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Sonntag, 21. Juli 2019

Respighi, Ottorino - Sämtliche Orchesterwerke Vol. 4

Präzise Licht- und Schattenwerte


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zum Abschluss von Francesco La Vecchias CD-Reihe tritt Respighi als Komponist in Erscheinung, der sich intensiv mit Musik der Vergangenheit auseinandersetzte.

Mit der vierten Folge seiner Respighi-Reihe schließt Francesco La Vecchia seine Auseinandersetzung mit einem der innovativsten italienischen Komponisten des 20. Jahrhunderts ab. Der Spätromantiker, der in unseren Breiten vor allem wegen seiner monumentalen sinfonischen Dichtungen zu römischen Themen ('Feste Romane', 'Fontane di Roma' und 'Pini di Roma') Bekanntheit genießt, tritt auf dem Doppel-Album als Komponist in Erscheinung, der sich intensiv mit Musik der Vergangenheit auseinandersetzte.

Etwas akademisch

In seinen drei Suiten 'Antiche danze ed arie per liuto' (1917–1931) rückte Respighi Werke alter Meister wie Simone Molinaro (ca. 1565–1615), Vincenzo Galilei (ca. 1520–1591), Jean-Baptiste Besard (ca. 1567–1617) oder Lodovico Roncalli (1654–1613) in neues Licht. Für Tanzstücke wie Gagliarden und Villanellen entwickelt Francesco La Vecchia zusammen mit dem Orchestra Sinfonica di Roma einen frischen und kernigen Klang, der ausdrücklich auch auf die Vorlagen aus Renaissance und Barock verweist. Bisweilen gerät sein Zugriff jedoch etwas akademisch, und auch in den Momenten pastoraler Nachdenklichkeit und düsterer Stimmungen könnte der Dirigent noch stärker in die Tiefe gehen.

Respighis fünfsätzige Orchestersuite 'Rossiniana' ist da schon eher La Vecchias Sache: In der Hommage an das späte Klavierwerk Gioachino Rossinis lässt der Dirigent den spätromantischen Klangapparat farbenreich schillern und entfaltet das tänzerische Element federnd und stilsicher ('Capri e Taormina'). Das hochkonzentrierte 'Lamento' steigert sich unter La Vecchias Stab mit freiem Atem und romantischer Empfindung zu monumentaler Dramatik, um kurz darauf zu sangbarer Italianità zurückzukehren.

Sensibel ausgedeutete Klangreise

In dem von der Gregorianik inspirierten, vierzigminütigen Klavierkonzert 'Concerto in modo misolidio' (1925) beleuchtet La Vecchia zusammen mit der Pianistin Desirée Scuccuglia souverän das Aufeinandertreffen des archaischen Chorals 'Omnes gentes plaudite manibus' auf die an Liszt erinnernden Tonkaskaden und brillanten Orchestereinwürfe. Dabei beweist die Solistin bei der Entwicklung des Materials Intelligenz, lässt das Klavier glanzvoll auftrumpfen und verführerisch schillern. Das Orchester setzt dazu präzise Licht- und Schattenwerte, um zum Finale energisch und entschlossen an die abschließende Passacaglia zu gehen.

Respighis 'Metamorphoseon modi XII' (1930), in dem der Komponist noch einmal seine ganze Klangzauberei aufbringt, gestaltet La Vecchia als eine ausgesprochen eindringliche, sensibel ausgedeutete Klangreise in herbstlichen Farben. Von den heroischen Gipfeln zu den tiefen Abgründen der Musik, von den irrlichternden Passagen zu den polternden Ausbrüchen, den idyllischen Ruhepunkten und vergeistigten Nebeln – La Vecchia fächert die Kontraste gekonnt auf. Zusammen mit dem Orchester, das sich bei diesem Werk geradezu in Bestform zeigt, macht er das Spätwerk Respighis eindeutig zum interpretatorischen Höhepunkt des Doppel-Albums.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Respighi, Ottorino: Sämtliche Orchesterwerke Vol. 4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
30.08.2013
Medium:
EAN:

CD
5028421943954


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