> > > Bach, Johann Sebastian: The Brandenburg Concertos: Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen
Freitag, 26. April 2019

Bach, Johann Sebastian: The Brandenburg Concertos - Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen

Brandenburgisches Kopenhagen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss: Concerto Copenhagen spielt die Brandenburgischen Konzerte.

Die Brandenburgischen Konzerte BWV 1046 bis 1051 von Johann Sebastian Bach gehören zu den am meisten eingespielten Werkzyklen überhaupt. Ob romantisierende Klangästhetik oder Originalklangpraxis – praktisch jeder Klangkörper beziehungsweise jedes Ensemble, das etwas auf sich hält, kann eine Aufnahme der sechs berühmten Opera vorweisen. Wenn ein bewährtes Alte-Musik-Ensemble wie Concerto Copenhagen unter Leitung seines künstlerischen Direktors Lars Ulrik Mortensen im Jahr 2018 also nun ebenfalls seine Interpretation in den Ring wirft, stellt sich naturgemäß die Frage nach der Notwendigkeit oder der interpretatorischen Besonderheit, falls vorhanden.

Dass das 1991 gegründete Ensemble spieltechnisch vollkommen auf der Höhe ist, steht dabei außer Frage. Dies zumal das Ensemble großartige Solisten vorzuweisen hat und Mortensen, hier am Cembalo, eine Art Urgestein der Szene ist. Vor diesem Hintergrund aber überrascht dann doch, wie handzahm diese Einspielung auf zwei hybriden SACDs geworden ist. Wer klare Ausgewogenheit zu schätzen weiß, ohne es dabei allzu spannend haben zu müssen, der wird diese Interpretationen kultiviert nennen. Wer es gerne affektreich und kratzig-wild hat, der wird hier eher die Lebendigkeit vermissen. Sicher dürfte sein, dass Mortensens Zugriff nicht unbedingt ein konzertanter ist. Zwar sind vor allem im Mehrkanal-Modus die vielen Soli gut vernehmbar, etwa die beiden hohen Hörner von Teunis van der Zwart und Pierre-Antoine Tremblay in BWV 1046 oder die Flöten von Kate Hearne und Katy Bircher in BWV 1049 plus Violinsolo im Allegro. Alleine das Hörnersolo im Trio 2 des Schlusssatzes von BWV 1046 klingt zum Einrahmen gut. Und auch wenn die Barocktrompete von Robert Farley in BWV 1047 in der höchsten Höhe ein paarmal bedroht wirkt, klingt der Rest glänzend souverän.

Irritierend konventionell

Insgesamt aber sind die Soli deutlich in den Gesamtklang eingebettet und bewegen sich mehr im Hintergrund. Vor allem im ersten Satz von BWV 1050 wird das große Cembalosolo eindeutig zu sehr nach hinten gerückt, so dass man hier die Lautstärke schon aufdrehen muss, um in den vollen Genuss von Mortens vollendeter Geläufigkeit zu kommen. Überhaupt kommt der Continuo-Gruppe klangbildlich nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit zu. Die Streicher sind in BWV 1048 und 1051 zwar schön aufgefächert, Phrasierung und Tongebung klingen aber so konventionell, dass es fast schon irritiert. Gleiches gilt für die durchgängig ‚normale‘ Tempogestaltung, die zu keinem Zeitpunkt irgendwie auffällt. So entsteht am Ende der Eindruck von makelloser Souveränität, der aber zumindest den Rezensenten nicht wirklich mitreißen konnte. Dafür ist die Konkurrenz auf dem Klassikmarkt dann doch viel zu groß.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: The Brandenburg Concertos: Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen

Label:
Anzahl Medien:
cpo
2
EAN:

761203515820


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Bach, Johann Sebastian


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
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