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Montag, 24. Juni 2019

Liszt, Franz - Werke für zwei Klaviere

Liszt-Werke für zwei Klaviere: atemberaubende Aufnahmen des SWR2


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Aglika Genova & Liuben Dimitrov unterstreichen mit diesen Aufnahmen, weshalb sie zu den gefragtesten Klavierduos der Welt gehören.

Auf der 2015 bei cpo erschienenen CD liefern Aglika Genova und Liuben Dimitrov wohl eine der besten Interpretationen von Liszts Werken für zwei Klaviere, die es auf dem Markt zur Zeit gibt. Aufgenommen sind nicht nur das bekannte Konzertstück über Mendelssohns 'Lieder ohne Worte' oder das 'Concerto pathétique' in e-Moll, sondern auch die 'Réminiscences' über 'Norma' und 'Don Giovanni' sowie die Konzertvariationen 'Hexaméron'. Schon bei dem 'Großen Konzertstück' wird deutlich, dass das Klavierduo sehr viel Wert auf Feingefühl und eine tonmalerische Sprache legt, statt wie viele Interpreten ein rein virtuoses und wuchtiges Furioso darzubieten. Selbst die kraftvollsten Passagen sind ausgezeichnet phrasiert. Ohne Druck bilden die Akkorde eine Stütze der klar hervorgehobenen Melodielinie, wenngleich die Mehrschichtigkeit der musikalischen Idee durch diese Brillanz auch etwas verloren geht. Andererseits bieten die beiden Pianisten dem Hörer so auch eine Orientierungshilfe, die bei der Gewaltigkeit Liszt‘scher Musik enorm wichtig ist; ungeübte Hörer können sich leicht in der Mehrstimmigkeit und dem ständigen Auf und Ab dieser hochvirtuosen Musik verlieren.

Bei Genova/Dimitrov sind jedoch nicht nur die Melodieführungen, sondern auch die dynamischen Parameter herausragend aufeinander abgestimmt, was vor allem im 'Concerto pathétique' zum Tragen kommt. In seiner musikalischen und formalen Anlage ähnelt es sehr der berühmteren h-Moll-Sonate und eine der größten Herausforderungen besteht wohl darin, die permanenten Tempowechsel nicht abreißen, sondern ineinanderfließen zu lassen. Dies gelingt den beiden Musikern besser als vielen anderen Interpreten, denn die Abschnitte bilden eine atemberaubende Balance aus klar erkennbarer Trennung und weichen Übergängen, die den musikalischen Fluss zu keiner Zeit unterbrechen. In eben dieser Weise werden auch die 'Réminiscences de Don Juan' vorgetragen. Die einzelnen Szenen der Mozart-Oper besitzen zum Teil sehr kontrastierende Charaktere von dramatisch und melancholisch bis leichtfüßig und spritzig. Perlende und völlig schwerelose Kadenzen zaubern die beiden Künstler auf die Tasten, sodass harmonische und mitreißende Klänge in unterschiedlichster Form geboten werden.

Im Gegensatz dazu sind die 'Réminiscences de Norma' eine Woge dramatischer Elemente. Bellini erzählt in der Oper eine tragische Liebesgeschichte zwischen der gallischen Priesterin Norma und dem Römer Pollione. Liszts Szenenzusammenstellung ist eine Auswahl mehrerer rezitativischer wie auch arioser Melodien, denen Genova/Dimitrov jeweils sehr unterschiedliche Charakterzüge geben; während die rezitativischen Passagen ein fast schon jammernder Stil auszeichnet, sprühen die ariosen Szenen vor Glanz und Kraft. Durch die Präsenz der Hauptmelodie kommt diese dem italienischen Belcanto faszinierend nahe und man stellt sich im Geiste bereits die Sopranistin auf einer großen Opernbühne vor. Mit 'Hexaméron' schließt das Duo seine fulminanten Interpretationen und brilliert noch einmal mit all seinem Facettenreichtum. Die Variationen, die nicht ausschließlich von Liszt stammen, sondern aus einer künstlerischen Zusammenarbeit mehrerer Komponisten entstanden sind, gehören zu den anspruchsvollsten Stücken des Konzertrepertoires für zwei Klaviere. Aber auch hier zeigt sich die Harmonie zwischen den beiden Virtuosen: Über die ganze CD hinweg hat man nicht das Gefühl, es seien nicht zwei Klaviere, sondern eines.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Tanja Geschwind Kritik von Tanja Geschwind,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Liszt, Franz: Werke für zwei Klaviere

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
25.01.2015
Medium:
EAN:

CD
761203789627


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Liszt, Franz
 - Großes Konzertstück über Mendelssohns Lieder ohne Worte -
 - Reminiscences de Norma -
 - Concerto pathetique in e-Moll -
 - Reminiscencens de Don Juan -
 - ,,Hexamron, Grandes Variations de Concert sur un theme des ,,Puritains', Morceau de Concert' -


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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