> > > Mendelssohn Bartholdy, Felix: Ein Sommernachtstraum op. 61: Harmoniemusik für Bläserquintett
Sonntag, 25. August 2019

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Ein Sommernachtstraum op. 61: Harmoniemusik für Bläserquintett

Schillernd und detailscharf


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ma'alot Quintett begeistert mit Bläserbearbeitungen von Mendelssohns 'Sommernachtstraum'-Schauspielmusik, eines Streichquartetts und des 'Notturno' in zündenden Arrangements des ensembleeigenen Klarinettisten.

Es scheint kaum eine Musik zu geben, die sich gegen eine Bearbeitung für Bläserensemble mehr zu sträuben scheint als das Streicherflimmern am Beginn der 'Sommernachtstraum'-Ouvertüre von Felix Mendelssohn Bartholdy. Und doch ist es seinerzeit dem Arrangeur Andreas N. Tarkmann gelungen, diese ganz aus den Klangeigenschaften der Streichinstrumente generierte Färbung auf ein Bläserensemble zu übertragen; eine Aufnahme mit den Bläsern der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen legt davon Zeugnis ab.

Nun hat sich Ulf-Guido Schäfer, Klarinettist des Ma’alot Quintetts und bereits mit zahlreichen hochkarätigen Bearbeitungen hervorgetreten, an eine weitere Bearbeitung von Mendelssohns Musik zum 'Sommernachtstraum' op. 61 gemacht – mit größtem Erfolg. Das zeigt eine bei MDG veröffentlichte Einspielung des Ma’alot Quintetts, das neben dem 'Sommernachtstraum' für Bläserquintett noch ein gelungenes Arrangement von Mendelssohns Streichquartett Es-Dur op. 44 Nr. 3 und eine Bearbeitung des 'Notturno' op. 24 enthält. Auch mit diesen Bläserquintett-Versionen zeigt sich Ulf-Guido Schäfer als metiersicherer und feinfühliger Bearbeiter.

Schäfer verzichtet im Gegensatz zu Andreas N. Tarkmann auf die 'Sommernachtstraum'-Ouvertüre und ordnet, die ursprüngliche Abfolge variierend, acht Sätze der Schauspielmusik zu einem dramaturgisch schlüssigen, abwechslungsreichen Ganzen. Das feingliedrige, die Farben der Bläserquintettbesetzung variantenreich einsetzende Arrangement wird von den fünf Bläsern (Stephanie Winker, Flöte; Christian Wetzel, Oboe; Ulf-Guido Schäfer, Klarinette; Volker Grewel, Horn; Volker Tessmann, Fagott) mit in artikulatorischer, dynamischer und agogischer Hinsicht äußerst schattierungsreichem Spiel belebt.

Im ersten Satz 'Intermezzo' bezaubern butterweiche Repetitionen in der Begleitung und ein dynamisch fein gestaffeltes Weiterreichen der motivischen Bausteine; auch das motorische Element wird sehr vital eingefangen. An den ersten Satz bruchlos anschließend gefallen im 'Auftritt der Handwerker' die kecken Akzente, mit denen rustikale Bodenständigkeit vermittelt wird, allerdings ohne jede Derbheit. Der flinke, huschende, schillernde 'Elfenmarsch', ein Höhepunkt dieser 'Sommernachtstraum'-Bearbeitung spielt auf sehr anregende Weise mit der Räumlichkeit: Delikat artikuliert wechselt die Hauptstimme durch die Instrumente von links nach rechts.

Nicht nur hier zahlt sich die detailscharfe Klangtechnik unbedingt positiv aus. Anstatt den homogenen Ensembleklang abzubilden, werden die fünf Stimmen sehr direkt abgenommen; selbst Klappengeräusche sind deutlich hörbar. Das führt zu einem gestochen scharfen, plastischen Klangbild, in dem jedes Instrument exakt ortbar und in seinem dynamischen, artikulatorischen und farblichen Eigenleben präzise von den anderen Stimmen zu unterscheiden ist.

Genau hier zeigen sich die größten Reize dieser Einspielung bzw. des wendigen Interpretationsansatzes des Ma’alot Quintetts: in den feinsinnigen Klangschattierungen, etwa im Hinblick auf die hauchfeine Einbindung des Horns im elfenhaften, schnatternden, grazilen 'Scherzo' oder die zarten Vibrato-Abstufungen des oft auffallend vibratoreduzierten Spiels von Stephanie Winker.

In gleicher Weise überzeugt auch Schäfers Bearbeitung des Es-Dur-Streichquartetts für Bläserquintett, insbesondere in den motivisch-thematischen Auflösungsfeldern und dem raschen Motivaustausch zwischen den Instrumenten in verarbeitenden Passagen. Den nicht selten virtuose Geläufigkeit einfordernden Begleitaufgaben werden die Musiker auf virtuose Weise gerecht; der große Soloauftritt des Horns in der Coda des Kopfsatzes wie auch die Staccato-Ranken der Flöte um das Hauptthema in der Reprise desselben Satzes gelingen vortrefflich. Auch das locker-flirrende Elfenspiel des Scherzos wird wunderbar schwebend in Klang umgesetzt. Die größte Überraschung der Streichquartett-Bearbeitung ist vielleicht das 'Adagio non troppo', in dem die Musiker des Ma’alot Quintetts große Steigerungsbögen zeichnen. Man kann sich an diesem wunderbar feingliedrigen Spiel fast berauschen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mendelssohn Bartholdy, Felix: Ein Sommernachtstraum op. 61: Harmoniemusik für Bläserquintett

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
19.10.2012
Medium:
EAN:

CD
760623176628


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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