> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Sämtliche Streichquintette 1 - 6
Montag, 24. Juni 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Sämtliche Streichquintette 1 - 6

Maskierter Mainstream


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mozarts Streichquintette – mäßig gelungen.

Quatuor Sine Nomine, Lausanne, und Raphaël Oleg, Violine, haben Mozarts sechs Streichquintette eingespielt. Auffällig bleibt die Tendenz, Nebenstimmen prägnant zu artikulieren – und dynamisch in den Vordergrund zu spielen. Wenn es eines Belegs für Mozarts hochentwickelte Satzkunst bedürfte, er wäre erbracht. Auch wird das Klanggeflecht aus der Tiefe, von den Bässen her, entwickelt: Diese Aufnahmen klingen dunkler als gewohnt, üppiger und orchestraler. Müsste die polyphone Eigenart der Gattung erwiesen werden, der Nachweis läge vor. Das Klangbild ist umso profunder, aber auch dumpfer und wattiger geraten, als Grande Salle Châtonneyre im waadtländischen Corseaux, wiewohl ein zwergenhaftes Kämmerchen, reichlich Hall zur Verfügung stellt. Der Anteil des Toningenieurs, Alfredo Lasheras Hakobian, lässt sich von ferne nicht bestimmen.

Mozart wird nicht auf Rosen gebettet. Der Zugriff ist robust, von falschem (und richtigem) Feinsinn befreit. Solche raue Attacke mag man erfrischend (oder verstörend) finden. Phrasen schwingen nicht – sie werden kantig, eckig, spitzig aufgespannt. Allzu oft fehlen Atem und innere Freiheit. Ein lehrreiches Beispiel mangelnder Durchbildung und Perspektivierung bietet das Menuett im C-Dur-Quintett KV 515: Man tritt auf der Stelle. Wo Drive und Dramatik am Platze wären, im Kopfsatz, scheinen die Musiker seltsam befangen und verhalten. Tonschönheit und -genauigkeit spielt allgemein eine untergeordnete Rolle.

Am Menuett des D-Dur-Quintetts KV 593 lässt sich studieren, wie Satzcharaktere verfehlt werden können, wenn auch nach Wortlaut und Tempo weniges falsch gemacht wird. Der Tanzschritt stolpert, holpert, kommt nicht vom Fleck. Grazie stellt sich nicht ein.

Diese beiden CDs sind (bei Genuin) von Artist Consort verlegt worden. Es versteht sich als ‚Gegenentwurf zur gängigen Praxis des CD-Business‘, denn ‚von der Werkauswahl bis zum Booklettext, von der Klanggestaltung bis zur Besetzungsliste: Unterstützt vom Genuin-Team entscheiden die Musiker alle wichtigen Fragen rund um die Aufnahme selbst.‘ Man biete ‚kein Fast-Food, sondern künstlerisches Ethos und Eigenständigkeit, schöpferische Fantasie und Virtuosität‘ – so der Anspruch, in marktkonformen Phrasen vorgebracht. Die Wirklichkeit ist komplizierter. Nach klanglicher und künstlerischer Dignität sind diese Mozart-Platten manchem ‚Fast Food‘ unterlegen. Mag Quatuor Sine Nomine ein hochseriöses, schätzenswertes Streichensemble sein – eine Meisterleistung ist dies nicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mozart, Wolfgang Amadeus: Sämtliche Streichquintette 1 - 6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
2
02.05.2014
Medium:
EAN:

CD
4260036252750


Cover vergössern

Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Genuin:

  • Zur Kritik... Steiler Weg nach oben: Dieses Album zeichnet den Weg des Pianisten Yekwon Sunwoo zu seinem 'Cliburn'-Sieg vor. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Weite und Ruhe: Der junge isländische Tenor Benedikt Kristjánsson kombiniert auf seiner ersten Solo-CD isländische Volkslieder mit Liedern von Franz Schubert. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Sensibles Vorspiel: Karim Shehata interpretiert 15 kurze Charakterstücke mit großer Sensibilität und schafft so ein abwechslungsreiches und in sich stimmiges Programm. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Genuin...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Daniel Krause:

blättern

Alle Kritiken von Dr. Daniel Krause...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Kammermusik vom Allerfeinsten: Das Diogenes Quartett wirft einen intensiven Blick auf den Streichquartettkomponisten Gernsheim. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Über die Liebe: Einen Erkundungsgang ins musikalische Mittelalter bietet das Ensemble Trobar e Cantar. Die Liebe ist das verbindende Thema. Weiter...
    (Gero Schreier, )
  • Zur Kritik... Neue Saitenwege zu Debussy: Das Duo Bilitis verdichtet Debussys Musik im mystischen Harfen- und Stimmklang und ergründet damit neue Wege, die faszinierend, aber auch etwas eingegrenzt wirken. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2019) herunterladen (3061 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich