> > > Norrington, Sir Roger: Roger Norrington in Rehearsal & Performance
Sonntag, 21. April 2019

Norrington, Sir Roger - Roger Norrington in Rehearsal & Performance

Roger Rabbit rennt voran


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sir Roger: Kauz oder Kaninchen?

Euroarts legt einen Proben- und Konzertmitschnitt vor: Bei den Schwetzinger Festspielen 1996 musiziert Sir Roger Norrington mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart Mozarts Es-Dur-Sinfonie KV 543. Während der Proben spricht er Englisch, vermischt mit deutschen Brocken. (Sir Simon ist nie so weit fortgeschritten.) In blauen Sneakern schmeichelt der Meister den tapferen Schwaben und lobt, was zu tadeln ist. Ein Fläschchen Saft wird zum Lehrmittel nobilitiert: Einige Phrasen seien wie ‚Ka-rot-ten-saft‘ zu skandieren – allen Kaninchen zur Freude.

Nicht, dass man nicht Höheres bezweckte. Während eines Jahrzehnts hat Sir Roger den patentierten Stuttgart Sound gepflegt: ‚Wenn Sie den deutschen Klang hören wollen, kommen Sie nach Stuttgart. So hat er geklungen bei Brahms oder bei Bruckner‘. Der Mann hat Phantasie.

Sir Roger stellt fest, ‚wir alle‘ hätten eine Tendenz, Staccato zu spielen, wo es nicht vorgeschrieben sei. Dem möchte er entgegenwirken. Sein Bemühen um artikulatorische Redlichkeit ist das Beste der Probenarbeit. Emanationen des Schönen sind allerdings nicht erwarten, zu eng wird das klangliche und rhythmische Korsett geschnürt.

Die Schwetzinger Akustik ist heikel: Wo steifes Nonvibrato und überbordender Nachhall zusammentreffen, geschehen keine Wunder. Überhaupt bleibt man sich treu: Die Phrasen wollen nicht atmen, und bei kleiner Besetzung wäre ein höheres Maß intelligenter Transparenz zu ersehnen. Das Tutti ist robust, das Tempo hurtig. Alles schnurrt fort wie am Schnürchen. Im Finale herrscht ‚stehender Sturmlauf‘. Alle rennen, kopfüber voran. Niemand bewegt sich.

Die eigentliche Sensation des Tages: Sir Rogers nachtschwarzes Outfit, halbseiden, wallend, verwegen – zwischen Puffmutter und Fluch der Karibik platziert. Das Goldkettchen: Traum jedes Luden.

Das Booklet ist grün. Am Anfang steht der Untergang: ‚Die Klassik, die Krone der Künste, oh wie lange sie wohl noch überleben mag? Das Publikum ergraut, die Karten unverkauft, Kulturforscher sehen schwarz.‘ So – allen Ernstes – die Autoren. Dann kommt Sir Roger zu Wort: ‚Vielleicht steigt die Klassik dann hinab in die Keller, wie damals der Jazz, anstatt die großen Konzerthäuser zu füllen. Vielleicht werden wir dann nicht mehr so gut bezahlt, vielleicht auch gar nicht mehr. Aber die von uns, die für diese Musik Feuer gefangen haben, werden immer noch da sein, weil wir lieben, was wir tun.‘ Den schwäbischen Musikern ist dies kein Trost. Sie werden abgewickelt.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Bisherige Kommentare zu diesem Artikel

  1. Tendenziös
    Es wäre schön wenn der Rezensent sich mehr aufs rezensieren, und weniger aufs polemisieren konzentrieren würde. Im Jahr 2015 über eine 20 Jahre alte Produktion abzuledern, die auf Erkenntnissen beruht, die schon seit 30 Jahren bei den Interpreten nichts neues mehr sind, ist einfach peinlich.

    Farlis, 29.09.2015, 13:50 Uhr
    Registriert seit: 20.01.2010

  2. Beispielhaft
    Sie geben ein strahlendes Beispiel, was es heißt, nicht zu "polemisieren". Aber seltsam, dass Norringtons Musizieren auf Erkenntnissen beruhte, die seit Jahren "nichts Neues" mehr waren, demnach veraltet.

    Hermine, 25.12.2015, 07:31 Uhr
    Registriert seit: 14.09.2006

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Norrington, Sir Roger: Roger Norrington in Rehearsal & Performance

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
18.05.2015
EAN:

880242181688


Cover vergössern

EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag EuroArts:

  • Zur Kritik... Komponisten-Feuerwerk: Das Silvesterkonzert 2017 ist nicht nur gute Werbung für die Berliner Philharmoniker, sondern auch ein schönes Zeugnis von der langen und fruchtbaren Zusammenarbeit mit ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Mutti und Sohn: Diese 'Lucrezia Borgia' aus San Francisco lebt von der Überzeichnung. Das gilt leider auch für die musikalische Seite, die zum Teil sehr ansprechende Leistungen präsentiert, aber nicht rundum zufrieden stellen kann. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Skalpell und Silberstift: Niveau und Klasse – bei Bělohlávek gewinnen solche Floskeln Sinn. Weiter...
    (Dr. Daniel Krause, )
blättern

Alle Kritiken von EuroArts...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Daniel Krause:

blättern

Alle Kritiken von Dr. Daniel Krause...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Verdienstvoll: Dieser dritte Teil der interessanten Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner erfreut: Dessen kompositorische Stimme immer weiter zu stärken, so wie Florian Heyerick das mit seinem Ensemble Ex Tempore tut, ist höchst verdienstvoll. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Wenig Emotion, Glanz und editorische Sorgfalt: Die um 1700 erstmals publizierte, in ihrem Umfang übersichtliche Cembalo-Musik dieser beiden Organisten, die am Hofe des Sonnenkönigs Louis XIV tätig waren, ist bereits in exzellenten Aufnahmen präsent, mit denen Yago Mahugo kaum konkurrieren kann. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Große Erzählung: Ralf Otto macht diese Produktion zu einem echten Erlebnis, zwischen theologischem Diskurs und Trauerspiel. Eine unbedingt hörenswerte, in ihrer textverständlichen Natürlichkeit eindrückliche Matthäus-Passion. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Erich Wolfgang Korngold: Eine Nacht in Venedig - Ensemble und Couplets

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich