> > > Frühling, Carl: Klarinettentrio op.40 : Davide Bandieri, Marja-Liisa Marosi, Joel Marosi
Sonntag, 21. April 2019

Frühling, Carl: Klarinettentrio op.40 - Davide Bandieri, Marja-Liisa Marosi, Joel Marosi

Verhaltene Expressivität


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Neuaufnahme der Klarinettentrios von Carl Frühling und Alexander Zemlinsky kann nur teilweise überzeugen.

Davide Bandieri spielt mit sehr dunklem und glatten Ton, klanglich würde man niemals auf etwas anderes als einen deutschen oder österreichischen Klarinettisten tippen. Somit trifft der Italiener im Grunde genau den richtigen Ton für die Trios a-moll op. 40 von Carl Frühling und d-moll op. 3 von Alexander Zemlinsky, zwei Werke ganz entschieden in der Brahms-Tradition, die er hier mit Joël Marosi am Cello und Marja-Liisa Marosi am Flügel aufgenommen hat (Brilliant classics). Nach einer Weile allerdings wirkt dieser Klang eigenartig, denn er bleibt bei allen drei Musikern extrem kontrolliert, ein wirkliches Ausbrechen gibt es selbst an den expressivsten Stellen nicht. Dabei ist diese um 1900 komponierte Musik doch eigentlich ziemlich expressiv und kommt in dieser Interpretation letztlich doch etwas zu verhalten daher, bei Zemlinsky vor allem. Auch die Artikulation könnte lebhafter, spritziger sein, der zweite Satz bei Carl Frühling etwa, ein Walzer, der eigentlich ‚anmutig bewegt‘ sein soll, wirkt über weite Strecken eher träge. Den dritten Satz hingegen, in seinem mysteriösen Charakter ohnehin der außergewöhnlichste, in dem Carl Frühling den zuvor herrschenden Brahms-Einfluss am deutlichsten überwunden hat, setzen die Interpreten ungemein stimmungsvoll in Szene, die Musik profitiert hier besonders von der genau ausgewogenen Balance der Stimmen. Auch das Finale wirkt in der Interpretation überzeugend, vor allem schlüssig in den Änderungen des Tempos.

Obwohl die Klarinette sehr direkt abgenommen scheint, sind die normalerweise unvermeidlichen Atem-, Luft- oder Klappengeräusche auf dieser Aufnahme quasi nicht existent, zumindest aber derart minimal, dass es schon unnatürlich wirkt. Ebenso wenig sind Bogen- oder Pedalgeräusche in nennenswertem Ausmaß hörbar oder was dergleichen mehr beim Musizieren entsteht, so dass der Eindruck insgesamt etwas steril ist.

Den Text im Beiheft, leider nur auf englisch, hat der Klarinettist Davide Bandieri selbst geschrieben. Carl Frühling (1868–1937) und seinem Klarinettentrio ist darin bedauerlicherweise nur ein knapper Absatz gewidmet, in dem man noch nicht einmal die Entstehungszeit des Werkes (veröffentlicht 1925) erfährt. Dabei wäre durchaus zu überlegen, ob sein Trio nicht sogar, hauptsächlich aufgrund des dritten Satzes, das spannendere im Vergleich zu Zemlinsky ist. Über letzteren werden im Text aus unerfindlichen Gründen ziemlich umfänglich die Ansichten Adornos wiedergegeben, deren Aktualität und Relevanz man heute getrost bezweifeln darf.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Frühling, Carl: Klarinettentrio op.40 : Davide Bandieri, Marja-Liisa Marosi, Joel Marosi

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
08.06.2018
EAN:

5028421953946


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Zemlinsky, Alexander von


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