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Freitag, 19. April 2019

Dvorak, Antonin - Quintette

Kammermusik zum Schwelgen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Vogler Quartett macht mit Unterstützung von Tatjana Masurenko und Oliver Triendl Dvoraks Quintette zu einem Fest kammermusikalischen Interagierens. Bezaubernd!

Wer die Kammermusik von Antonin Dvořák mag, ist ganz genau richtig aufgehoben bei einer Neuveröffentlichung des Labels cpo gemeinsam mit Deutschlandradio Kultur. Da erklingen zwei Ausnahmekompositionen des tschechischen Meisters. Es musiziert das Vogler Quartett mit Tatjana Masurenko, der in Leipzig als Professorin tätigen Spitzenbratscherin.

Am Anfang der CD erklingt ein selten gespieltes Werk: das Streichquintett op. 97 aus dem Jahr 1893. Es ist entstehungsgeschichtlich überaus interessant, denn Dvořák sollte das National Conservatory of Music – das die Millionärsgattin Janette Thurber in New York gegründet hatte – als Direktor leiten und eine spezifisch amerikanische Musik kreieren. Sie erhoffte sich, dass dem Böhmen es gelingen könnte, eine Musik mit amerikanischem Lokalkolorit zu entwerfen. Es sollte die Begründung einer amerikanischen Nationalmusik sein. Der ‚glänzende Melodienschatz‘, von dem er in einem Interview mit dem New York Harald sprach, hat denn auch Eingang in dieses kammermusikalische Filetstück gefunden. Die Volksmusik der Farbigen und der Indianer fand Eingang in dieses Werk. Gleich der fabelhaft musizierte erste Satz 'Allegro non tanto – Un poco meno mosso' spiegelt die Weite des Landes und die Reichhaltigkeit seiner Melodien wider. Das Vogler Quartett spielt hier sehr engagiert und mit robuster, sonorer Klangfärbung. Nicht immer ist die Intonation (insbesondere bei den beiden hohen Streichern) ganz rein, aber die Intention des Ausdrucks in dieser Aufnahme stimmt auf jeden Fall. Denn hier geht es um Musizierfreude, und die spricht aus jedem Takt der Aufnahme, die im Mai 2015 im Großen Saal des MDR Kubus Leipzig aufgenommen wurde.

Ein flott musiziertes Scherzo ist der zweite Satz 'Allegro vivo – Minore: Un poco meno mosso'. Es ist zu vermuten, dass die Viola-Solopassage ab Minute 2 von Tatjana Masurenko, die in dieser bezaubernden Aufnahme als Gast mit dem Vogler Quartett auftritt, gespielt wird. Leider steht nicht explizit aufgeführt, wer hier welche Bratschenstimme übernommen hat. Besonders einfühlsam erscheint der über zehnminütige Variationssatz. Satt im Klang, lyrisch-schwelgerisch bis schwermütig kommt er daher und hält über die weite Strecke die Spannung. Hier zeigt sich die große Reife der Interpreten und ihre langjährige Bühnenerfahrung. Es ist eben doch etwas anderes, ob ‚gestandene‘ Künstler, wie auf dieser Neueinspielung, ihre langjährige Meisterschaft mit in die Waagschale werfen oder doch ‚nur‘ junge Musiker am Werk sind. Das ist hier zu spüren. Rassig, flott und spritzig geht es auch im Finale 'Allegro giusto' zu. Die Eleganz im Ton ist nahezu unbestechlich. Das lässt Freude aufkommen und spornt dazu an, Konzerte der Formation zu besuchen. Gelegenheiten dazu gibt es reichlich.

Der Einstieg in das Klavierquintett Nr. 2 A-Dur op. 81 (1887) ist sinnlich-melodiös: Hier tönt das Cello (Stephan Forck in Höchstform) in herzergreifenden Schwingungen. Der Rest des Streicherapparates fällt ihm danach mit Macht ins Wort, überrascht den Hörer gar, reißt ihn aus seinen Träumen. Wie ein Weckruf, so braust die Musik nun dahin im 'Allegro, ma non tanto', ehe sie wieder mit tatkräftiger Unterstützung von Oliver Triendl (Klavier) in schwelgende Fahrwasser zurück gelenkt wird. Es ist ein unbeschreibliches Wechselbad der Gefühle, bis plötzlich die Viola solistisch auf den Plan tritt. Jedes der Instrumente ist von Dvořák mit solistischen, teils virtuosen Aufgaben bedacht worden, was diese hochromantische Musik für den Hörer ergreifend, für die Spieler herausfordernd gestaltet. Das Vogler-Quartett entwickelt in dieser Aufnahme vom Oktober 2011 in der Siemensvilla Berlin die Musik in langen Linien, gibt ihr eine polierte Note (wunderbar die beseelte Besinnlichkeit in der Dumka 'Andante con moto'), versteht es, Kontraste in Szene zu setzen und mit Klangfarben zu spielen (Furiant-Scherzo 'Molto vivace – Poco tranquillo'). Das Ensemble konzertiert seit 1985 in unveränderter Besetzung – hier sind wahre Musiker am Werk, die etwas von ihrem Metier verstehen: Die wehmütige, lyrische Conclusio in der Koda des Finales ist unglaublich schön ausgeführt.

Mehr als 20 Aufnahmen hat das Vogler Quartett in 32 Jahren eingespielt und 2015 noch dazu eine bemerkenswerte Buchpublikation vorgelegt: ‚Eine Welt auf sechzehn Saiten: Gespräche mit dem Vogler Quartett‘. Eine stolze Bilanz, und immer noch sind die vier mit Leidenschaft dabei.



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Antonin: Quintette

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
73:21
EAN:
BestellNr.:

761203502226
5550222


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Dvorák, Antonín
 - Quintett op. 97 in Es Dur - Allegro non tanto - Un poco mosso
 - Quintett op. 97 in Es Dur - Allegro vivo - Minore: Un poco meno mosso
 - Quintett op. 97 in Es Dur - Larghetto (con variazioni)
 - Quintett op. 97 in Es Dur - Finale: Allegro giusto
 - Quintett op. 81 in A Dur - Allegro, ma non tanto
 - Quintett op. 81 in A Dur - Dumka. Andante con moto
 - Quintett op. 81 in A Dur - Scherzo. (Furiant) Molto vivace - Poco tranquillo
 - Quintett op. 81 in A Dur - Finale. Allegro


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Interpret(en):Triendl, Oliver
Masurenko, Tatjana


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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