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Mittwoch, 26. Juni 2019

Gershwin, George - Porgy und Bess

Realismus und Statik


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Produktion von Gershwins 'Porgy and Bess' aus San Francisco wartet mit einer sehr guten Besetzung auf, dokumentiert aber auch Höhen und Tiefen amerikanischer Opernaufführungen.

Zunächst einmal: Es ist sehr schön, dass George Gershwins Oper 'Porgy and Bess' hier vorgelegt wird, bietet die Veröffentlichung doch eine brauchbare Alternative zu gängigen Verfilmungen und alternativen Aufnahmen. Gegenstand der DVD ist eine Aufführung an der San Francisco Opera mit Chor und Orchester des Hauses unter dem Dirigenten John DeMain vom Juni 2009, die das ganze Dilemma amerikanischer Operndeutungen vor Augen führt: Die Bühneninszenierung von Francesca Zambello setzt auf eine fast fotorealistische Darstellung, wodurch die Szenen manchmal schon unangenehm wirken. Sie gehört also zu jener Art von Zugriff, die – das generell vom realen Alltag abstrahierende Potenzial der Gattung Oper verkennend – suggerieren wollen, dass es sich um eine Realität handelt, die da auf der Bühne untergebracht ist. Dies alles ist umso komischer, als sich die Sänger dann immer wieder bei ihren Arien dem Publikum zuwenden, anstatt das Gegenüber mit ihren gesungenen Worten zu bedenken. Gerade das Bedürfnis, alles so realistisch wie möglich erscheinen lassen, macht die Aufführung – über die es immerhin reichhaltiges Material auf der Bonus-DVD zu entdecken gibt – enorm statisch, zumal sie auch etwas ideenlos abgefilmt wurde. Dass die Schnitte dabei gelegentlich rasch aufeinander folgen, gehört ebenso dazu wie die mangelnde Rücksichtnahme auf dramaturgische Details. Denn es gilt eben, die Statik für die DVD wieder ein wenig durch Action zu beleben.

Stimmlich sind die Sängerinnen und Sänger – darunter Eric Owens als Porgy, Laquita Mitchell als Bess, Lester Lynch als Crown, Cahuncey Packer als Sportin’ Life und Karen Slack als Serena – durchweg auf sehr hohem Niveau. Als eigentliche Höhepunkte entpuppen sich jedoch zumeist nicht die Solonummern, sondern die Chorszenen: sei dies nun im relativ einfachen Chor der Fischer ('It take a long pull to get there' und 'I ain’ got no Shame') oder in dem durch den Chor ganz wesentlich mitgestalteten dramatische Geschehen während des Sturms und der dabei gelegentlich anklingendem Gospelatmosphäre, die von den illustrativen, sorgfältig geformten Klangspitzen des Orchesters – insbesondere von Blech und Schlagzeug – hervorragend unterstützt wird. Beachtlich ist diesbezüglich auch die Transparenz, die das musikalische Geschehen in komplex aufgebauten, weil in mehreren unabhängig voneinander verlaufenden Schichten aufweisenden Sätzen wie 'Oh, de Lawd shake de Heavens' und 'Oh, dere’s Sombody knockin’ at de Do’', aufweist, denn sie zeugt von einer sorgfältigen Klanggestaltung nicht nur der Vokalstimmen, sondern auch des hinzutretenden Orchesters. Gerade Sportin’ Lifes Wechselgesang mit dem Chor in 'It ain’t necessarily so' wird dadurch zu einem Höhepunkt der Aufzeichnung.

Auch wenn das Orchester nicht durchweg so klar erscheint – was etwa die kurze 'Introduction' zu Beginn des ersten Akts verdeutlicht –, gelingt es DeMain doch immer wieder, die vielfältigen Farben der Partitur herauszuarbeiten und ihnen auch während der Solonummern Geltung zu verschaffen. So ist die von Packer großartig gesungene Nummer 'There’s a Boat dat’s leavin’ soon for New York' von auftrumpfenden, sinnlichen Jazzklängen durchzogen, und auch Porgys Arie 'I got plenty o’ nuttin’' überrascht durch farbenreiche Orchestertexturen, die in anderen Aufnahmen zugunsten des Gesang eher zurückgenommen werden. Insgesamt trägt die immer wieder von Szenenapplaus durchzogene Live-Atmosphäre viel zum positiven Gesamteindruck der Produktion bei – eine Atmosphäre, die beispielsweise der bekannten Einspielung unter Simon Rattle völlig abgeht. Und tatsächlich gibt es auch eine visuell eindrückliche Szene: Wenn nämlich Serena – von Slack an dieser Stelle als emotional überwältigte Frau dargestellt – neben dem aufgebahrten Leichnam ihres ermordeten Mannes steht und die Choristen fast bewegungslos sitzend diesem Ereignis beiwohnen, macht das statische Tableau sogar von Details wie der Beleuchtung her viel Sinn. Und dann wünscht man sich, die gesamte Produktion könnte eine solche Kraft ausstrahlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gershwin, George: Porgy und Bess

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
EuroArts
2
10.03.2014
158:00
2009
Medium:
EAN:

DVD
880242596383


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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