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Dienstag, 18. Juni 2019

Coleridge-Taylor & Ben-Haim - Klarinettenquintette

Exotische Klarinettenquintette


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Klarinettist Klaus Hampl und das Quartetto di Roma haben sich mit den Quintetten von Samuel Coleridge-Taylor und Paul Ben-Haim zweier eindeutig hörenswerter Raritäten angenommen.

So selten das Repertoire dieser Platte auch ist: Die Interpreten haben Pech gehabt. Erst vor kurzem erschien eine Aufnahme von Samuel Coleridge-Taylors Klarinettenquintett. Das Werk ist ein Kuriosum, und zwar, wenn man so will, in geographischer Hinsicht. Coleridge-Taylor gehört innerhalb der klassischen Musik zur zahlenmäßig recht überschaubaren Gruppe farbiger Komponisten, da sein Vater aus Sierra Leone stammte. Er lebte in England, der Heimat seiner Mutter, und schrieb ein böhmisches Klarinettenquintett, weil er sich ein Beispiel an Dvořák nahm. Mit diesem 1895 entstandenen Quintett ist ihm, das muss man anerkennen, ein sehr attraktives Werk gelungen, das sich durch griffige Themen auszeichnet und ruhig ab und zu gespielt werden könnte. Dennoch ist das zeitliche beinahe unmittelbare Zusammentreffen zweier Neueinspielungen natürlich ungünstig.

In der vorliegenden neueren Einspielung ist das Quartetto di Roma mit dem Klarinettisten Klaus Hampl zu hören. Dessen Vita liest sich, beginnend mit der Charakterisierung als ‚bekennender Allgäuer‘ und gipfelnd in der Schilderung einer versuchten Wiedergeburt der Florentiner Camerata, recht unorthodox.

Die Interpreten liefern im langsamen zweiten Satz eine überaus reizvolle Version, die besonders in klanglicher Hinsicht ausgesprochen gut gelungen ist. In vorbildlicher Balance und mit sanfter Wärme lassen sie die Klänge blühen. In den drei übrigen Sätzen allerdings sind die Konkurrenten der etwas älteren Platte (Stephan Siegenthaler und das Leipziger Streichquartett) entschlossener, schwungvoller und knackiger. Das liegt bald an etwas rascheren Tempi, bald an stärkeren Akzenten, bald an einer schrofferen Tongebung. Damit haben sie insgesamt die Nase leicht vorn, verlangt doch gleich der erste Satz einen solchen Ansatz schon in der Tempobezeichnung 'Allegro energico'.

Doch Klaus Hampl und das Quartetto di Roma spielen auf ihrer neuen Platte noch ein weiteres, ebenfalls ‚exotisches‘, aber dennoch ganz anders geartetes Werk, nämlich das Quintett op. 31a von Paul Ben-Haim, 1941 geschrieben. Ben-Haim – der gebürtige Münchner hieß eigentlich Frankenburger – emigrierte 1933 nach Israel und unternahm daraufhin den Versuch einer explizit israelischen Musik. In der Neuaufnahme kommt die besondere Klanglichkeit gut zur Geltung, Klaus Hampls einigermaßen individueller, offener und leicht heiserer Ton ist hier auffälliger als über weite Strecken bei Coleridge-Taylor, doch das wirkt überzeugend in einer Mischung aus folkloristisch-orientalischen Klängen und einer hier und dort mit den harschen Dissonanzen des 20. Jahrhunderts angereicherten abendländischen Tonsprache. Auch das im Vergleich zu Coleridge-Taylor deutlich beherztere, dabei aber klanglich gut gefasste Spiel des Quartetto di Roma steht dem Werk bestens.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Coleridge-Taylor & Ben-Haim: Klarinettenquintette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
11.11.2016
EAN:

730099137638


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Ben-Haim, Paul
Coleridge-Taylor, Samuel


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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