> > > Atterberg, Kurt: Orchesterwerke Vol.4
Sonntag, 21. April 2019

Atterberg, Kurt - Orchesterwerke Vol.4

Tontechnisch mäßig


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Neeme Järvi interpretiert mit den Göteborger Symphonikern Kurt Atterbergs Dritte Symphonie und Musik aus dem Umfeld der Oper 'Fanal'. Die Symphonie ist klanglich leider nur mäßig.

An sich ist dies eine beeindruckende Platte mit beeindruckender Musik. Doch Neeme Järvis Interpretation von Kurt Atterbergs Dritter Symphonie hat ein Problem, und das besteht in der bereits 2000 erschienenen Aufnahme desselben Stücks mit Ari Rasilainen, gegen die nun diese Neuproduktion entsetzlich blass wirkt. Der Vergleich der Aufnahmen liegt nahe, weil Ari Rasilainen den bislang einzigen kompletten Zyklus der Atterberg-Symphonien vorgelegt hat, solange Neeme Järvis Projekt noch nicht abgeschlossen ist.

Der erste Satz der Symphonie mit dem Namen 'Westküsten-Bilder', bereits vor fast 20 Jahren als Konzertmitschnitt aufgezeichnet (also vor Rasilainens Aufnahme), ist sehr ruhig und scheint unter einer Nebelglocke zu liegen. Genau das ist es wohl auch, was Atterberg mit diesem Bild darstellen wollte. Der Eingangssatz wird maßgeblich von den Bläsern geprägt, die hier unaufdringlich hervortreten. Sehr deutlich ist hingegen die Celesta zu vernehmen, die hier für hübsche Farbeffekte sorgt. Bei Neeme Järvi hat der Satz, wenigstens stellenweise, dennoch etwas Drängendes. So wirkt er wie die Ruhe vor dem Sturm, und tatsächlich heißt der zweite Satz 'Sturm'. Ein kurzer Ausbruch gegen Ende des ersten Satzes fällt nur mäßig aus. Man könnte das für Absicht halten, um den Sturm noch wütender tosen zu lassen, doch leider tut er das nicht. Es ist vielleicht gar nicht Neeme Järvis Schuld und auch nicht die seines Göteborger Orchesters. Gegen das Spiel der Musiker und die Gestaltung ist nämlich nichts zu sagen, und vielleicht klingt das Orchester sogar ‚wärmer‘ als die Radiophilharmonie Hannover bei Ari Rasilainen, doch die Tontechnik scheint den Sturm zu einem lauen Lüftchen zu dämpfen.

So mickrig ist hier die Wirkung, dass man sich schon über Neeme Järvi und die Verantwortlichen des Labels Chandos wundern kann. Wieso haben sie diesen Mitschnitt überhaupt zur Veröffentlichung freigegeben? Zumal eben seit Jahren Ari Rasilainens Aufnahme im Handel ist, ebenfalls ein Konzertmitschnitt, aber klanglich wahrhaft brillant. Dass die Aufnahme erst in Folge vier der geplanten Gesamtaufnahme der Symphonien Atterbergs erscheint (es fehlen jetzt nur noch die Symphonien Nr. 7 bis 9), könnte ein Hinweis darauf sein, dass man die Symphonie ursprünglich im Studio neu einspielen wollte. Zugegeben allerdings: Wer Ari Rasilainens Aufnahme nicht direkt im Vergleich hört, wird den Mangel kaum so stark empfinden.

Immerhin enthält Neeme Järvis neue Platte noch gut 25 Minuten Musik, die Ari Rasilainen nicht aufgenommen hat, und – wenn man dem Beiheft glauben darf – auch sonst niemand. Es handelt sich um 'Drei Nocturnes' op. 35b aus der Oper 'Fanal' sowie den Satz 'Vittorioso' op. 58. Diese Aufnahmen müssen sich also nicht gegen die Konkurrenz behaupten, doch vielleicht könnten sie es besser als die der Symphonie, der Eindruck jedenfalls ist gar nicht schlecht. Sie wurden auch erst im Januar 2015 im Studio aufgenommen. Und das Orchester klingt deutlich knackiger und schärfer in den Konturen. Atterbergs Musik ist immer leicht zu hören, kraftvoll und eingängig; hier aber – es handelt sich um Musik aus der Oper 'Fanal' – wird das Bühnengeschehen besonders plastisch geschildert.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Atterberg, Kurt: Orchesterwerke Vol.4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
04.03.2016
EAN:

095115189429


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Atterberg, Kurt Magnus


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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