> > > Haydn, Michael: Sinfonien Vol.2
Montag, 22. April 2019

Haydn, Michael - Sinfonien Vol.2

Sinfonien des kleinen Bruders


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Fünf Jahre jünger als sein berühmter Bruder Joseph war Michael Haydn, aber genauso bodenständig. Diese Aufnahme zeigt, welche Kostbarkeiten unseren Ohren bisher entgangen sind.

Johann Michael Haydn kennen wir fast nur als jüngeren Bruder des großen Joseph, dem Wegbereiter der musikalischen Klassik. Dass Michael in vielem seinem Bruder ebenbürtig war, wir davon aber kaum etwas wissen, liegt wohl daran, dass seine Kompositionen – gleich welcher Art – fast nie einen Verleger fanden. Trotzdem erhielt er zeit seines Lebens zahlreiche Aufträge, die aber vor allem von Klöstern ausgingen und die Kirchenmusik betrafen. Diese Werke liegen als Manuskripte immer noch verstreut in Archiven. Einiges an Aufführungsmaterial gibt es im Benediktinerkloster St. Peter in Salzburg, dem Michael Haydn über viele Jahre eng verbunden war. Weitere Autographe und Abschriften ruhen in der ungarischen Nationalbibliothek, in die das Archiv des Fürsten Eszterhazy eingegangen ist. Der Fürst hatte die Sammlung des erzbischöflichen Hofes in Salzburg erworben und damit die Dokumente vor den Plünderungen des napoleonischen Krieges gerettet.

Michael Haydn war als ausgebildeter Geiger und Konzertmeister am fürstbischöflichen Hof auf dem neuesten Stand, was die Instrumentalmusik betraf. Er selbst schrieb etwas mehr als 40 Sinfonien. Anders als sein Bruder orientierte er sich beim Komponieren aber nicht an der Weiterentwicklung von Themen, was dann zur ‚klassischen‘ Form führte, sondern seine Sinfonien sind eine Fortsetzung der dreiteiligen italienischen Opernsinfonia mit einer voranstehenden langsamen Einleitung. Die Besetzung besteht in der Regel aus der Streichergruppe, erweitert um Oboen und Hörner. Aber auch Flöten und Fagotte werden eingesetzt, ja sogar die noch junge Klarinette findet ihren Platz. Streicher und Bläser bilden jeweils Klangensembles, die gegeneinandergesetzt werden, sei es bei der Wiederholung von Themen, sei es bei thematischen Einschüben oder Fugatoteilen im Schlusssatz. Eine besondere Rolle spielen die Oboen in den langsamen Sätzen mit weitausgespannten Melodiebögen – auch eine Solovioline kann diesen Part übernehmen oder auch im Duo mit einem Englischhorn auftreten, so in der F-Dur-Sinfonie (Perger 22).

Das Tschechische Kammerorchester aus Pardubice (einer Stadt in Ostböhmen) legt hier die zweite CD mit Sinfonien von Michael Haydn vor, darunter zwei, die im CD-Katalog bisher nicht zu finden sind. Das ist ein großer Verdienst, denn die Aufnahmen beweisen, dass die Kompositionen es wert sind und neben vielen um 1780 entstandenen Werken von Haydns Kollegen sehr wohl bestehen können. Ob eine Gesamtausgabe aller Sinfonien geplant ist, geht aus dem Beiheft nicht hervor.

Die Musiker spielen schwungvoll und technisch einwandfrei, wobei es wünschenswert wäre, aus den langsamen Sätzen den Schwung herauszunehmen und eher auf Ausdrucksstärke zu achten. Schade ist auch, dass die Streicher stets im Vordergrund zu hören sind, während die Bläser – vor allem die so wichtigen Oboen – im Hintergrund und Ungefähren verbleiben. Gerade in der sehr abwechslungsreichen Es-Dur Sinfonie verschwimmt zudem der Klang, als ob ein Pianist seinen Fuß auf dem rechten Pedal liegen lassen würde, wo es doch hier sehr auf das Herausheben von Kontrasten ankommen sollte. Das englischsprachige Beiheft informiert ausführlich über die Lebensumstände Michael Haydns und die vier hier eingespielten Sinfonien.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Haydn, Michael: Sinfonien Vol.2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
12.08.2016
EAN:

747313349876


Cover vergössern

Haydn, Johann Michael


Cover vergössern

Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Naxos:

  • Zur Kritik... Große Erzählung: Ralf Otto macht diese Produktion zu einem echten Erlebnis, zwischen theologischem Diskurs und Trauerspiel. Eine unbedingt hörenswerte, in ihrer textverständlichen Natürlichkeit eindrückliche Matthäus-Passion. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Höchste Prägnanz: Mit drei höchst spannenden Orchesterwerken von Henri Dutilleux demonstriert Jean-Claude Casadesus noch einmal die Kompetenzen seines 'alten' Orchesters aus Lille gerade für dieses Repertoire. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Blutarme Rarität: Nun kann man preiswert Johann Simon Mayrs 'I Cherusci' hören und die hauseigene Mayr-Bibliothek erweitern. Lust auf eine Wiederholung oder gar szenische Wiederbelebung dieser Opernrarität macht die Einspielung aber nicht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Naxos...

Weitere CD-Besprechungen von Elisabeth Deckers:

  • Zur Kritik... Junge Könner: Die jungen Musiker des Folkwang Kammerorchesters verbinden herausragendes technisches Können mit musikalischem Engagement und vor allem Liebe zu dem, was sie tun. Mit ihrem Dirigenten Johannes Klumpp haben sie damit ein hohes Niveau erreicht. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Lyrik und Drama: Johannes Moser und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin bestechen mit Interpretationen von zwei Cello-Konzerten, die einst für Mstislaw Rostropowitsch entstanden. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Boccherini, der Unbekannte: Von den 91 Streichquartetten, die zu Boccherinis Lebzeiten veröffentlicht wurden, ist heute kaum noch eines bekannt. Die glänzende Interpretation des Ensemble Trifolium zeigt, dass dies nicht (nur) an der Musik selbst liegen kann. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
blättern

Alle Kritiken von Elisabeth Deckers...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Schütz, schlicht und klar: Sigiswald Kuijken wendet sich einer der Wurzeln seiner jahrzehntelangen hochinspirierten musikalischen Arbeit zu: Heinrich Schütz wird mit schlichter, auf Klarheit zielender Geste lebendig gemacht. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Russische Moderne: Das Gürzenich-Orchester Köln unter der Leitung von Dmitrij Kitajenko zeigt auch auf dieser Einspielung seine tiefe Vertrautheit mit der russischen Musik. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Verdienstvoll: Dieser dritte Teil der interessanten Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner erfreut: Dessen kompositorische Stimme immer weiter zu stärken, so wie Florian Heyerick das mit seinem Ensemble Ex Tempore tut, ist höchst verdienstvoll. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich