> > > Auber, Daniel-Francois-Esprit: Ouvertüren Vol.1
Sonntag, 16. Juni 2019

Auber, Daniel-Francois-Esprit - Ouvertüren Vol.1

Orchestrale Kronjuwelen der Opéra comique


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit dem engagiert spielenden Orchestre de Cannes unter seinem Wiener Leiter Wolfgang Dörner nimmt Naxos nach Cimarosa und auch Rossini nun eine weitere Ouvertüren-Anthologie in Angriff. Ein lohnendes Projekt.

Ein Maßstab für die Popularität, aber auch rein instrumentales musikdramaturgisches Vermögen ihrer Komponisten stellte im 19. Jahrhundert der Einzug von Opern-Ouvertüren in die zeitgenössischen Konzert-Programme der Symphonieorchester dar: Vorspiele vor allem von Rossini, Cherubini und Marschner erfreuten sich dort neben dem Kanonischen von Gluck, Mozart und Weber größter Beliebtheit (als Vorbild und Alternative zu den neueren, mehr oder minder genuinen Konzert-Ouvertüren u.a. von Mendelssohn, Beethoven, Kalliwoda oder Gade). Wie die ‚Statistik‘ der ‚Konzerte in Leipzig von 1779/80 bis 1847/48‘ von Bert Hagels (Ries & Erler 2009) dokumentiert, wurden in diesem Zeitraum vier Ouvertüren von Daniel-François-Esprit Auber (1782-1871) zum Teil gleich mehrfach konzertant aufgeführt: Neben der mit Abstand erfolgreichsten – 'Die Stumme von Portici' (1829), welche in dieser ersten Naxos-Folge noch fehlt – fand vor allem die Ouvertüre zu Aubers zweitem internationalem Hit, 'Fra Diavolo' (1830), Eingang in die populäre Rezeption jenseits der theatralischen Inszenierungen. Hört man die Werke dieser CD, hätten aber Kompositionen wie die Ouvertüren zu 'Les Diamants de la couronne' (Die Krondiamenten, 1841) und vor allem 'La Fiancée' (Die Braut, 1829) einen Platz im (Wunsch-)Konzert noch eher verdient als das doch im Charakter recht militaristisch mit Schlagwerk und Trompeten aus üblichen, etwas blassen Versatzstücken gebastelte 'Fra Diavolo'-Potpourri.

Strickmuster Rossinis und Donizettis eingängig genutzt

Auber bevorzugt das schon von den Italienern Rossini und Donizetti in Paris für die Opéra-comique – die Gattung wie die gleichnamige Opernhaus-Institution – etablierte Schema einer auf in der Regel drei bis vier thematischen Blöcken aufgebauten Potpourri-Ouvertüre. In 'Fra Diavolo' wird der in allen acht hier versammelten Stücken deutlich hervorstechende Marsch-Topos fast zu sehr in den Vordergrund gerückt; kontemplative lyrisch-kantable Gegenwelten wie auch Volkstänzerisches setzt da kontrastiv vor allem das Vorspiel zu 'La Fiancée' entgegen, kompositorisch und auch in der begeisterten, schwungvollen Interpretation aus Cannes für mich Höhepunkt dieser CD. Durch das recht einfache, melodie- oder charaktergesteuerte Basismodell lässt sich auch begründen, warum die zumeist an modifizierten Sonatensatz-Modellen orientierten Ouvertüren von Beethoven, Berlioz und auch Cherubini sich doch rezeptionsgeschichtlich im Konzertprogramm stärker festsetzten (die szenisch-plastische 'Anacréon'-Musikdichtung ist da mit ihren differenten Teilen und der ausgiebigen Coda ein Sonderfall, wie auch die thematisch meist deutlich originellere Rossini-Originalproduktion). Die spätere Ouvertüre zu 'Marco Spada' (1852) stellt hier Aubers anspruchsvollsten Versuch einer quasi-symphonischen Genese dar: Stimmungsvoller Beginn mit solistischen Bläser-Auftritten (sehr schön gespielt die Solo-Klarinette wie im Verlauf auch die exzellenten Flötenstellen), Zeit für die Entwicklung hin zum an Cherubini erinnernden Hauptgedanken, durchführungsartige Zuspitzungen inbegriffen. Auch das Rossinieske der Geschwindmarsch-artigen reinen Bläser-Banda (nebst stimmungsvoller langsamer Einleitung und dramatischen Tutti-Einbrüchen) in 'Die Krondiamanten' wird in dieser Einspielung sehr gut getroffen.

Unterhaltsam und gut gespielt

Tatsächlich sind diese Ouvertüren zu Vorzeigeopern der Opéra comique (zumeist auf Vorlagen des Pariser Star-Librettisten Scribé) der Kenntnisnahme und intensiverer Beschäftigung wert. Es gibt viel Unterhaltsames, melodisch Ansprechendes zu entdecken. Schon die späte Ouvertüre zu 'La Circassiene' (1861) stellt einen ebenso einfachen wie eingängigen lyrischen Gedanken (wieder glänzen Flöte und Oboe) konzentriert dem etwas klischeehaften Eingangsentwurf kaukasischer Wildheit und einem domestizierten, ganz wienerisch gespielten Walzer gegenüber – kein Wunder, dass der Lanner-Spezialist Wolfgang Dörner das Stück zum CD-Einstieg wählt. Die Darbietung des ‚regionalen‘, hierzulande wohl ziemlich unbekannten Orchesters aus Cannes erscheint mir überwiegend hervorragend. 'Fra Diavolo' und 'Le Domino noir' leiden zwar ein wenig unter der in allen acht Ouvertüren hörbaren Tendenz, in den Marschpartien, aber auch in lyrischen Momenten mitunter etwas zu ‚abgezählt‘ im zu starren Einheitsmetrum zu verharren. Und wie erwartet klingen die Streicher natürlich nicht immer so brillant wie bei einem Spitzenorchester, manchmal sogar etwas stumpf. Das kompensieren jedoch die ausgezeichneten Bläser des Orchesters und ein gutes Gespür des Dirigenten für dynamische Schattierungen. Den Zauber der Ära der französischen Opéra-comique transportiert diese Aufnahme hinreichend, gerade im Hinblick auf die ästhetische Qualität der Unterhaltsamkeit, vor der kompositionstechnische Einwände verschwinden sollten. Die nächste Folge ist ebenso willkommen wie vielleicht auch – bei Naxos ja kein uneinlösbarer Wunsch – die ein oder andere Produktion einer ganzen Oper in dieser Qualität als diskographisches Desiderat.



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Auber, Daniel-Francois-Esprit: Ouvertüren Vol.1

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
24.06.2016
EAN:

747313355372


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Auber, Daniel Francois


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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