> > > Britische Klarinettenkonzerte Vol.2: Werke von Britten, Finzi, Cooke, u.a.
Donnerstag, 27. Juni 2019

Britische Klarinettenkonzerte Vol.2 - Werke von Britten, Finzi, Cooke, u.a.

Britische Konzertraritäten


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Michael Collins ist Solist und Dirigent in vier ausgesprochen selten zu hörenden Werken für Klarinette und Orchester britischer Komponisten und bewältigt diese Aufgabe mit Bravour.

Das Label Chandos veröffentlicht nun bereits Folge zwei der ‚British Clarinet Concertos‘ mit Michael Collins als Solist. Auf der mit 83 Minuten sogar überlangen Platte befinden sich Werke von vier Komponisten. Das wirft die Frage auf: Wie viele britische Klarinettenkonzerte gibt es denn wohl?

Von Benjamin Britten jedenfalls gibt es keins, und trotzdem steht sein Name ganz oben. Das Werk auf dieser Platte besteht auch wirklich aus seinem Material, doch ebenso großen Anteil an diesem Konzert hat der 1946 geborene Komponist Colin Matthews. Nur der erste Satz wurde wirklich von Britten für ein Klarinettenkonzert konzipiert, allerdings nicht fertiggestellt, Matthews hat ihn orchestriert. Für den zweiten und dritten Satz hat er erst im Jahr 2007 andere kleine Werke von Britten genommen und sie arrangiert, wobei diese Arbeit über das bloße Orchestrieren hinausging; so hat Matthews Teile davon neu komponiert und etwa im dritten Satz das Material des ersten eingearbeitet.

Welche Namen man nun auch darüber schreibt, herausgekommen ist jedenfalls ein sehr schönes, abwechslungsreiches Konzert. Der schwungvolle erste kontrastiert mit einem ausdrucksstarken langsamen Satz, in dem die Soloklarinette mit wechselnden anderen Holzbläsern im Duett spielt. Und in dieser Aufnahme machen das sowohl der Solist Michael Collins als auch die Orchesterbläser des BBC Symphony Orchestra brillant. Das Finale schließlich ist verspielt und virtuos. Bei Britten/Matthews ist der Gehalt wohl von allen Werken der Platte am anspruchsvollsten, wie verspielt der Solopart auch sein mag – eine reizvolle Kombination.

Von Gerald Finzi gäbe es ein ‚richtiges‘ Klarinettenkonzert, ein grandioses Werk sogar, doch das ist hier nicht enthalten, denn es befindet sich bereits auf Folge eins der Reihe. Stattdessen sind hier Finzis fünf 'Bagatellen' op. 23a aufgenommen, die allerdings wie Brittens Skizzen ebenfalls von fremder Hand bearbeitet wurden. Zwar sind die 'Bagatellen' von Finzi selbst vollendet als Zyklus für Klarinette und Klavier, Lawrence Ashmore hat aber diese Fassung für Klarinette und Streichorchester arrangiert. Auch in diesen reizvollen Miniaturen muss man Michael Collins eine sehr schöne und höchst ansprechende Interpretation attestieren. Dass die Orchestrierung der Klavierfassung überlegen wäre, lässt sich aber nicht behaupten.

Vollkommen aus der Feder nur eines Komponisten stammt das Konzert op. 68 von William Mathias. Er ist in seinem 1975 für Klarinette, Streichorchester und Schlagwerk geschriebenen Konzert etwas moderner als seine Kollegen, insofern er stellenweise sehr schmissige Rhythmen verwendet, deren Verwandtschaft mit dem Jazz der Komponist selbst betonte.

Das mit fast 30 Minuten längste Werk der Platte ist das 1955 entstandene Konzert für Klarinette und Streicher von Arnold Cooke, das im ersten Satz auch eine große Solokadenz enthält. Der Solist Michael Collins, obwohl bei uns nicht allzu gut bekannt, macht nicht nur hier eine sehr gute Figur. Sein Klang ist sehr klar, kraftvoll und kernig, aber nicht grell; wenn nötig, kann er auch weich sein. Vielleicht wäre er nicht unbedingt das Ideal etwa für Brahms, in diesem Repertoire jedenfalls wirkt er immer sehr passend. Michael Collins ist übrigens auch als Dirigent aktiv und sogar Chef eines Orchesters, und auch hier leitet er das BBC Symphony Orchestra selbst.

Klanglich ist die Aufnahme sehr gut gelungen. Sie hat relativ viel Hall, wirkt aber sehr angenehm. Auch das Beiheft ist beispielhaft, der Einführungstext von Anthony Burton informiert ausführlich über alle Werke, ohne weitschweifig zu sein.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Britische Klarinettenkonzerte Vol.2: Werke von Britten, Finzi, Cooke, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
04.03.2016
Medium:
EAN:

CD
095115189122


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Britten, Benjamin
Finzi, Gerald
Mathias, William


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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