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Montag, 22. April 2019

Juon, Paul - Sämtliche Streichquartette

Schlicht und elegant


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Sarastro Quartett hat bei cpo die vier Streichquartette Paul Juons in einer überzeugenden Neuaufnahme vorgelegt. Überraschender Weise ist dies schon die zweite Gesamteinspielung dieses Zyklus.

CPO legt eine neue Platte mit sämtlichen Streichquartetten Paul Juons vor. Es ist bereits die zweite Gesamteinspielung dieses Zyklus, und das ist bei einem so wenig bekannten Komponisten schon auffällig. Auch die ältere Einspielung, 2005 vom Niziol Quartett gespielt, ist keineswegs schlecht, doch das Sarastro Quartett bleibt mit seiner Neuaufnahme nicht dahinter zurück. Freilich kommt es vor, dass einzelne Sätze wie zum Beispiel das Finale des Quartetts op. 5, immerhin mit 'Vivacissimo' überschrieben, in der älteren Konkurrenzaufnahme knackiger und frischer daherkommen. Auch anderswo geht die ältere Aufnahme wohl etwas weiter in der Ausdeutung der Stimmungen, so ist etwa der Kopfsatz im ungedruckten h-Moll-Quartett dunkler, leidenschaftlicher und aufgewühlter, oft hat der Ton mehr Vibrato, das Spiel ist impulsiver und betont virtuose Gesten stärker. Dafür ist die Neuaufnahme des Sarastro Quartetts transparenter, schlichter und eleganter, wohl auch noch etwas besser balanciert in der Gewichtung der Stimmen.

Übrigens ist die Doppel-CD schon allein deswegen spannend, weil die erste Platte zwei ‚Jugendwerke‘ die zweite hingegen zwei wesentlich später entstandene und reifere Werke enthält. Juons Stilwandel wird so besonders deutlich. Tatsächliche gehören die Quartette opp. 5 und 11 zu den frühesten Werken, die von Juon überhaupt überliefert sind, der Komponist schrieb sie mit Anfang 20 und zeigt darin möglicherweise eher seine gründliche Ausbildung, die er bei Anton Arenskij, Sergej Tanejew und Woldemar Bargiel genossen hatte, denn besonders ausgeprägte Individualität. Ganz anders hingegen die Quartette op. 29 von 1904 und op. 67 von 1916, von denen das eine eingängige, russisch-folkloristische Färbung trägt, während das andere nicht ganz leicht zugänglich ist und Juon von einer wesentlich ‚moderneren‘ Seite zeigt.

Gewarnt sei allerdings vor dem Beiheft: Es enthält einen Essay zu Juon und seinen Streichquartetten, der außergewöhnlich umfangreich ist. Das liegt weniger an der Fülle der wichtigen Informationen als an seiner extremen Weitschweifigkeit, die das Lesen zu einer Zumutung macht. Hinzu kommen angestrengt um Originalität bemühte Formulierungen und eine nicht eben gut nachvollziehbare Struktur.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Juon, Paul: Sämtliche Streichquartette

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
2
130:47
EAN:
BestellNr.:

761203788323
777 883-2


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Juon, Paul
 - Streichquartett D-Dur op. 5 - Allegro moderato
 - Streichquartett D-Dur op. 5 - Adagio sostenuto
 - Streichquartett D-Dur op. 5 - Molto presto
 - Streichquartett D-Dur op. 5 - Intermezzo. Allegro
 - Streichquartett D-Dur op. 5 - Finale. Vivacissimo
 - Streichquartett B-Dur op. 11 - Allegro risoluto
 - Streichquartett B-Dur op. 11 - Andante tranquillo
 - Streichquartett B-Dur op. 11 - Scherzo. Presto
 - Streichquartett B-Dur op. 11 - Finale. Allegro con giusto
 - Streichquartett e-Moll op. 29 - Allegro molto
 - Streichquartett e-Moll op. 29 - Lento assai ma poco rubato
 - Streichquartett e-Moll op. 29 - Moderato
 - Streichquartett e-Moll op. 29 - Lento assai - Vivace non troppo
 - Streichquartett op. 67 - Allegro
 - Streichquartett op. 67 - Andante
 - Streichquartett op. 67 - Allegretto
 - Streichquartett op. 67 - Allegro non troppo


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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