> > > Bach, Carl Philipp Emanuel: Klavierwerke Vol. 31
Montag, 24. Juni 2019

Bach, Carl Philipp Emanuel - Klavierwerke Vol. 31

Häusliche Kennerfreuden


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Clavieristisches Heimwerken auf dem um 1780 immer noch gebräuchlichen Clavichord ist für Miklós Spányi immer noch Gegenstand seiner historisch perspektivierenden Gesamtschau.

Mit Folge 31 setzt Miklós Spányi seine lange Reihe der Solo-Tastenmusik des bedeutendsten Bach-Sohns auf gewohnt höchstem Niveau fort und präsentiert die ihrerzeit wohl berühmtesten beiden Sammlungen 'Für Kenner und Liebhaber', die 1779 und 1780 fast schon als retrospektives Spätwerk erschienen (die Sonaten dieser CD entstanden, wie der exzellente Booklet-Text von Darrel M. Berg referiert, zwischen 1772 und 1780 in Hamburg, bis auf die zweite Sonate der ersten Sammlung, die schon 1758 in Berlin komponiert wurde und den früheren ‚galanten‘ Stil repräsentiert). Es sind historisch gewichtige Werke: Bach folgt hier grundsätzlich einem dreisätzigen Sonaten-Modell, das zu dieser Zeit auch Haydn und Mozart favorisieren, variiert aber – eher wie Haydn – die internen Satztypen und Ausdruckscharaktere stärker als im Schnell-Langsam-Schnell-Schema, das sich bei Mozart und anderen etabliert findet. So sticht hervor und rührt dann etwa auch ein besonders ausdrucksstarkes 'Cantabile' als Schlusssatz der F-Dur-Sonate Wq. 55/5.

Überhaupt gibt es mehr Nachdenklich-Reflektives und Kantables als wirklich schnelle, virtuose Sätze. Der Prestissimo-Beginn des ersten Zyklus bildet da gleich im ersten Track schon einen Höhepunkt, trotz der instrumenttypischen, dynamischen Limitationen von Spányi perlend und mitreißend dargeboten. Man möchte rufen: Dreh doch mal das Clavichord lauter – und das dann wider der authentischen klanglichen Zartheit auch tun. Tatsächlich ist das durchaus auf großem Cembalo und bereits dem Fortepiano taugliche ‚große‘ Claviermusik, nur vom Interpreten projektgemäß auf das kleine Heim-Instrument reduziert. Und diese bleibt interessant, so agogisch geschickt, wie Spányi spielt und auch melodische Ausdrucksfeinheiten transportiert, die in den affektiv oft Operngesang nachgebildeten langsameren Sätzen die ästhetischen Kernaussage bilden (sehr schön etwa das Larghetto aus der G-Dur-Sonate Wq. 56/2). Höchstens in den mittelschnellen, menuettnahen Sätzen, die oft den Finalsatz bilden, neigt der Ungar zu etwas zu statischem, abgezählt wirkendem Spiel. Aber in dieser ganz besonderen, uns so kaum geläufigen Ausdruckswelt, die Spányi hier entwickelt, gibt es für Kenner und Liebhaber der Klaviersonate im 18. Jahrhundert so viel zu entdecken, dass auch und gerade diese Folge unbedingt in deren Tonträger-Sammlung gehört.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bach, Carl Philipp Emanuel: Klavierwerke Vol. 31

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
01.06.2016
Medium:
EAN:
CD
7318590021316

Cover vergössern

Bach, Carl Philipp Emanuel


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Glanzvoll und geistvoll: Alexandre und Jean-Jacques Kantorow brillieren mit drei Klavierkonzerten von Camille Saint-Saëns zusammen mit der Tapiola Sinfonietta. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Suzuki am Cembalo: Die Platte ist ein schönes Zeugnis stupenden Cembalovermögens – bei Bach wie bei seinem Interpreten Masaaki Suzuki. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Wahnsinn kann so schön sein: Sopranistin Carolyn Sampson und ihrem Liedbegleiter Joseph Middleton gelingt ein interessantes, fesselndes und in seiner Schönheit bezwingendes Programm, das Frauen am Rande des Wahnsinns in den Mittelpunkt stellt. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Hartmut Hein:

  • Zur Kritik... Immer noch Entdeckungen!: Thierry Fischer und Symphonieorchester aus Utah präsentieren auf ihrer spannenden Saint-Saens-CD das Vorzeige-Repertoire wie auch weniger Bekanntes mit durchaus eigenen Akzenten. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Der Klavierklang als Spiegel der Seele: Ferne und Erinnerung der oder des Geliebten ist Thema dieses von Alexander Krichel schlüssig zusammengestellten und einfühlsam mit größter Klangvariabilität dargebotenen Programms. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Seel und Leib sind ganz verbunden: Nach kammermusikalisch umgearbeiteten Arien aus 'Adventskantaten' lässt Gudrun Sidonie Otto mit ihrem agilen Consort und dem Altus David Erler hier Arien zum 10. bis 20. Sonntag nach Trinitatis folgen. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Hartmut Hein...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Kammermusik vom Allerfeinsten: Das Diogenes Quartett wirft einen intensiven Blick auf den Streichquartettkomponisten Gernsheim. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Über die Liebe: Einen Erkundungsgang ins musikalische Mittelalter bietet das Ensemble Trobar e Cantar. Die Liebe ist das verbindende Thema. Weiter...
    (Gero Schreier, )
  • Zur Kritik... Neue Saitenwege zu Debussy: Das Duo Bilitis verdichtet Debussys Musik im mystischen Harfen- und Stimmklang und ergründet damit neue Wege, die faszinierend, aber auch etwas eingegrenzt wirken. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2019) herunterladen (3061 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich