> > > Resound Beethoven, Vol. 2: Werke von Beethoven, Pleyel, Dussek, u.a.
Sonntag, 21. April 2019

Resound Beethoven, Vol. 2 - Werke von Beethoven, Pleyel, Dussek, u.a.

Am rechten Ort


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Wiener Akademie entlüftet unter der Leitung von Martin Haselböck Beethoven Schlachtenmusik und findet zu einer sehr ansprechenden Farbigkeit.

Mit der Reihe ‚Resound‘ erkundet Martin Haselböck mit seinem Orchester Wiener Akademie die historischen Wiener Konzertsäle und ihre Verbindung zur Musik Ludwig van Beethovens. In der vorliegenden Folge sind die Musiker im Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu Gast, wo am 8. Dezember 1813 nicht nur die Siebte Sinfonie A-Dur op. 92 uraufgeführt wurde, sondern auch 'Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria' op. 91; außerdem kamen zwei Märsche von Jan Ladislav Dussek und Ignaz Josef Pleyel zu Gehör, gespielt von Johann Nepomuk Mälzels spektakulärem ‚mechanischen Feldtrompeter‘, einem mechanischen Musikinstrument, das im vorliegenden Fall in Gestalt einer Nachschöpfung diverser Wiener Hochschulinstitute wiederbelebt wird. ‚Einmal aufgezogen‘, schreibt der Booklettext, ‚war der Automat nicht mehr zu stoppen‘. Das bedeutet, die Metrik dieser Aufführungen muss beispielhaft gewesen sein, ebenso die Abstimmung zwischen mechanischem Musikinstrument und Orchester. Pleyels 'Jubelmarsch' und Dusseks 'Braunschweig-Marsch' lassen das zweifelhafte Instrument, das ganz weit entfernt an eine mechanische Orgel erinnert, beeindruckend wieder aufleben, deren musikalischer Wert zumindest der einer Kuriosität ist.

In Beethovens 'Wellingtons Sieg' kam schlussendlich nicht Mälzels Panharmonikon zum Einsatz, vielmehr erweiterte der Komponist den Orchesterpart, so dass das prominente Publikum (unter ihm Salieri, Spohr, Schuppanzigh, Hummel und Meyerbeer) ein echtes musikalisches Ereignis ganz eigener Couleur erleben konnte. In der vorliegenden Interpretation mit dem Orchester Wiener Akademie fällt nicht nur die ausgeklügelte Klangregie auf, die Beethoven ‚mitkomponiert‘ hatte – die Musik hat trotz des kriegerischen Charakters eine Wärme, die durch die Raumakustik und die Instrumentenwahl und -spielweise gleichermaßen bedingt ist. Der spektakuläre Klang der Musik konnte das Publikum nur zu Begeisterungsstürmen hinreißen – jede Symphonische Dichtung von Franz Liszt ist musikalisch zahmer als Beethovens keineswegs zu unterschätzendes Werk. Nicht ganz so überzeugend wie die Schlachtszene gerät die sogenannte 'Sieges-Symphonie', die an mancher Stelle nicht ganz so exuberant musiziert wird, wie es möglich wäre. Sie bleibt sozusagen mit beiden Beinen auf dem Boden, hebt nicht ekstatisch ab, wie man es bei Beethoven durchaus kann und sollte (was keine Frage der Tempowahl ist). Allerdings kommt das Schlussfugato so umso klarer und überzeugender zur Geltung.

Hinter dem außerordentlichen Effekt, den die zweite Programmhälfte machte, mag die Siebte Sinfonie fast ins Hintertreffen gekommen sein. Nicht so hier in der intensiven Darbietung durch das Orchester Wiener Akademie, das, nicht zuletzt durch die Klangdramaturgie und die Farbigkeit der Instrumente, besonders lebensvolle Qualitäten bieten kann. Die Akzente werden sinnvoll zugespitzt, die Steigerungen überzeugend aufgebaut, auch die Verbindung zu 'Wellingtons Sieg' ist hörbar, ohne übertrieben zu sein. Herrlich gestalten Haselböck und seine Musiker die Bögen des langsamen Satzes, das Scherzo überschlägt sich kontrolliert-schwungvoll, ehe sich das Finale als Schwester des Schlussjubels von 'Wellingtons Sieg' erweist.

Aufnahmetechnisch ist die Produktion absolut vorbildlich. Dem entspricht leider nicht ganz der Booklettext, der an entscheidender Stelle zu oberflächlich bleibt. Insgesamt aber eine nicht nur spannende, sondern eine musikalisch und musikhistorisch ausgesprochen reizvolle Produktion, die den Wunsch nach mehr laut werden lässt. Gut so.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Resound Beethoven, Vol. 2: Werke von Beethoven, Pleyel, Dussek, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
08.01.2016
EAN:

3760014194733


Cover vergössern

Beethoven, Ludwig van
Dussek, Franz Xaver
Pleyel, Ignaz Joseph


Cover vergössern

Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Alpha Classics:

  • Zur Kritik... Wer die Sehnsucht kennt: Barbara Hannigan und Reinbert de Leeuw tauchen tief ins Wiener Fin de Siècle ein. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Die Oper der Oper: Ein großer musikalischer Spaß zum dreißigjährigen Jubiläum von Le Concert Spirituel. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Facettenreich: Der Violinist Tobias Feldmann und sein Begleiter Boris Kusnezow stellen mit diesen facettenreichen Interpretationen ihr Können eindrucksvoll unter Beweis. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
blättern

Alle Kritiken von Alpha Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Pianistik vom Allerfeinsten: Das Klavierduo Martin Jones und Adrian Farmer widmet sich überraschend herzerwärmenden Kompositionen von Camille Saint-Saens. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Klingende Resterampe: Eine weitere 'Ramschverwertung' aus dem Hause Brilliant mit Chorwerken der Renaissance. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Neues aus Preußen: Leider nutzt das Ensemble Tempesta di Mare nicht das ganze Spektrum der gebotenen Möglichkeiten bei seiner Auseinandersetzung mit der Musik Johann Gottlieb Janitschs. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Verdienstvoll: Dieser dritte Teil der interessanten Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner erfreut: Dessen kompositorische Stimme immer weiter zu stärken, so wie Florian Heyerick das mit seinem Ensemble Ex Tempore tut, ist höchst verdienstvoll. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Wenig Emotion, Glanz und editorische Sorgfalt: Die um 1700 erstmals publizierte, in ihrem Umfang übersichtliche Cembalo-Musik dieser beiden Organisten, die am Hofe des Sonnenkönigs Louis XIV tätig waren, ist bereits in exzellenten Aufnahmen präsent, mit denen Yago Mahugo kaum konkurrieren kann. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Große Erzählung: Ralf Otto macht diese Produktion zu einem echten Erlebnis, zwischen theologischem Diskurs und Trauerspiel. Eine unbedingt hörenswerte, in ihrer textverständlichen Natürlichkeit eindrückliche Matthäus-Passion. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Johann Sebastian Bach: Partita 2 c-Moll BWV 826 - Allemande

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich