> > > Vivaldi, Antonio: Laudate!
Freitag, 23. August 2019

Vivaldi, Antonio - Laudate!

Leichtes, Stilles und Geistliches von Vivaldi


Label/Verlag: Channel Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Leichte, zarte und meistenteils beschwingte Interpretation einiger geistlicher Werke von Vivaldi.

Dass Antonio Vivaldi geistliche Musik geschrieben hat, dürfte jemanden, der sich für Barockmusik interessiert, bekannt sein. Vieles davon, vor allem seine Vertonungen des 'Gloria' und 'Dixit Dominus' ist diskografisch auch gut erschlossen. Mit der vorliegenden Anthologie geistlicher Werke möchte die Sängerin Johannette Zomer die Aufmerksamkeit auf einige besonders schöne Stücke richten, die für Sopran und kleines Orchester geschrieben worden sind – auch wenn man darüber streiten könnte, ob Vivaldis Oratorium 'Juditha Triumphans', aus dem sie drei Arien ausgewählt hat, zur geistlichen Musik gerechnet werden kann. Begleitet wird die junge Niederländerin von dem Tulpina Consort, das sie 2013 gegründet hat.

Zomer verfügt über eine klare, beinahe etwas zarte, auch noch in den Koloraturen mühelos flexible, leichte und ganz natürliche Stimme. Sie bewährt sich besonders in den Stücken, die Frieden und Idylle ausstrahlen. Und insofern ist es eine kluge Entscheidung, dass die allermeisten Stücke auf der CD auch so gewählt sind, dass Zomer nicht dramatisch werden muss. Viele Stücke ähneln kleinen Pastoralen oder haben beschwingten, tänzerischen Charakter, und auch ihr Consort trifft den Tonfall sehr genau. So strahlt die ganze Aufnahme eine beeindruckende und wohltuende Leichtigkeit aus. Bei einigen hohen Lagen, die die Solokantate 'O qui coeli terraeque serenitas' RV 631 erfordern, klingt ihre Stimme manchmal etwas zu dünn, scharf und auch eng. Gerade in diesem Stück hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle etwas mehr dramatischen Zugriff gewünscht.

Das zentrale Stück der CD ist die Solokantate 'Laudate pueri', eine Vertonung des Psalms 113, in der Version von RV 600. Vivaldi hat den Text mehrfach vertont. In der vorliegenden Version tritt der strahlende Glanz, den das Stück in anderen Versionen entfaltet, hinter einer nachdenklichen, abgeschatteten Stimmung zurück. Angesichts der Stärken und Schwächen der Stimme von Johannette Zomer ist die Wahl dieser Version sicherlich gut gewesen.

In dem Booklet fehlen leider die Gesangstexte mit ihren jeweiligen Übersetzungen. Dafür werden in einem Essay die Stücke kurz charakterisiert. Die deutsche Übersetzung ist teilweise ein echter Missgriff (wenn Johannette Zomer über sich schreibt, dass sie als Sängerin das ‚voorecht‘ hat, mit verschiedenen Dirigenten aufzutreten, die englische Übersetzung daraus ganz richtig ‚have the privilege‘ macht, behauptet die deutsche Übersetzung, Zomer sei dazu ‚berechtigt‘ – und so geht es leider weiter). Die Aufnahmetechnik stellt die Sopranistin etwas zu stark in den Vordergrund. Insgesamt eine erfreuliche diskografische Erweiterung, aber sicher kein ‚must have‘ in einer wohlsortierten Barocksammlung.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Vivaldi, Antonio: Laudate!

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Channel Classics
1
08.05.2016
Medium:
EAN:

CD
723385382164


Cover vergössern

Vivaldi, Antonio


Cover vergössern

Channel Classics

Channel Classics Records is a quality record label based in Holland. Director, producer and recording engineer is C. Jared Sacks. Having grown up in Boston Massachusetts, schooled at Oberlin Conservatory and the Amsterdam Conservatory of music with 15 years experience playing French Horn, Jared decided to make his hobby of recording a profession in 1987. The label started in 1990 with the name Channel Classics coming from the street he lived on in Amsterdam. (Kanaalstraat).
Jared and his Dutch wife Lydi Groenewegen together with a group of assistants work closely with distributors in 37 countries to promote the artists through the CD?s.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Channel Classics:

  • Zur Kritik... Buchhalterisch: Trotz der offenkundigen Bemühungen aller Beteiligten will der Funken auf dieser Einspielung englischer Musik nicht überspringen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Transferleistung: Rachel Podger begeht kein Sakrileg – Cellisten in Abwehrhaltung mögen das Votum verzeihen: Bachs Musik lädt zweifellos zu vielfältigem Transfer, zu intensiver Aneignung auch auf unerwarteten Pfaden ein. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Exzellent interpretiert: Die Pianistin Anna Fedorova überzeugt mit Fantasien von Alexander Skrjabin, Frédéric Chopin, Robert Schumann und Ludwig von Beethoven. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle Kritiken von Channel Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Dr. Michael Bordt:

  • Zur Kritik... Debussy, vom Zen-Buddhismus her neu gehört: Sheila Arnold gelingt eine hochmusikalische und spannende Aufnahme, in der sie Miniaturen von Debussy in einen Zusammenhang mit Klavierwerken des Japaners Takemitsu und des Amerikaners Cage stellt. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Die Oper der Oper: Ein großer musikalischer Spaß zum dreißigjährigen Jubiläum von Le Concert Spirituel. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Gesungene Gedichte: André Schuen singt eine Sammlung von Schubertliedern rund um das Thema Wandern sehr natürlich, klar und berührend und wird dabei kompetent unterstützt von Daniel Heide. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Dr. Michael Bordt...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Nordischer Impressionismus: Oramo kann Lemminkäinen: Sibelius-Fans dürfen aufhorchen. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Erkundenswertes Süditalien: Nicola Logoscino bereichert die Musikgeschichte Neapels und Sizilens. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Strahlende Vielfalt: So muss man Telemann spielen: gewitzt und wendig, intensiv in den Affekten, flexibel in der Deutung des formalen Rahmens, kundig in der stilistischen Vielfalt. Michael Schneider und La Stagione Frankfurt mit einem beeindruckenden Finale der Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich