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Sonntag, 16. Juni 2019

Ensemble Nobiles - Bis willekommen

Feinsinnig


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Platte mit interessanter Advents- und Weihnachtsmusik, gesungen vom jungen Leipziger Männerquintett Ensemble Nobiles.

Vokalkunst und Leipzig – das ist einfach ein starkes Gespann, neben weiteren Chören sehr verschiedenen Zuschnitts und ästhetischen Profils ist natürlich der Thomanerchor traditioneller Pfeiler und zugleich unerschöpfliches Reservoir für Ausgründungen. Die prominentesten Beispiele sind sicher amarcord und das Calmus Ensemble, doch hat auch das sehr junge Ensemble Nobiles schon aufhorchen lassen: Neben einer ersten Platte mit Erwägungen zum Ordinarium einer Deutschen Messe war es eine Zusammenarbeit mit dem gleichfalls in Leipzig beheimateten, ähnlich jungen und gleichermaßen aufstrebenden Damenensemble Sjaella, die Interesse weckte: Etliche große Motetten aus Hugo Distlers Geistlicher Chormusik mit dem Totentanz im Zentrum bildeten das Schwergewicht dieses Programms. Die jungen Vokalisten hatten hier ihr wirklich idiomatisch passendes Klangideal unter Beweis gestellt, weich und verschmelzungsfähig in der Grundanlage, mit einem wachen Sinn für die rhythmischen Qualitäten des feinen linearen Geflechts.

Konzentrierte Ensembleleistung

Jetzt haben die fünf jungen Männer – Paul Heller, Lukas Lomtscher, Christian Pohlers, Felix Hübner und Lucas Heller – das getan, was jedes Vokalensemble früher oder später tut – oder tun muss: Sie haben eine Platte mit adventlicher und weihnachtlicher Musik vorgelegt. Das ist trotz dichtesten Gedränges auf dem Plattenmarkt natürlich nicht verwerflich, setzt man denn die richtigen Schwerpunkte, versucht man auch, dem allzu Plakativen zu entgehen. Und das gelingt dem Ensemble mit bemerkenswerter Leichtigkeit. Zunächst besinnen sich die Sänger auf ihre Stärken – auf ihre Möglichkeiten in der leichten linearen Entfaltung, in der fein ausgehörten Akkordik. Und diese Stärken kommen – die Distler-Platte hat das deutlich gemacht – in den affektiv oft schlichten Stücken jener traditionsbewussten, zugleich neue Wege erkundenden Chormusik der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts besonders günstig zur Geltung. Also gibt es Distler zu hören und Kurt Thomas, Günter Raphael und Johannes Petzold. Dazu treten Sätze aus jüngerer Zeit, die sich im Nachgang jener Schlichtheit begreifen, etwa von den Ensemblemitgliedern Paul Heller und Christian Pohlers, von Peter Berg oder, ein wenig rauer, vom derzeitigen Thomaskantor Georg Christoph Biller. Dieser Teil des Programms wirkt sehr stimmig und entspricht wunderbar den besonderen Qualitäten des Ensembles.

Ältere Beiträge werden in dieses Umfeld integriert – durchaus nachvollziehbar und motiviert Michael Praetorius oder die weniger bekannten Benedict Ducis und Johannes Stomius. Auch dieses in seiner Wirkung ‚klassische‘ Repertoire gelingt, wenngleich es bei stärkerer Bewegung die schönen lyrischen Qualitäten der Formation etwas verschattet. Einen Ausreißer in die iberische Spätrenaissance stellt die Adventsmotette 'Conditor alme siderum' von Tomás Luis de Victoria dar, die zeigt, dass die Beherrschung ausgedehnter Geflechte neben den auch hier zu hörenden Qualitäten des Quintetts einen ganz besonderen Sinn für Spannung und Entspannung verlangt, um restlos zu überzeugen. Aber Victoria ist womöglich ein guter Hinweis dafür, wohin sich das Ensemble entwickeln kann, will es seine sicheren Repertoiregründe allmählich ausbauen.

Die aber – Distler, dessen Zeitgenossen und ästhetischen Nachfahren – bilden den eigentlichen Kern der Platte. Das zu hören lohnt sich wirklich und macht Freude. Man darf den weiteren Weg des jungen Ensembles mit Interesse verfolgen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ensemble Nobiles: Bis willekommen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
03.10.2014
EAN:

4260036253146


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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