> > > von Bausznern, Waldemar: Kammermusik Vol.2 : Maria Bengtsson, Berolina Ensemble
Mittwoch, 26. Juni 2019

von Bausznern, Waldemar: Kammermusik Vol.2 - Maria Bengtsson, Berolina Ensemble

Eine Fülle hübscher Einfälle


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Waldemar von Bausznerns Kammermusik ist hier in einer sehr ansprechenden Einspielung des Berolina Ensembles zu entdecken.

Wirklich wunderschön sind die acht Kammergesänge von Waldemar von Bausznern, aber: Sie sind nicht von ihm komponiert. Bausznern, der Name findet sich auch in den Varianten Baußnern oder Baussnern, hat hier alte Weisen unterschiedlichster Herkunft bearbeitet, vier französische Texte, drei deutsche und einen italienischen – das berühmte 'Se tu m‘ami', an dem kein Gesangsschüler vorbeikommt. Bausznern (1866–1931) schrieb dazu im Jahr 1906 eine aparte Begleitung nicht mit Klavier, sondern mit Streichquartett, Flöte und Klarinette. In der Neuaufnahme des Berolina Ensembles mit der Sopranistin Maria Bengtsson klingt das großartig. Die Melodien – Waldemar von Bausznern hat sich immerhin ganz wunderbare, schlichte Weisen ausgesucht – schweben fast schwerelos, da das Cello eine Bassfunktion höchstens sehr dezent ausübt und alle Instrumente leichtfüßig tänzelnd musizieren, werden von der Solistin deutlich artikuliert und vor allem anrührend zart gesungen. Im Grunde sind alle acht Gesänge ganz entzückend, dennoch sticht wohl das melancholische 'Der Stolzen Schönheit' ('Du mein einzig Licht') heraus, das hier sehr ruhig interpretiert wird.

Die neue Platte enthält außer diesen Kammergesängen noch ein Streichtrio und ein 1898 komponiertes großes Quintett in ebenfalls reizvoller Besetzung mit Klavier, Violine, Klarinette, Horn und Cello, aus der Bausznern denn auch immer wieder ausgesprochen interessante, teils verblüffende Klangfarben hervorzuzaubern versteht. Auch kann man ihm kaum nachsagen, dass es seinem Werk an hübschen Einfällen mangelte, eine wahre Fülle gibt es davon sogar. Lediglich was die Form angeht – bei den kleinen Liedern merkte man das nicht – erscheint er nicht als der größte Meister. Viele Übergänge nämlich sind dann doch recht unbeholfen gestaltet. Trotzdem kann man das Werk mit Genuss hören.

Das 2009 gegründete Berolina Ensemble, das sich laut Beiheft in der Tradition eines Consortium Classicum sieht, einer Entdeckertruppe also, stets auf der Suche nach zu Unrecht Vergessenem, vor allem größer besetzter Kammermusik, hat Waldemar von Bausznern hiermit bereits die zweite Platte gewidmet (MDG). Den Musikern ist eine lebendige und sehr klangschöne Umsetzung gelungen, bestens ausbalanciert und mit tadellosem Zusammenspiel. Das Beiheft informiert umfassend über Komponist, Werke und Interpreten, auch die Liedtexte sind enthalten.


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    von Bausznern, Waldemar: Kammermusik Vol.2 : Maria Bengtsson, Berolina Ensemble

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD SACD
760623207162


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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