> > > Escher String Quartet spielt: Werke von Dvorak, Tschaikowsky und Borodin
Sonntag, 21. April 2019

Escher String Quartet spielt - Werke von Dvorak, Tschaikowsky und Borodin

Fließende Wärme


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Klangfarbliche Wärme, Lebendigkeit und Flexibilität sprechen für das Escher String Quartet.

Das nach dem Künstler M. C. Escher benannte Escher String Quartet mag hierzulande nicht allzu bekannt sein, kann seit seiner Gründung im Jahr 2005 jedoch bereits einige Einspielungen auf dem Tonträgermarkt vorweisen. Die Bandbreite der vier New Yorker bewegt sich dabei zwischen der Romantik eines Felix Mendelssohn Bartholdy und der Moderne eines Alexander von Zemlinsky. Für ihr neuestes SACD-Album bei BIS haben sie sich im für Aufnahmen beliebten Reitstadel in Neumarkt in der Oberpfalz drei Vertretern der Spätromantik zugewandt, genauer Antonín Dvořák, Peter Tschaikowsky und Alexander Borodin. Dvořáks Quartett in F-Dur op. 96, das den Beinamen ‚Amerikanisches‘ trägt, dürfte hierbei das bekannteste sein. Doch auch Tschaikowskys erster Beitrag zur Gattung in D-Dur op. 11 erfreut sich nicht zuletzt dank seines 'Andante Cantabile' mit dem berühmten Volksliedthema ('Sidel Vanya') einiger Beliebtheit. Borodins Streichquartett Nr. 2 schließlich ist von den drei Streichquartetten am wenigsten bekannt, wobei sich aufgrund seiner melodischen Schönheiten und Kurzweiligkeit fragen lässt, warum das eigentlich so ist.

Müsste man die Klangästhetik des Escher String Quartet mit einigen Worten umschreiben, fielen die Worte klangfarbliche Wärme, Lebendigkeit und Flexibilität. Zu Beginn des Quartettes in D-Dur von Tschaikowsky erstrahlt das akkordisch im Tutti gesetzte Hauptthema so hell, dass man sich geradezu vor dem Kaminfeuer wähnt. Der sich vor allem in der Durchführung dann intensiv steigernde Satz wird in aller Expressivität ausgesungen, wobei harmonische Schärfen weniger betont werden. Das fällt jedoch überhaupt nicht störend ins Gewicht, weil der Zugriff einerseits jederzeit spontan lebendig wirkt, anderseits aber auch so intelligent phrasiert wird, dass der Gedanke an Alternativen gar nicht aufkommt. Hält man zum Vergleich die farbärmere und gestisch steifere Einspielung des Endellion String Quartet dagegen, wird der Unterschied deutlich. Dank des exzellent durchhörbaren Klangbildes kann es sich das Escher String Quartet ebenfalls erlauben, im 'Lento' des Dvořák-Quartetts klanglich eng ‚zusammenzurücken‘, sodass die wellenförmigen Begleitstimmen mit dem durch nacheinander durch verschiedene Stimmen gereichten Kantabile-Thema nahezu verschmelzen. Im anschließenden 'Scherzo' dann, das rhythmisch wunderbar schroff und tänzerisch gegeben wird, agieren die Instrumente wieder viel stärker getrennt voneinander.

Der für viele amerikanische Streichquartettformationen charakteristische, in die Breite gehende Klang lässt sich auch beim Escher String Quartet antreffen. Interessanterweise eignet sich dieser Ansatz besonders bei Borodin ausgezeichnet, da so die schwärmerische Expressivität seines D-Dur-Quartetts Nr. 2 voll zur Entfaltung gelangt. Wer also eine klangqualitativ hochwertige SACD-Aufnahme besagter Werke sucht, kann bedenkenlos zugreifen. Allerdings sollte vor dem Kauf die Abspielbarkeit überprüft werden: Dem Rezensenten standen zwei Exemplare zur Verfügung. Beide SACDs jedoch ließen sich auf einem C568 von NAD nicht ganz ohne durch Springen verursachte Störgeräusche abspielen.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Escher String Quartet spielt: Werke von Dvorak, Tschaikowsky und Borodin

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
06.12.2017
EAN:

7318599922805


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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