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Sonntag, 21. April 2019

Bergmann, Rudi - Vom Werden des Mannheimer Rings

Praktische Kosmogonie


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Welttheater auf der Werkbank.

Das Nationaltheater Mannheim hat vor Wagners Zweihundertstem dessen 'Ring des Nibelungen', vollständig mit allen vier Teilen, in Szene gesetzt. Dan Ettinger dirigierte – sängerfreundlich in Tempi und Dynamik, mit Übersicht und originellen Details. Klangzaubereien fanden nicht statt, denn Mannheim hat eigene Traditionen: Klarheit und Schärfe des Ausdrucks gehen über alles. Ádám Fischer hat hier durch Jahre gewirkt.

Als Regisseur, Beleuchter, Bühnen- und Kostümbildner war Achim Freyer gewonnen worden. Ein DVD-Mitschnitt des Zyklus ist bei Arthaus verfügbar. Nun liegt beim selben Label eine fünfstündige Dokumentation Rudij Bergmanns vor: ‚Vom Werden des Mannheimer Rings‘. Die Kamera ist unauffällig, der Schnitt wurde locker gefügt, mit Rhythmus- und Tempogefühl. Wichtiger: Bergmann macht keine Faxen. Der Gegenstand ist aufschlussreich genug. Gespräche mit Künstlern dienen nicht der Selbstbespiegelung, sondern nüchterner Information. Niemand gibt hier den Pfauen.

Erfreulich bleibt, dass das Fußvolk zur Geltung kommt – Bühnenarbeiter, Maskenbildner, diverse Assistenten, ohne deren Einsatz und Aufopferung (bei elender Bezahlung) der Vorhang niemals gehoben werden könnte. Arbeitsabläufe und technische Details, Zwistigkeiten und Enthusiasmus – das wirkliche Leben eines Operntheaters wird plastisch. Im Mittelpunkt steht der Universalkünstler Achim Freyer – kein Charmeur, sondern Berliner, aber voller Respekt gegen das Werk und die Kollegen. Mit leiser, deutlicher Stimme erklärt er geistige und handwerkliche Aspekte seines Inszenierens.

Psychologischen Realismus hat Freyer nicht im Sinn. (Er ging bei Brecht in die Lehre.) Gesellschaftskritik, ‚Aktualisierung’, Dekonstruktion ebenso wenig. Er liefert einen Gegenentwurf zu klassisch-modernen 'Ring'-Inszenierungen Chéreaus, Kupfers oder Götz Friedrichs. (Am ehesten wäre an Robert Wilson zu denken.) Sein Wurf gelingt – Freyer schafft eine geschlossene Bilderwelt voller archaischer Gesten und kühner Stilisierung, das hoffentlich ‚einfachste Theater der Welt‘. Eine ‚Botschaft‘ gibt es bei alledem nicht. Dies wäre ‚Anmaßung‘. Wer ‚Interpretation’ erwartet, illustrierte Essayistik, kommt nicht auf seine Kosten. Wer offen ist für Abenteuer und Vergnügen, wird jubeln.

Rudij Bergmann hat einen Werkstattbericht im anspruchsvollen Sinne geschaffen, erhellend und unterhaltsam. Schnieken Marketing-Machwerken wie der Gelblabel-Doku über Robert Lepage und den 'Ring' in New York ist er weit überlegen. Starke Kaufempfehlung für Wagnerianer und Theaterinteressierte.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bergmann, Rudi: Vom Werden des Mannheimer Rings

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
2
14.08.2015
EAN:

807280911299


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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