> > > Tschaikowsky, Pjotr iljitsch: Sinfonie Nr. 4
Freitag, 24. Mai 2019

Tschaikowsky, Pjotr iljitsch - Sinfonie Nr. 4

Auf der Zielgeraden


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch in der vorletzten Folge der Gesamteinspielung von Peter Tschaikowskys Sinfonien begeistert das Gürzenich-Orchester Köln unter der Leitung von Dmitrij Kitajenko mit einer sinnvoll strukrierten, geschlossenen Deutung.

Der Zyklus der Tschaikowsky-Sinfonien des Gürzenich-Orchesters Köln unter der Leitung seines Ehrendirigenten Dmitrij Kitajenko biegt auf die Zielgerade ein. Den bislang veröffentlichten Folgen nach zu schließen, wird diese Gesamteinspielung der Tschaikowsky-Sinfonien nach den hochgelobten Schostakowitsch- und vor allem den Prokofjew-Sinfonien mit diesem Interpretengespann zu einem Gipfel der Tschaikowsky-Diskographie. Nicht zuletzt deswegen, weil Kitajenko sich nicht auf die Sinfonien Nr. 1 bis 6 beschränkt, sondern auch die 'Manfred-Sinfonie' und die rekonstruierte Siebte Sinfonie Es-Dur berücksichtigt – im Kreise der interpretatorischen Achttausender im Tschaikowsky-Gebirge ist das das Alleinstellungsmerkmal von Kitajenkos Gesamteinspielung.

Die vorletzte Folge beinhaltet die Vierte Sinfonie f-Moll op. 36 sowie das 'Capricco Italien' op. 45. Auch hier erweisen sich der Dirigent und das Orchester als berufene Tschaikowsky-Interpreten, wenn auch das Gesamtergebnis nicht ganz so begeisternd ausfällt wie in manch anderem Teil der Serie. Kitajenko setzt auch hier auf strukturelle Durchdringung, Deutlichkeit, Klarheit. Der gesamte Orchesterklang baut auf einem angenehm und unbedingt angemessenen, satten Bassfundament auf und bringt die Stimmen, ohne spitzfingrig zu sezieren, in eine optimale Balance. So werden die Schichtungen in der Kopfsatzdurchführung sinnfällig herausgearbeitet, im Finale lässt es Kitajenko im Schlagwerk ordentlich krachen, sorgt aber dafür, dass dadurch nicht alles überdröhnt wird.

Dmitrij Kitajenko begegnet Tschaikowskys Musik mit klar disponierendem Überblick, aber ohne Kühle. Könnte man bei der gewaltigen Klimax in der Durchführung des ersten Satzes der f-Moll-Sinfonie auf den Gedanken kommen, dieser Ausbruch wirke fast etwas gezähmt, so zeigt der weitere Fortgang dieses weit ausgreifenden Kopfsatzes, dass Kitajenko die größte Steigerung erst am Satzende lokalisiert, dort aber einen umso machtvolleren Höhepunkt eintreten lässt. Die Tempi bewegen sich insgesamt eher im unteren Bereich; das aber verschafft dem blendend agierenden Orchester die Möglichkeit, jede Phrase deutlich und intensiv auszuformulieren.

Eben diese Deutlichkeit geht mit einem Interpretationskonzept Hand in Hand, das in Tschaikowskys Musik nicht die sinnliche Überwältigung sucht, sondern abstrakter angelegt ist – damit aber die Reichhaltigkeit dieser Musik vollauf zur Geltung bringt. So mögen die klanglich präsenten Nachschläge der Begleitung im Seitenthema des ersten Satzes zunächst frappieren, doch wird wenig später deutlich, dass es Kitajenko um die Herausarbeitung rhythmischer und metrischer Konflikte geht, die in der Exposition in ebendiesen Betonungen metrisch eigentlich ‚leichter‘ Taktteile ihren Ausgang nehmen und in der Durchführung dann in komplexen Überlagerungen zugespitzt werden.

Gleichzeitig bleibt diese Deutung nicht blind gegenüber dem von Tschaikowsky aufgebotenen Farbenspiel. So wird das Rascheln der Streicher im Kopfsatz-Seitenthema wunderbar kalt und fröstelnd umgesetzt, die Posaunen begeistern mit kerniger Kraft, Trompeten mit durchdringender Schärfe, Hörner mit dunkler Färbung, die Holzbläser mit biegsamer Kantilene und delikaten Farbtupfern – von dem packenden, kompakten Streicherklang ganz zu schweigen. Dieses mannigfaltige Klangfarbenspektrum ist auf dieser hybriden SACD auch in dynamischer Hinsicht erstklassig eingefangen worden und wird nicht nur in der Vierten Sinfonie, sondern auch im insgesamt recht zahm wirkenden 'Capriccio Italien' klangtechnisch exzellent vermittelt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tschaikowsky, Pjotr iljitsch: Sinfonie Nr. 4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
16.09.2013
EAN:

4260034866713


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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