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Samstag, 25. Mai 2019

Ariosti, Attilio - London - Arien für Alt

Neues von Ariosti


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für jeden, der sich für barocke Opernmusik interessiert, empfehlenswerte Aufnahme mit Arien von Attilio Ariosti, dessen Opern ausgesprochen erfolgreich in London aufgeführt wurden.

Es geht um Attilio Ariosti. Nicht um seine bekannten und auch diskografisch gut erschlossenen Werke für die Viola d´amore, sondern um seine Opern. Dreizehn Arien sowie zwei Instrumentalstücke vereint die zu besprechende Aufnahme, und man bekommt durch sie zumindest einen ersten Eindruck davon, dass Ariosti nicht nur ein guter Instrumentalkomponist gewesen ist, sondern seine fünfundzwanzig Opern durchaus hörenswert gewesen waren – und immer noch sind. Nicht, dass seine Kompositionen besonders originell gewesen wären: Die musikalische Nähe seiner Arien zu denen von Georg Friedrich Händel ist verblüffend, und bei einer der eingespielten Arien, 'Rinasce Amor' aus dem Pasticcio 'Aquilio Console' von 1724, ist sich die Forschung auch unsicher, ob sie nicht eigentlich von Händel komponiert worden ist. Aber es gibt bei Ariosti so etwas wie eine individuelle Färbung, eine besondere Aufmerksamkeit: Mehr als andere Komponisten hat er auf die Instrumentalbegleitung, auch die Begleitung der Rezitative, Wert gelegt, denn auch wenn es von keiner der eingespielten Arien ein Autograph gibt, so zeigen die Abschriften doch, dass Ariosti die Begleitung deutlich genauer als bei anderen Komponisten üblich festgelegt hat.

Offenbar wollte er wenig dem Zufall überlassen. So wie er auch in seinem Leben wenig dem Zufall überlassen und offenbar zielstrebig an seiner Karriere gearbeitet hat: Mit Mitte zwanzig bekam er, als Mönch des Servitenordens bereits zum Diakon geweiht, eine Stellung als Organist in der Kirche seiner Ordensniederlassung in seiner Heimatstadt Bologna. Doch lange sollte es ihn dort nicht halten. Seine Wege führten den angehenden Komponisten, Diplomaten und - wenn man den Quellen Glauben schenken darf - auch begnadeten Strippenzieher nach Berlin an den Hof Sophie Charlottes, von 1703 – 1711 nach Wien in den Dienst des Kaisers Josephs I., danach nach Frankreich und ab 1716 dann nach London, wo er bis zu seinem Tod 1729 leben und wirken sollte. Auch wenn die CD ‚London‘ heißt, so sind die eingespielten Arien doch nicht alle aus seiner Londoner Zeit, wo er neben Händel damals ausgesprochen erfolgreich war, sondern auch aus seiner Zeit in Wien.

Die eingespielten Arien für Altus werden von Filippo Mineccia gesungen, und sie liegen damit in guten Händen. Mineccia hat keine ganz eingängige Stimme. Er singt nicht einfach ‚schön‘, sein Timbre hat auch nichts Knabenhaftes. Aber er singt sehr ausdrucksstark. Sein Altus verfügt über ein gutes, tragfähiges Fundament in der Tiefe und eine solide Technik, mit der er die anspruchsvolleren Partien mühelos bewältigt. Seine Höhe klingt demgegenüber streckenweise etwas gaumig oder näselnd - und dadurch nicht immer ganz frei. Wer sich daran bei Countertenören stört, wird mit der Aufnahme wahrscheinlich nicht ganz glücklich werden. Das Ensemble Odyssee unter seinem Leiter Andrea Friggi tut alles, um die Dramatik, aber auch die feineren Melodiebögen zur Geltung zu bringen, und die Qualität der Aufnahme und des Booklets sind ebenso erfreulich.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ariosti, Attilio: London - Arien für Alt

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Glossa
1
08.01.2016
EAN:

8424562235069


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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