> > > Czerny & Bruch: Konzerte für Klavier vierhändig & zwei Klaviere
Dienstag, 18. Juni 2019

Czerny & Bruch - Konzerte für Klavier vierhändig & zwei Klaviere

Voller Leben und Quirligkeit


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Klavierduo Genova & Dimitrov legt erneut eine Platte mit raren Konzerten vor. In diesem Fall werden Werke von Carl Czerny und Max Bruch mit viel Schwung und absoluter Perfektion gespielt.

Beide Konzerte dieser neuen Platte sind hoffnungslos altmodisch für ihre jeweilige Entstehungszeit, und das erste davon stammt auch noch von einem Komponisten mit denkbar schlechtem Ruf. Es wurde wohl zwischen 1827 und 1830 geschrieben von Carl Czerny, dessen Name Generationen von Klavierschülern vor allem mit technischen Etüden verbinden, von der ‚Schule der Geläufigkeit‘ bis hin zu den ‚160 achttaktigen Übungen‘. Musik hört man von ihm fast nie, dabei geht die Zahl der Werke des Beethoven-Schülers, wie das Beiheft in epischer Breite darlegt, doch in die Tausende.

Und es findet sich darunter sogar ein Konzert für Klavier zu vier Händen und Orchester, eine Gattung, die wahrlich nicht jeder Komponist ist seinem Katalog stehen hat. Wenn man das Werk so hört, klingt es nach einem freundlichen und etwas harmlosen klassischen Konzert aus dem 18. Jahrhundert, nicht spektakulär zwar, aber eigentlich doch recht hübsch. Dass Czerny hier beim Hörer punkten kann, ist sicher zum nicht geringen Teil den Interpreten zu verdanken, glänzt sein Konzert doch im spezifischen Klang des Klavierduos Genova & Dimitrov. Wie immer sprüht deren Aufnahme vor Leben und Quirligkeit, ist der Anschlag brillant und das Zusammenspiel von beispielhafter Perfektion. Da macht das Zuhören eigentlich immer Spaß, auch und im Grunde sogar ganz besonders dann, wenn sie abseits der großen Meisterwerke auf Entdeckungstour gehen.

Zur Seite steht dem bulgarischen Pianistenpaar ihr junger Landsmann Jordan Kamdschalow, mit dem bereits zuvor eine hoch gerühmte gemeinsame Platte erschienen ist und der hier am Pult des just von ihm selbst initiierten Genesis Orchestra steht, das sich über weite Strecken recht bescheiden im Hintergrund halten muss, dann aber immer wieder zur Stelle ist, vor allem auch mit vielen kleinen Soli der Bläser, die sehr gut in Szene gesetzt werden.

Vor dem zweiten Konzert dieser Platte, dem für zwei Klaviere und Orchester op. 88a von Max Bruch, dass etwa im Stile von Bartholdy oder Schumann unfassbarer Weise erst nach 1911 entstanden ist, haben Aglika Genova und Liuben Dimitrov mit einer Fantasie Bruchs für zwei Klaviere ohne Orchester einen Exkurs eingeschoben, der aus Czernys heiterer Welt heraus in viel ernstere Sphären führt. Dort scheint das Konzert mit seinem kraftvollen Beginn in moll auch zu verharren, doch im Grunde ist es kein dramatisches oder düsteres, sondern ein sehr freundliches Werk, das voller Schwung und Freude ziemlich mitreißend endet. Das Konzert ist ebenfalls nicht sonderlich bekannt, obschon immer noch bekannter als das von Czerny.

In diesem Fall spielt das Symphonieorchester des bulgarischen nationalen Radios – die Aufnahme entstand bereits im Mai 2015, das Genesis Orchestra wurde erst 2016 gegründet. Auffällig sind einige der Tempi, so wird der dritte Satz des viersätzigen Konzerts für ein Adagio recht zügig genommen, im Finale hingegen wird das Tempo nicht übertrieben. Ein makellos geschliffener Vortrag von Orchester und Solisten sowie in deren Zusammenwirken ist aber auch hier zu erleben.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Czerny & Bruch: Konzerte für Klavier vierhändig & zwei Klaviere

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
cpo
1
22.02.2018
60:54
EAN:
BestellNr.:

761203509027
cpo 555 090-2


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Bruch, Max
 - Fantasie für zwei Klaviere op. 11 -
 - Konzert für zwei Klaviere und Orchester op. 88a - Andante sostenuto
 - Konzert für zwei Klaviere und Orchester op. 88a - Andante con moto - Allegro molto vivace
 - Konzert für zwei Klaviere und Orchester op. 88a - Adagio ma non troppo
 - Konzert für zwei Klaviere und Orchester op. 88a - Andante - Allegro
Czerny, Carl
 - Konzert für Klavier vierhändig und Orchester op. 153 - Allegro con brio
 - Konzert für Klavier vierhändig und Orchester op. 153 - Adagio espressivo
 - Konzert für Klavier vierhändig und Orchester op. 153 - Rondo alla Polacca. Vivace


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Dirigent(en):Kamdzhalov, Yordan
Orchester/Ensemble:Genesis Orchestra
Bulgarian National Radio Symphony Orchestra
Interpret(en):Klavierduo Genova & Dimitrov,


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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