> > > Cilea, Francesco: L'Arlesiana
Freitag, 24. Mai 2019

Cilea, Francesco - L'Arlesiana

Dramaturgisch wichtiger Moment


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Aufnahme von Cileas 'Arlesiana' berücksichtigt erstmals die bei der Uraufführung noch in der Partitur enthaltene, zweite Romanze Federicos.

Francesco Cileas 'Arlesiana' hat sich nie wirklich auf der Bühne durchsetzen können. Auch der Komponist war mit seinem Werk nicht glücklich. Über vier Jahrzehnte arbeitete er die Oper um und trug selbst in die letzte veröffentlichte Partitur noch Nachbesserungen ein. An den Erfolg seiner 'Adriana Lecouvreur', konnte er dennoch nicht anknüpfen. Nur Federicos Arie 'È la solita storia' gehört seit langem zum Konzertrepertoire großer Tenöre.

Immerhin wurde die Oper, die einen Stoff von Alphonse Daudet aufgreift, mehrfach aufgenommen. Die Einspielung des Labels cpo berücksichtigt erstmals die bei der Uraufführung noch in der Partitur enthaltene, zweite Romanze Federicos ('Una mattina'). Zwar hatte diese bei der Kritik Erfolg, wurde aber von Cilea gestrichen, um später unter dem Titel 'Alba novella' als Klavierlied veröffentlicht zu werden. Mit einem von Mario Guido Scappucci rekonstruierten Orchestersatz markiert die Arie auf der Einspielung wieder einen dramaturgisch wichtigen Moment im dritten Akt: Federico scheint die Verzweiflung über die Untreue der Arlesianerin überwunden zu haben und will Vivetta heiraten. Ihr gegenüber beteuert er in 'Una mattina' sein Glück. Kurz darauf taucht jedoch Metifio auf, der Federico im ersten Akt durch Briefe der Arlesianerin über deren Untreue aufgeklärt hatte. Jetzt fordert er die Schriftstücke zurück und stürzt Federico in erneute Verzweiflung, die ihn am Schluss der Oper in den Selbstmord führen wird.

Aufschlussreich beleuchtet

Schon im Vorspiel nimmt Fabrice Bollon am Pult des Philharmonischen Orchesters Freiburg die Dramatik des Endes vorweg. Immer wieder setzt er auf explosive Ausbrüche, zügelt aber das Ensemble in der Äußerung theatralischer Effekte. Als Federico zeigt Giuseppe Filianoti Heldentenor-Qualitäten und jugendliche Energie. Bei 'È la solita storia' verzichtet er auf den Einsatz der Kopfstimme, was ihn von vielen Kollegen unterscheidet. Das gibt der berühmten Arie einen etwas trotzigen Zug, der die Verzweiflung des Charakters aufschlussreich beleuchtet, nimmt ihr aber auch etwas von ihrer traumverlorenen, dekadenten Schönheit. Die wiedererstandene Arie 'Una mattina' präsentiert Filianoti mit feinen Nuancen.

Nach Anlaufschwierigkeiten überzeugt Iano Tamar (Rosa Mamai) als sorgenvolle Mutter Federicos. Mirela Bunoaica ist eine lyrische Vivetta. Baldassare ist mit Francesco Landolfi gewichtig besetzt. Diese Aufnahme ist mit der wieder eingefügten Arie 'Una mattina' eine interessante Ergänzung der Diskografie. An die lebendige Wahrhaftigkeit der Mono-Aufnahme mit Ferruccio Tagliavini (1955) und die Ausgewogenheit der Einspielung unter Charles Rosekrans (1991) kommt sie aber nicht heran. Minuspunkte gibt es beim cpo-Album für das fehlende Libretto im Booklet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Cilea, Francesco: L'Arlesiana

Label:
Anzahl Medien:
cpo
2
EAN:

761203780525


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Cilea, Francesco
 - Preludio -
 - E a te né un bacio mai -
 - Come due tizzi accesi -
 - Oh Dio, nessuno ancora! -
 - Marco è un uom coi fiocchi... -
 - Buon dì, buon dì! -
 - Credevo in casa Federico -
 - Era un giorno di festa... -
 - Mamma!... Oh, figlio mio! -
 - Quanto non si può dire... -
 - Evviva Padron Marco! -
 - Or tu, sorella, l'abito da festa -


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Dirigent(en):Bollon, Fabrice
Orchester/Ensemble:Philharmonisches Orchester Freiburg
Interpret(en):Tamar, Iano
Bunoaica, Mirela
Lee, Jin Seok
Landolfi, Francesco
Orozco, Juano


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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