> > > Gelius Trio: Russische Trios: Werke von Arensky, Babadjanyan, Schostakowitsch
Freitag, 19. April 2019

Gelius Trio: Russische Trios - Werke von Arensky, Babadjanyan, Schostakowitsch

Elegant, aber zu blass


Label/Verlag: Thorofon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Gelius Trio überzeugt in einem Werk des Armeniers Arno Babadschanjan mehr als mit Arenskij und Schostakowitsch.

Sonderlich bekannt ist Anton Arenskij  (1861–1906) bei uns nicht, andererseits wird zumindest eines seiner Werke regelmäßig aufgenommen: Sein erstes Klaviertrio d-moll op. 32. So haben in den letzten Jahren etwa das junge Trio Enescu, das Beethoven Trio Bonn und mit dem französischen Trio Wanderer auch das zur Zeit wohl erfolgreichste Klaviertrio überhaupt ihre Hüte in den Ring geworfen. Referenzstatus können diese Aufnahmen alle nicht beanspruchen, und auch dem Gelius Trio gelingt das nicht.

Dessen Neuaufnahme ist betont elegant, und das legt die Partitur auch nahe. Das Problem ist, dass andere Aspekte vergleichsweise wenig zum Tragen kommen. Im Konzertsaal einer solchen Interpretation zu begegnen, wäre ausgesprochen unwahrscheinlich, denn im Studio wurde alles auf Hochglanz poliert, die technische Perfektion dürfte kaum zu übertreffen sein. Wirklich lebendig allerdings wirkt die Einspielung nicht. Im Kopfsatz etwa dürfte der Unterschied zwischen dem Allegro moderato des Beginns und dem Adagio am Schluss schon etwas größer ausfallen. Akzente und dynamische Anweisungen am oberen Ende der Skala werden nicht wirklich ernst genommen, dabei ist ein Fortissimo gar nicht mal so selten bei Arenskij. Der zweite Satz, das Scherzo, verliert einen ziemlich wichtigen Aspekt, wenn es nicht spritzig und brillant gespielt wird. In der Hinsicht haben manche andere Aufnahmen deutlich mehr zu bieten. Auch das Finale wirkt ein wenig wie mit angezogener Handbremse gespielt, der langsame dritte Satz allerdings könnte wohlklingender kaum sein.

Das erste, einsätzige Trio c-moll des 17-jährigen Dmitrij Schostakowitsch ist in seinen zarten, sanften Stimmungen gut gelungen und überdies trotz des etwas halligen Klangs der Aufnahme ausgesprochen transparent. Die stürmischen, leidenschaftlichen Abschnitte hingegen bleiben blass.

Völlig unbekannt ist bei uns der Komponist, mit dessen Trio in fis-moll das Gelius Trio den stärksten Eindruck macht: Der Armenier Arno Babadschanjan (1921–1983), dessen Namen man, transkribiert in unsere Schrift, in knapp tausend Varianten findet (Babadjanyan, Babajanian, Babadzhanyan…). Er komponierte sein Klaviertrio 1952, ein sehr eingängiges Werk, das von der armenischen Folklore durchzogen ist und insofern nicht wirklich zum Titel der Platte (russische Trios) passt. Es gibt eine Aufnahme mit David Oistrach, Swjatoslaw Knuschewitzkij und dem Komponisten selbst am Klavier, deren zügiges Tempo vor allem im Finale mehr Schwung vermittelt, doch das Gelius Trio kann in diesem Fall klanglich punkten. Allein wie die Streicher das Thema im langsamen Satz blühen lassen, ist beeindruckend.

In der Abmischung der drei Instrumente wurden offenbar die Streicher etwas hochgezogen, hauptsächlich das Cello, was allerdings dazu führt, dass zumindest stellenweise das Klavier nun zu dezent klingt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Gelius Trio: Russische Trios: Werke von Arensky, Babadjanyan, Schostakowitsch

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Thorofon
1
19.04.2018
EAN:

4003913126504


Cover vergössern

Thorofon

In der nunmehr über 40jährigen Tradition von THOROFON wurde ein respektabler, vielfach preisgekrönter Katalog aufgebaut. Eine Schatztruhe für besondere musikalische Raritäten, die die Lücken in der Überlieferung der musikalischen Tradition ein bisschen verkleinern, und außerdem jungen, talentierten Interpreten eine Chance geben. Zu unseren Schätzen gehören ebenfalls Gesamteinspielungen von Ludwig van Beethovens Klaviersonaten, sämtliche Werke für Klavier solo von Johannes Brahms, Gesamtausgabe der Kammermusik von Josef Rheinberger, das Gesamtwerk von Louis Ferdinand Prinz von Preussen, das komplette Klavierwerk von Robert Schumann, eine Gesamteinspielung der Max Reger Kompositionen auf 13 CD, die das abwechslungsreiche Repertoire von THOROFON abrunden.

Auszeichnungen wie der ECHO KLASSIK (17 mal!) oder der Preis der Deutschen Schallplattenkritik versinnbildlichen den Anspruch des Labels und unterstreichen die Qualität der Produkte.

THOROFON ist ein Label der BELLA M USICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Thorofon:

  • Zur Kritik... Harmonisch spannend: Ein zu Unrecht vergessener Lokalkomponist des 18. Jahrhunderts in hinreißender Interpretation. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Gesammelte Werke: Das Streichquartett war eine Gattung, die Beethoven sein ganzes Leben lang begleitete – und so widmete sich auch das Berliner Ensemble immer wieder Beethovens Streichquartetten. Weiter...
    (Sonja Jüschke, )
  • Zur Kritik... Schlicht unerträglich: So rettet man keinen Komponisten vor dem Vergessen: Johann Vesque von Püttlingen hat Besseres verdient. Weiter...
    (Simon Haasis, )
blättern

Alle Kritiken von Thorofon...

Weitere CD-Besprechungen von Jan Kampmeier:

  • Zur Kritik... Mozart auf 'blasenden Instrumenten': Das Trio Roseau (Oboe, Klarinette, Fagott) spielt Trios von Mozart sowie eine eigene Bearbeitung von Auszügen aus der Oper 'La Clemenza di Tito'. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Überbordend expressiv: Zwei unbekannte, aber lohnende Klavierquartette aus der Zeit des Ersten Weltkriegs erklingen auf dieser Einspielung in wuchtigen Interpretationen. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Brillant und akzentuiert: Matthias Roth hat eine rundum überzeugende Platte mit Klavierwerken von Szymanowski und Ravel vorgelegt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Jan Kampmeier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Große Erzählung: Ralf Otto macht diese Produktion zu einem echten Erlebnis, zwischen theologischem Diskurs und Trauerspiel. Eine unbedingt hörenswerte, in ihrer textverständlichen Natürlichkeit eindrückliche Matthäus-Passion. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Berauschend: Das Duo imPuls, das die berühmten Präludien Bachs in einem völlig anderen Licht präsentiert, geht mit dieser CD-Veröffentlichung ein revolutionäres Wagnis ein. Wer sich allerdings auf den ungewöhnlichen Klanggenuss einlässt, wird reich belohnt werden. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Liebe fürs Detail: Das Label Dux bringt eine gelungene Aufnahme der Chopin-Lieder op. 74 neu heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Jacques Offenbach: Décaméron dramatique. Album du Théatre Francais - Schottisch des Clochettes

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich