> > > Strauss, Richard: Sonate für Violine & Klavier op.18
Mittwoch, 19. Juni 2019

Strauss, Richard - Sonate für Violine & Klavier op.18

Kein Aha-Erlebnis


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eher bemüht wirkt das, was die Geigerin Nina Karmon und die Pianistin Maria Sofianska mit Werken von Franz Schubert und Richard Strauss anstellen.

Was an der vorliegenden Produktion aus dem Hause Genuin zunächst reizt, ist die Kombination der beiden eingespielten Werke, denn die Geigerin Nina Karmon und die Pianistin Maria Sofianska haben Franz Schuberts Fantasie C-Dur D 934 aus dem Jahr 1827 der sechs Jahrzehnte später entstandenen Sonate Es-Dur op. 18 von Richard Strauss gegenüber gestellt. Startet man die CD, erlebt man zunächst einmal einen vorsichtigen Beginn des Schubert’schen Werkes: Wie aus dem Nebel heraus schälen sich die tremolierten Pianissimo-Akkorde des Klaviers, über denen die Violine einsetzt und ihre weit geschwungene Melodie entfaltet. Karmon modelliert ihren Ton zurückhaltend, nähert sich aber dann doch immer mehr dem instrumentalen Gesang. Dieser Eingangsteil ist allerdings typisch für die gesamte Wiedergabe des Werkes, denn trotz einiger schöner Momente im Zusammenspiel der beiden Musikerinnen leidet der Vortrag unter einer gewissen Starrheit und macht vom Rubato als Mittel der Gestaltung herzlich wenig Gebrauch.

Bereits im Allegretto-Teil wünscht man sich recht bald einen größeren Reichtum an Kontrasten, der Ansatz des Themas mit seiner Annäherung an einen Tonfall à la Italia wirkt einfach zu unverbindlich, und auch der Fugato-Teil der Durchführung bleibt in seiner Diktion etwas steif. Das Irrlichternde, Ungewohnte von Schuberts Musik – also das, was in diesem Fall die Bezeichnung 'Fantasie' überhaupt erst auf den Plan gerufen hat – verschwindet hinter dem brav musizierten Notentext. Das geht so weit, dass im ausgedehnten Andantino-Abschnitt die Wiederholungen der Variationen so getreu wie möglich repliziert werden, was den Zuhörer einer ziemlichen Geduldsprobe aussetzt und die Frage aufwirft, wo denn hier überhaupt musikalische Gestaltung stattfindet – ein Eindruck, der dann auch durch die Wiederkehr des Eingangsteils und das abschließende 'Allegro vivace' nicht mehr wettgemacht werden kann. Schuberts außergewöhnliches Stück wird leider weit unter seinem Niveau verkauft.

Die Strauss’sche Violinsonate scheint den beiden Musikerinnen viel eher zu liegen: Zumindest an einigen Stellen des Kopfsatzes ist jenes Drängen zu spüren, das man in der Schubert-'Fantasie' vermisst, und insbesondere der langsame, mit 'Improvisation' betitelte Mittelsatz gewinnt durch diese Vorbereitung an atmosphärischen Momenten. Dennoch könnten auch hier die dynamischen Kontraste insgesamt stärker ausmusiziert werden, wie man sich auch einen weniger einheitlichen Zugang der Geigerin wünscht: Zwar setzt sie immer wieder Portamenti zur Gestaltung ein, doch wirken die erregten Stellen der Musik blass, weil Karmon die Tongebung nicht weiter steigern kann und ihr Vibrato überall auf ähnliche Weise einsetzt. Und obgleich die Interpretinnen dann im letzten Satz noch zu einem gemeinsamen emphatischen Tonfall finden, bleibt das Aha-Erlebnis bei dieser Produktion aus.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Sonate für Violine & Klavier op.18

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
07.02.2014
Medium:
EAN:

CD
4260036253108


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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