meidet er doch die Extreme oder sie sind durch die Tontechnik nicht genügend abgebildet. Die Klanggebung ist, auch durch den Pedaleinsatz, rund und weich.

Das zweite Werk der neuen Platte ist Szymanowskis zweite Sonate, A-Dur op. 21, komponiert ab 1910. Sie hat zwar nur zwei Sätze, ist aber dennoch mit etwa 30 Minuten Länge eine der größten Klaviersonaten, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, das Beiheft (informativ, allerdings nur auf Polnisch und Englisch) erwähnt denn auch Beethovens monumentale 'Hammerklaviersonate' als Vorbild. Das Werk ist sehr komplex gebaut und verlangt insofern, im Gegensatz zu den sich leicht erschließenden Präludien op. 1, auch vom Hörer einen gewissen Einsatz: Besonders prägnant sind einige ihrer Themen nicht gerade, dafür ist der Klaviersatz überaus massiv und teilweise mit Dissonanzen angereichert, insgesamt ziemlich gewaltig. Doch Radoslaw Sobczak verdeutlicht die Strukturen sehr gut und hilft so über diese Hürden hinweg. Die Sonate endet mit einer der gewaltigsten Fugen, die es in der Klavierliteratur überhaupt gibt, und schon allein deswegen ist es eigentlich ein Jammer, dass sie kaum jemals gespielt wird, schon gar nicht im Konzert. Radoslaw Sobczak erreicht freilich nicht die enorme Wucht, die etwa in einem Konzertmitschnitt Swjatoslaw Richters von 1982 zu hören ist, beeindruckend ist jedoch auch seine Interpretation.

Zweifellos wäre die Fuge ein guter und monumentaler Schluss für die neue Platte, doch es finden sich darauf noch drei kürzere ‚Zugaben‘, nämlich aus den Zwanziger Jahren zwei der Mazurken op. 50 sowie als ‚Rausschmeißer‘ ein weiteres Frühwerk, die Etüde h-moll op. 4/3, eines seiner bekanntesten Werke und für Szymanowskis Verhältnisse geradezu ein Hit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Szymanowski, Karol: Piano Music: Radoslaw Sobczak, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
DUX
1
05.10.2018
Medium:
EAN:

CD
5902547015026


Cover vergössern

Szymanowski, Karol


Cover vergössern

DUX

Das polnische Label DUX wurde 1992 von Malgorzata Polanska und Lech Tolwinski, beides Absolventen der Toningenieur-Fakultät der Frédéric Chopin Musikakademie in Warschau, gegründet. Hauptanliegen war die Produktion von Aufnahmen mit klassischer Musik, wobei man von Anfang an höchste Ansprüche an künstlerische und technische Standards stellte.Viele Aufnahmen von Dux erlangten sowohl in Polen als auch im Ausland breites Interesse bei Publikum und Kritik, die sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen widerspiegelt.

Ein Schwerpunkt des Labels ist natürlich das reiche musikalische Erbe Polens, das weitaus mehr umfasst als Chopin oder Penderecki. Im Katalog finden sich daher neben bekannteren Namen wie Wieniawski, Szymanowski oder Lutoslawski auch zahlreiche hierzulande bislang weniger bekannte oder völlig unbekannte Komponisten von der Renaissance bis zur Gegenwart, wie Ignaz Jan Paderewski, der Klaviervirtuose und spätere Premier- und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik oder Stanislaw Moniuszko, ein Zeitgenosse Verdis und Schöpfer der polnischen Nationaloper. Aber auch zahlreiche polnische Künstler, Ensembles und Orchester gilt es bei DUX zu entdecken, darunter international renommierte Namen wie beispielsweise die gefeierte Altistin Ewa Podles.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag DUX:

  • Zur Kritik... Interpretatorisches Ausloten von Kontrasten: Die vielfach rezipierte Kammermusik von Johannes Brahms mit Klarinette lädt zu vielen Interpretationsmöglichkeiten ein. Auf der vorliegenden Einspielung wird der Fokus vornehmlich auf das Ausloten der Extreme gelegt. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Originell statt original: Offenbar war es pure Spielfreude, die die polnische Dirigentin Agnieszka Duczmal leitete, als sie zum 50. Geburtstag ihres Kammerorchesters Arrangements kammermusikalischer Originale von Beethoven, Debussy und Korngold einspielte. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Liebe macht gesund: Nachträglich zum 200. Geburtstag von Stanislaw Moniuszko stellt die Oper Krakau eine charmante Einspielung seines letzten Bühnenwerk 'Beata' vor. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle Kritiken von DUX...

Weitere CD-Besprechungen von Jan Kampmeier:

  • Zur Kritik... Abgespeckte Oper: Auch auf seiner zweiten Platte spielt das Trio Roseau Mozart: Bearbeitungen zweier Bassetthorn-Trios sowie Auszüge aus 'Così fan tutte' für Oboe, Klarinette und Fagott. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Vollendet austarierter Anschlag: Das Duo Genova & Dimitrov hat sämtliche Werke von Sergej Rachmaninow für Klavierduo aufgenommen. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Expressive Gestaltung: Der englische Chor The Sixteen interpretiert unter der Leitung von Harry Christophers mit warmem Klang Alte Musik aus Rom, die teils in die Passionszeit passt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Jan Kampmeier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Voller Poesie und russischem Lärm: Barry Douglas setzt sich weder bei Tschaikowsky noch bei Mussorgsky interpretatorisch an die Marktspitze. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Immer wieder Zelenka: Wieder einmal gilt: Vaclav Luks und sein Collegium 1704 plädieren vehement für Jan Dismas Zelenka und dessen hochattraktive Musik. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Tonschönheit ist keine Nebensache: Vier Werke Hindemiths aus den wilden 1920er Jahren zeigen, dass man die Tonschönheit bei ihm keineswegs als Nebensache betrachten muss – auch wenn der Komponist es einmal forderte. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2020) herunterladen (3000 KByte) Class aktuell (1/2020) herunterladen (4180 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Dmitri Kabalewski: 24 Préludes op.38

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich