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Mittwoch, 26. Juni 2019

Sibelius, Jean - König Christian II.

Mal virtuos, mal gediegen


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Aufnahme bietet eine spannende Sicht auf Jean Sibelius und seine vergleichsweise selten zu hörende Schauspielmusik.

Der finnische Dirigent Leif Segerstam ist ein bedeutender Sibelius-Interpret, der Detailpräzision mit emotionalem Tiefgang verbindet. Er ist aber auch jemand, der eine persönliche Sicht auf die Partitur hat, wobei er zumeist durchaus energiegeladene Interpretationen, gepaart mit der typischen Perfektion seines Orchesters aus Turku, liefert.

Segerstam ist ein Dirigent, der sich die Mühe macht, die Partituren intensiv zu lesen. Das ist Grundlage dafür, dass er oft durch eine unselige Interpretationstradition verdeckte kompositorische Zusammenhänge entdeckt und hörbar macht. Das Fabelhafte dabei ist, dass Segerstam nicht noch irgendein innovatives klangliches Mätzchen draufsetzt, sondern alles aus dem Notentext heraus entwickelte. Zudem bevorzugt er gemäßigte Tempi, um die Fülle der orchestralen Textur hör- und erlebbar zu machen. Das verschreckt sicherlich einige Hörer, die in Segerstams Deutungen vergebens ‚Glanz und Trallala’ suchen. Hört man Segersatm aber genau zu, so bemerkt man recht schnell, dass ein erfrischend wohltuend entstaubter Sibelius serviert wird.

Die vorliegende, bereits vor einiger Zeit erschienene Einspielung aus dem Hause Naxos bietet mit zwei Schauspielmusiken, der Ouvertüre a-Moll (JS 144) und zwei Konzertliedern aus 'Twelfth Night' op. 60 eine interessante Zusammenstellung mit einem gewissen Repertoirewert. Auf Segerstams Haben-Seite sind zudem seine spezifisch ausbalancierte Regieführung sämtlicher Klangfarben- und Dynamik-Register zu erwähnen. Besonders letztere scheinen in Segerstams Lesart von 'Kuolema' und 'König Christian II.' perfekt ausgelotet und fein abgestuft. Dabei bleiben die musikalischen Charaktere äußerst streng im Tempo.

Die Gesangsolisten Pia Pajala, Sopran, und Waltteri Torikka, Bariton, überzeugen durchweg. Pia Pajala gestaltet klar und zurückhaltend und überzeugt insbesondere in puncto Diktion, Intonation und Klangschattierung. Kleine Veränderungen der Artikulation der Gesangsstimme beleuchten stets neue Aspekte. Man höre sich diesbezüglich Elsas Lied aus 'Kuolema' an. Ähnliches gilt auch für Waltteri Torikka, der faszinierend subtil etwa 'Kum nu hit, Död!' aus 'Twelfth Night' deutet, ohne in unpassendes Pathos zu verfallen. Gerade hier zeigt sich Segerstams Durchdringung der Musik von Jean Sibelius, die durchaus nicht als Beschränkung auf das Wesentliche begriffen werden muss, sondern diese Werke vom Ballast überholter Interpretationsansätze befreite und einen erfrischend entstaubten Sibelius liefert.

Eine interessante Überraschung bietet die Ouvertüre a-Moll JS 144, die man in der Tat selten hört. Nach der einleitenden Bläserfanfare formt Segerstam den teils polyphon vorwärtstreibenden Klangstrom des Orchesterparts mit fast barocker Strenge und beeindruckt durch eine intelligente Sichtung des kompositorischen Netzwerkes bis in die kleinsten formalen Verästelungen. So bringt der Finne Dramatik, Emotion und Struktur geschmeidig zusammen. Dass ihm dies so atemberaubend gelingt, ist selbstverständlich auch dem Orchester aus Turku, dessen Chefdirigent er seit 2012 ist, zu verdanken.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sibelius, Jean: König Christian II.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
26.06.2015
Medium:
EAN:

CD
747313329977


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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