> > > Strauss, Richard: Der Rosenkavalier
Sonntag, 16. Juni 2019

Strauss, Richard - Der Rosenkavalier

Bitter, zart, schmelzend


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Augen zu, Ohren auf.

Unter den Erfolgsdirigenten der jüngsten Generation ist Robin Ticciati vielleicht der elastischste. Sein Bewegungsablauf provoziert gummihaft biegsame, aber kernige Phrasen. An Überschwang und Nachdruck fehlt es nicht – an keiner Stelle gerinnen sie zum Kitsch. Selten wurde 'Der Rosenkavalier' so klischeefern dirigiert, ohne Klebrigkeit und Lüge. Das Maß der Transparenz ist hoch und Tempi werden flexibel gehandhabt. Die Bläser sind außergewöhnlich präsent.

'Der Rosenkavalier' zählt nicht zum Kern des Repertoires – doch London Philharmonic fremdelt nicht. Phrasen werden feingezeichnet, wie mit Silberstift, und sorgsam gebosselt. Der Streicherchor entbehrt der Dresdner oder Wiener Süße – es lässt sich verkraften: Selten verfährt ein Orchester so liebevoll mit Noten.

Tara Erraught stattet den Titelhelden mit einem hellen Mezzo aus. Die Stimme ist nicht groß – ihre Palette ist es dennoch. Der  juvenile Ochs Lars Woldts hält sich auf ebenso hohem Niveau. Der einzige Muttersprachler weit und breit scheint zu wissen, was er singt. Die Phrasen seines schlanken Basses sind sinnvoll abgetönt. Es glückt ein differenziertes, durchaus komisches Charakterbild einer Figur, die anderen zur Charge absinkt.

Teodora Gheorghiu (Sophie) bietet eine grundsolide Leistung, technisch unanfechtbar, wenngleich es an Substanz gebricht: Die Höhe ist sicher und eng. Über Kate Royals phlegmatisch-phonetische Marschallin lässt sich, im besten Fall, nichts anderes berichten.

Die Personenführung ist statisch. Es funkt und knistert nicht. Am muntersten zeigen sich Erraught und Woldt. Manche andere Akteurin agiert mit klischeeunterfütterter Gleichgültigkeit. Die Peinlichkeiten sind Legion. Das Bühnenbild neigt zum Grellen und Monumentalen: austauschbar, eindimensional, unatmosphärisch – alles ist Plastik, Figuren inklusive.

Opus Arte hat Aufwand getrieben. Drei Dokumentarfilme wurden beigegeben: Robin Ticciati äußert sich klug, voller Demut und Leidenschaft über Glyndebourne, Richard Strauss und das Dirigieren. Richard Jones gibt sich ebenso unprätentiös. Aus seiner kulturellen Fremdheit macht er keinen Hehl: 'Rosenkavalier', Hofmannsthal-Strauss und das maria-theresianische Zeitalter waren und sind ihm exotisch. Auch die Damen – Royal, Erraught, Gheorgiu – tragen Kluges (respektive Gemeinplätze) bei. Es handelt sich um einen der besseren 'Rosenkavaliere' – zumindest musikalisch. Die Augen darf man schließen.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Der Rosenkavalier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
14.08.2015
EAN:

809478011705


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Opus Arte

Opus Arte ist eines der weltweit führenden DVD-Labels. Spezialisiert auf Oper und Tanz, enthält unser Katalog eine Vielzahl musikalischer Erfahrungen. Angefangen bei der Grand Opera hin zu märchenhaften Balletten, von zeitgenössischem Tanz hin zu Künstlerporträts - und nicht zu vergessen zu einer Party im rückseitigen Garten ihrer Majestät!
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