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Samstag, 25. Mai 2019

Janacek, Leos - Sinfonietta

Heimspiel für Netopil


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Tomas Netopil brilliert mit Janaceks meisterhafter Sinfonietta und drei weiteren Orchesterwerken bei einem "Heimspiel" mit dem Symphonieorchester des Tschechischen Rundfunks.

Leos Janaceks später Karriereschub wirkt noch heute verblüffend. Fast fünf Jahrzehnte lang war er über seine mährische Heimat hinaus kaum bekannt, wirkte vor allem als Pädagoge. Dann gelang ihm 1914 mit der Oper 'Jenufa' der Durchbruch. Janacek, immerhin schon 50 Jahre alt, stürzte sich nun mit dem Elan eines jungen Wilden auf die Arbeit und schleuderte die Meisterwerke geradezu aus sich heraus. In rascher Folge entstanden weitere Opern (unter anderem 'Katja Kabanova' und 'Die Sache Makropulos'), Kammermusik, Klavierstücke und einige Orchesterwerke, darunter auch die berühmte Sinfonietta. Uraufgeführt im Juni 1926 unter Vaclav Talich, ist die Komposition seither das ‚Pflichtstück‘ jedes tschechischen Dirigenten. Tomas Netopil, ab der kommenden Spielzeit Generalmusikdirektor der Essener Philharmoniker, koppelt die Sinfonietta hier mit drei weiteren Stücken aus Janaceks später produktiver Phase: Den Tondichtungen 'Blanik' und 'Des Spielmanns Kind' sowie der Rhapsodie 'Taras Bulba'. Netopil dirigiert das Symphonieorchester des Tschechischen Rundfunks.

Prächtige Blechbläser-Fanfaren prägen die Sinfonietta vor allem in den Ecksätzen, so dass ein entsprechend hochklassiges Orchester hier wirkungsvoll strahlen kann. Die Prager Musiker bleiben dem Werk diesbezüglich nichts schuldig: In allen fünf Sätzen agieren sie hingebungsvoll und präzise. Netopil weiß um die beachtlichen klanglichen und dynamischen Steigerungen der Sinfonietta und kostet sie voll aus. Besonders gut gelingt es ihm, die manchmal fast manisch wirkenden Wiederholungen, die Janacek bisweilen als handwerkliches Defizit ausgelegt wurden, ins Geschehen zu integrieren. Auch die stellenweise spröde, herbe Instrumentation, die sich an kein Lehrbuch hält, darf hier als das erscheinen was sie ist: individuelles Profil eines Tondichters, der gerade durch seine unakademische Schreibweise Wirkung erzielen konnte. Janacek war gewiss kein Meister des kleinen Übergangs, die Kontraste sind oft enorm. Aber gerade das macht die Strahlkraft der Sinfonietta aus, die hier eine erstklassige Interpretation erfährt. Nur beim Klangbild wäre noch ein wenig Luft nach oben gewesen, die Blechbläser dominieren sehr stark (was natürlich auch am Werk selbst liegt) und drängen die anderen Gruppen etwas in den Hintergrund.

Die anderen drei Werke bleiben substanziell etwas hinter der genialen Sinfonietta zurück, auch wenn Netopil und die Musiker ihr Bestes geben. 'Des Spielmanns Kind' ist mit den Streichersoli viel kammermusikalischer geprägt, auch wirkt das Werk düsterer und nachdenklicher. Dieser Stimmungsumschwung gelingt dem Prager Orchester nicht ganz reibungslos, es gibt nun (wenn auch minimale) Balanceprobleme. Die zwischen die Solostreicher geradezu einbrechenden Orchestertutti wirken eine Spur zu heftig. 'Blanik' als kürzestes der vier auf dieser CD vertretenen Werke zeigt Janacek von seiner lyrischen Seite, wohingegen bei 'Taras Bulba' wieder Blechbläser und Pauken triumphieren dürfen. Netopil gelingt es in allen drei Sätzen dieser Orchester-Rhapsodie, das Prager Orchester zu klangmächtiger Entfaltung zu animieren. Beim Klang machen sich hingegen erneut kleinere Defizite bemerkbar. Im akustisch eigentlich exzellenten Prager Rudolfinum erklingt die Aufnahme nicht so gut ausbalanciert wie man es sonst von Supraphon kennt.

Netopil gibt also mit dieser Einspielung eine exzellente Visitenkarte ab, auch wenn alle hier zu hörenden Werke natürlich in anderen Aufnahmen greifbar sind. Insbesondere bei der Sinfonietta hat man die Qual der Wahl, Charles Mackerras hat hier mit den Wiener Philharmonikern Maßstäbe gesetzt, an die Netopil nicht ganz herankommt. Wer aber diese vier Orchesterwerke Janaceks noch nicht kennt, dem sei diese CD wärmstens ans Herz gelegt. Die späten Geniestreiche des Tondichters können hier wunderbar nachvollzogen werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Janacek, Leos: Sinfonietta

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
15.05.2013
EAN:

099925413125


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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