> > > Schmitt, Florent: Sinfonie Nr. 2 & Orchesterwerke
Sonntag, 25. August 2019

Schmitt, Florent - Sinfonie Nr. 2 & Orchesterwerke

Nicht immer anspruchsvoll, aber unterhaltsam


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sakari Oramo und das BBC Symphony Orchestra überzeugen vor allem mit der späten (Zweiten) Sinfonie von Florent Schmitt.

Die Musik des Franzosen Florent Schmitt (1870-1958) ist nur selten im Konzertsaal zu hören, auf Tonträgern aber erstaunlich präsent. Eine kleine, jedoch sehr erlesene Schar von Dirigenten (darunter Yan Pascal Tortelier und Yannick Nézet-Séguin) hat sich für den Komponisten engagiert, so dass sich vor allem seine 'Tragédie de Salome' op. 50 zumindest im erweiterten Repertoire etablieren konnte. Dazu gesellt sich nun Sakari Oramo, der auf vorliegender CD zusammen mit dem BBC Symphony Orchestra zwei zentrale Werke Schmitts eingespielt hat: Zum einen die beiden Orchestersuiten aus 'Antoine et Cléopâtre' op. 69, die der Komponist aus der gleichnamigen Ballettmusik extrahierte, zum anderen die Sinfonie op. 137, die ganz offiziell (auch auf dieser Einspielung) als Zweite Sinfonie bezeichnet wird, obwohl Schmitt nur diese eine Sinfonie komponierte. Beide Werke trennen 37 Jahre: 1920, als Schmitt einer der renommiertesten französischen Tondichter war, entstand die Musik zu 'Antoine et Cléopâtre'; 1957 vollendete er die Sinfonie, als sein Ruhm schon reichlich verblasst war (wenn auch die Uraufführung unter Charles Munch 1958 noch einmal zu einem Triumph geriet).

Beide Suiten sind dreiteilig und zeigen Schmitt als einen virtuosen Instrumentator, der eine Vielzahl von Stimmungen und Klangbildern darstellen konnte. Dass sich der Komponist von allen möglichen Vorbildern (insbesondere von seinem Landsmann Ravel) inspirieren ließ, ist jederzeit hörbar, tut der Qualität der Musik jedoch keinen Abbruch. Die raffinierten, von diversen Tempowechseln durchzogenen Abschnitte haben in Oramo einen hervorragenden Interpreten gefunden, der das Orchester sicher durch die anspruchsvolle Partitur leitet. Insbesondere die heikle Balance zwischen dem oft abrupt dreinfahrenden Blech und dem restlichen Orchester (so beispielsweise in der 'Nuit au palais de la Reine', Track 4) wird vom Dirigenten eindrucksvoll gemeistert. Jenseits der gekonnten Momentaufnahmen mag manch anspruchsvollem Hörer der größere (insbesondere motivisch-thematische) Zusammenhang zwischen den einzelnen Sätzen fehlen, doch kurzweilig und unterhaltsam sind die beiden Suiten allemal.

Deutlich ausdrucksstärker im Bezug auf motivisch-thematische Arbeit präsentiert sich die (Zweite) Sinfonie, ein Werk gegen alle Modetrends der 1950er Jahre – Schmitt beschwört hier noch einmal die längst vergangene Welt der musikalischen Spätromantik. Das dreisätzige Stück beginnt mit einem einprägsamen Motiv der Celli und Bässe, das als Grundgerüst für alle drei Sätze fungiert und so für einen hohen formalen Zusammenhalt sorgt. Die Variationskunst des Komponisten wird von Oramo detailliert eingefangen, die perkussiven Passagen vor allem des Kopfsatzes büßen in seiner Interpretation allerdings ein wenig an Schärfe ein. Die Leistung des BBC Symphony Orchestra ist unbestritten erstklassig, vor allem in den immer wieder auftauchenden Streicher-Kantilenen. Auch das Klangbild ist sehr gut, Schmitts individuelle Instrumentenkombinationen wurden gut ausbalanciert eingefangen (Chandos). Insgesamt ist diese Einspielung der Sinfonie für Freunde (spät-)romantischer Sinfonik höchst empfehlenswert, die beiden Ballett-Suiten können dagegen – trotz einwandfreier Interpretation – dieses musikalische Niveau nicht halten.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schmitt, Florent: Sinfonie Nr. 2 & Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
02.03.2018
Medium:
EAN:

SACD
095115520024


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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