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Sonntag, 21. Juli 2019

Rossini - L'italiana in algeri

Barbarella in Algier


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine überambitionierte Regie, die auf Dauer eine Spur der Eintönigkeit hinterlässt, wird durch ein gutes Sängerensemble, angeführt von Alex Esposito als Mustafà, wieder wettgemacht.

60er Jahre-Kostüme und -Maske, Choreografien und filmische Projektionen im Comicformat, die an diese Zeit erinnern, Videoeinspielungen und Lichtdesign á la James Bond, ausufernde Gesichtsakrobatik aller Beteiligten und sehr viel Statistenaktionismus sind Kennzeichen von Rossinis 'L‘Italiana in Algeri', die 2013 in Pesaro in der Regie von Davide Livermore aufgeführt wurde. Was zunächst als willkommene Abwechslung vom gängigen szenischen Gewand dieser Oper beginnt – schon in der Ouvertüre wird die Vorgeschichte der Handlung und die Position Mustafàs als Ölmulti per Comicfilm erzählt –, läuft sich leider schon nach den ersten vier Musiknummern tot. So wunderbar einfallsreich Livermores Arbeit scheint, so wenig vertraut sie doch der Musik Rossinis und dem Witz der Oper. Immer gibt es eine Choreografie und aufwändiges Gepose im Hintergrund, welches dem Inhalt der jeweiligen Szene nicht nur keinen Zugewinn beschert, sondern sogar davon ablenkt und die Protagonisten teilweise in eine missliche Lage bringt. Wenn der Tenor beispielsweise in Lindoros Auftrittsarie nicht hundertprozentig richtig steht, funktioniert die Interaktion mit dem projizierten Comic-Hai nicht. Die Aufmerksamkeit von Publikum und Tenor wird ohne Mehrwert irrgeführt.

Zunächst sind auch die Choreografien, in welchen sich sämtliche Beteiligten ergehen, eine Augenweide. Jedoch wird schnell deutlich, dass auch hier der Aktionismus vor der inhaltlichen oder musikalischen Relevanz vorherrscht. Wenn also alle Beteiligten nur mit scheinbar witzigen Choreos beschäftigt sind, aber kein Akzent, sei er musikalischer oder inhaltlicher Natur, gesetzt wird, dann beginnt dieses Schema bald, ziemlich langweilig zu werden. Spätestens ab dem zweiten Drittel des ersten Aktes hat sich so also die Aufmerksamkeit des Zuschauers erschöpft bzw. ist deutlich geworden, dass das szenische Geschehen ein oberflächliches Bebildern bleibt. Einen besonderen Moment erlebt das Publikum noch: Gegen Ende des ersten Finales gibt es das wunderbare Septett, bei welchem die Solisten sich nicht mehr in Worten, sondern nur noch in instrumental angehauchten Silben äußern. Gerade in einer Inszenierung, in welcher keine Absurdität gescheut wird – und das ist als positives Merkmal zu verstehen –, stünden der Regie hier viele Möglichkeiten offen. Livermore entzieht sich aber der Aussage der Oper komplett, indem er alle Solisten Drogen oder Alkohol konsumieren lässt, sie in einer Reihe aufstellt und eine psychedelische Spirale über sie projizieren lässt. Die Absurdität der Sprache ist also beispielsweise nicht der psychischen Überforderung, in welcher sich die Figuren befinden, geschuldet, sondern dem Konsum von Drogen. Hätte nicht vorher Mustafà schon eine Viagra-Variante genommen und würden nicht später alle an einem schnellen Ensemble beteiligten Solisten erst Espressi trinken, um dann an Mohnblumen zu riechen, würde die Idee ja eventuell noch funktionieren. Aber in äußerst unterschiedlichen Situationen auf dieses Hilfsmittel zurückzugreifen, erscheint dann doch etwas uninspiriert.

Mustafà als Mittelpunkt

Doch es ist nicht fair, hier der Regie zu viel Platz einzuräumen. Die Sänger schlagen sich beachtlich und es ist in manchen Gesichtern abzulesen, dass die Darstellung an diesem Abend Spaß gemacht hat. Allen voran fühlt sich Alex Esposito als Mustafà sichtlich wohl in seiner Rolle. Er ist ein tanzender Ölmulti in Shorts und offenem Hemd, der alles bekommt, was er möchte, der dauernd schießt und immer etwas, wenn auch nicht das Beabsichtigte, trifft, der immer seine Mädchen um sich hat und der bei allem Spaß, den er hat, gefährlich bleibt. Esposito ist in seiner Rolle, füllt sie komplett aus und macht damit den überzeichneten Charakter glaubwürdig. Stimmlich ist er ebenfalls eine Idealbesetzung: Mit kernigem und sehr beweglichem Bass gelingen ihm Koloraturen, ist er der ideale Duettpartner für Lindoro, bezirzt er Isabella. Höhe wie Tiefe klingen gesund und stets vorhanden. Stimmlich steht ihm die Isabella von Anna Goryachova nur wenig nach. Sie hat eine wunderschöne Stimme, singt sehr gesund, technisch nahezu perfekt, gestaltet ein wunderbares Legato und lässt die Koloraturen nur so perlen. Den Biss, den man sich aber für diese Rolle wünschen würde, hat sie noch nicht. Sie ist immer perfekt und manches Mal wünscht man sich, dass sie ein wenig Risiko einginge, die Szene darstellerisch wie stimmlich mehr an sich reißen würde, das Ensemble führte, extrovertierter wäre. Eventuell wird sie das einmal können, aber 2013 gelingt es ihr noch nicht. Daher bleibt Esposito auch der unangefochtene Mittelpunkt an diesem Abend.

Yijie Shi ist ein Rossini-Tenor wie es besser kaum geht. Sein heller Tenor ist beweglich, meistert jede Hürde der Alindoro-Partie ohne nasal zu werden und lediglich die Leichtigkeit, der Spaß an der musikalischen Gestaltung könnte noch ein wenig mehr sein. Technisch wäre Shi in der Lage dazu. Eventuell kann er sich da bei seinem Kollegen Mario Cassi noch ein wenig etwas abschauen. Diesem gelingt es in der kleineren Partie des Taddeo, seinen Spielbass exzellent zur Geltung zu bringen. Er strahlt Spielfreude aus, differenziert musikalisch und macht den Taddeo zu einer ernst zu nehmenden Figur. Der Sopran von Mariangela Sicilia und der Mezzo von Raffaella Lupinacci als Zulma vervollständigen das Damenensemble, während Davide Luciano als Haly das Männerensemble komplettiert. Am Pult des Orchesters des Teatro Comunale di Bologna steht José Ramón Encinar. Ihm gelingt leider keine musikalisch spritzige Aufführung, keine Differenzierung, die Aufhorchen lässt und die Musik auch einmal vor die Dominanz der Regie setzt. Auch in der Ensembleführung wünschte man sich ein wenig mehr Abstufung, aber eventuell ist das Problem, dass man manche Hauptfiguren nur schwer in den Ensembles hört, auch der Platzierung der Mikrofone geschuldet. Ton und Kameraführung sind ansonsten aber sehr in Ordnung, auch die Aufbereitung der Aufführung zur DVD ist mehr als gelungen. Lediglich eine Tracklist würde man sich noch im Booklet wünschen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rossini: L'italiana in algeri

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
11.08.2014
Medium:
EAN:

DVD
809478011415


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