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Sonntag, 21. April 2019

Schnittke & Pärt - Chorwerke

Klangmagie


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Estnische Philharmonische Kammerchor bewegt sich bei Schnittke und Pärt wie in seinem Zuhause: Alle satztechnische Komplexität kann der Wirkung unmittelbarer Natürlichkeit bei Schnittke und Pärt nichts anhaben.

An hochklassigen Einspielungen der attraktiven 'Bußpsalmen', die Alfred Schnittke 1988 für die 1000-Jahr-Feier der Christianisierung Russlands schrieb, herrscht erstaunlicherweise kein Mangel: Die Radiochöre aus Kopenhagen und Stockholm haben sie erstklassig gesungen, in jüngerer Zeit auch das beeindruckende SWR Vokalensemble oder der famose RIAS Kammerchor. Alle haben das gewaltige Panorama mit seiner Fülle an Einflüssen von der traditionellen Musik der orthodoxen Liturgie bis zur Volkstümlichkeit anderer russischer Traditionen kunstvoll präsentiert. So, wie es jetzt auch der Estnische Philharmonische Kammerchor unter der Leitung des Letten Kaspars Putniņš tut. In dessen Person vereinen sich aktuell zwei Stränge baltischer Chormusik: Er war seit 1994 ständiger Dirigent des Lettischen Radiochors und ist seit 2014 Chefdirigent und Künstlerischer Leiter Tallinn.

Alfred Schnittke schickt den Chor durch ausgreifende Parallelklänge, oft mixturartig angereichert. Und es ist großartig, wie er das in der Substanz eigentlich konzentrierte, oft sogar schlichte Geschehen in großer Geste weit auffächert: Was für Schlüsse sind da nach zerklüftetem Vers zu hören – sie ließen manchen Spätromantiker vor Neid erblassen, sähe er sich denn dem direkten Vergleich ausgesetzt. Der letzte der zwölf Sätze ist bocca chiusa, also mit geschlossenem Mund zu singen: Ein stimmtechnisch forderndes, aber auch ungemein klangsinnliches Stück Musik.

Doch Schnittke hat nicht das letzte Wort. Das gebührt Arvo Pärt mit seinem 'Magnificat' von 1989 und seinem 'Nunc dimittis' von 2001. Im Kontext mit Schnittkes Musik wirken Pärts Arbeiten beinahe verhalten, jedenfalls schlank und konzentriert. Aber eben kaum weniger wirksam und vor allem ästhetisch absolut konzis: Pärts Eigenständigkeit beeindruckt immer wieder, egal, in welchem programmatischen Zusammenhang.

Großartiger Chor

Der Estnische Philharmonische Kammerchor ist ein lyrischer Riese, mit einem dunklen Grundklang, der dem Ensemble bei Schnittke und auch bei Pärt sehr entgegenkommt. Der Chor entfaltet eine frei strömende Kraft: Dynamisch ist eine riesige Palette zu erleben, von zartesten, hauchfeinen Klängen bis zum eruptiven Ausbruch. Aber auch gesammelt macht die Formation Eindruck, etwa in einem wunderbar weichen Forte am Höhepunkt von Pärts 'Magnificat' oder in manch perfekt pointiertem Decrescendo – so entspannt und zugleich kontrolliert wie die Esten können das nicht viele Ensembles. Es sind fabelhaft Soli zu hören, organisch aus dem Chorklang hervortretend. Besonders der Tenor Raul Mikson bei Schnittke und die Sopranistin Kaia Urb bei Pärt sind zu erwähnen. Einzelne der Sopran-Stimmen scheinen dem Chor schon entwachsen, sind im Forte jedenfalls zu präsent und mit opernhafter Geste vernehmlich. Gewaltigen Eindruck machen die schwarz timbrierten Bässe, die in mächtigen Orgelpunkten und Parallelklängen ihr ganzes Überwältigungspotenzial entfalten. Die besonders üppige Bass-Sphäre ist wohl auch einer der Pluspunkte im Vergleich zu manch anderer Produktion. Intoniert wird fabelhaft – in diesem ambitionierten Repertoire ist das unverzichtbar für eine gelingende Interpretation. Das Klangbild der in der Tallinner Nikolaikirche entstandenen Aufnahmen ist von einiger Größe: In manchem Schlussklang hört man deutlich, was vorher zu ahnen ist und nach geschickter Bändigung verlangt. Alle Register sind plastisch präsent.

Der Estnische Philharmonische Kammerchor bewegt sich in diesem Repertoire wie in seinem Zuhause: Alle satztechnische Komplexität kann der Wirkung unmittelbarer Natürlichkeit nichts anhaben. Bei Pärt kommt das noch um Nuancen stärker zur Geltung als bei Schnittke.



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    Schnittke & Pärt: Chorwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
06.12.2017
EAN:

7318599922928


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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