> > > Schoeck, Othmar: Sämtliche Violinsonaten
Freitag, 19. April 2019

Schoeck, Othmar - Sämtliche Violinsonaten

Zu wenig Farben


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Othmar Schoecks Violinsonaten sind spannende Stücke, mit der Interpretation der Patuzzis scheint ihr Potential jedoch nicht ganz ausgeschöpft.

Maristella Patuzzi und Mario Patuzzi, ein Tochter-Vater-Gespann, spielt hier relativ seltenes Repertoire, nämlich die drei Violinsonaten des Schweizers Othmar Schoeck (1886-1957). Dabei handelt es sich dennoch um drei überzeugende Werke, in denen die Traditionen des soeben vergangenen 19. Jahrhunderts mehr oder weniger entschlossen modernisiert werden. Die frühe Sonate D-Dur op. 16 von 1909 ist da noch eher behutsam, die spätere in E-Dur op. 46 von 1931 schon deutlich weiter auf diesem Weg, doch auch sie lässt sich noch relativ leicht hören. Leider ist zwischen Scherzo und Finale, die eigentlich ineinander übergehen, auf dieser neuen Brilliant Classics-Produktion eine Lücke geschnitten. Eine dritte Sonate ohne Opusnummer in D-Dur wurde zwar fast 50 Jahre nach ihrer Entstehung von Schoeck überarbeitet, bewahrt aber den Charakter des Frühwerks von 1905, das manchmal fast etwas nach Brahms klingt.

Große Konkurrenz haben die Interpreten mit diesen Stücken ja nicht, doch der Eindruck ist trotzdem nicht immer ganz überzeugend. Zuweilen scheint die Geigerin Maristella Patuzzi technisch nicht ganz lupenrein, hier und dort eine nicht ganz plastische Artikulation bei technisch kniffligen Passagen, zuweilen eine leichte Trübung der Intonation. Alles Kleinigkeiten zwar, dennoch fällt das bei einer Studioproduktion eben auf.

Doch auch interpretatorisch scheint noch Luft nach oben, denn die Artikulation ist wenig akzentuiert und meist ziemlich breit. Maristella Patuzzi spielt meist mit langsamem, aber deutlichem Vibrato, scheint in der Tongebung wenig flexibel, nutzt nicht sehr viele Farben.

Einerseits ist die Platte schön aufgenommen – der Flügel klingt wunderbar, der Geigenton allerdings wirkt nicht ganz so vorteilhaft. Natürlich ist er nicht hässlich, wohl aber ein wenig aufdringlich. Maristella Patuzzi scheint mit ziemlich viel Druck zu spielen. Es ist allerdings schwer zu sagen, ob das klang- oder spieltechnische Ursachen hat. Auf jeden Fall der Aufnahme bzw. der Abmischung geschuldet ist jedoch die etwas zu starke Dominanz der Geigerin gegenüber dem Flügel. Der Text im Beiheft ist in Ordnung, aber nur auf englisch und italienisch enthalten.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schoeck, Othmar: Sämtliche Violinsonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
11.03.2016
EAN:

5028421952925


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Schoeck, Othmar


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