> > > Gernsheim, Friedrich: Violinsonaten Nr. 1-4
Samstag, 24. August 2019

Gernsheim, Friedrich - Violinsonaten Nr. 1-4

Lohnenswerte Entdeckung


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Stefan und Andreas Kirpals Ersteinspielung der Kompositionen für Violine und Klavier von Friedrich Gernsheim sind eine echte Entdeckung.

Ein kurzer solistischer Einsatz, eine Kantilene, die sich nach oben zu schwingen beginnt, dann folgt das Klavier mit streng gemessenen Akkorden in der tiefen Lage nach. So beginnt Friedrich Gernsheims 'Introduktion & Allegro appassionato' op. 38, eine von insgesamt sieben Kompositionen, die auf dieser Doppel-CD von Brilliant Classics versammelt sind. Die Einspielung von Stefan Kirpal (Violine) und Andreas Kirpal (Klavier) vereinigt Ersteinspielungen und ist ein Glücksfall, macht sie doch gleich der im Vorjahr veröffentlichten Produktion mit den Klavierquartetten Nr. 1 und Nr. 3 auf die Arbeiten eines Romantikers aufmerksam, der bislang nur wenig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen ist. Zwar stößt Gernsheim, wie Christian Starke in seinem einführendem Booklettext zu Recht betont, mit seiner Musik ‚keine neuen Türen auf‘, verarbeitet aber auf hohem Niveau die musikalischen Strömungen seiner Zeit – insbesondere den Einfluss von Johannes Brahms – und hat allein schon aufgrund seiner ausgedehnten Lebensspanne (1839-1916) ein beachtlich vielfältiges Œuvre hinterlassen. Dass dies auch qualitativ schwergewichtig ist, verdeutlichen die hier eingespielten Kammermusikwerke für Violine und Klavier, die von einer außergewöhnlich genauen Reflexion der klanglichen Schwierigkeiten dieser Besetzung durchdrungen sind.

Schon die eröffnende Komposition op. 38, das melodisch weit ausholende Fantasiestück op. 33 und das schlichte 'Andante' o. op. aus dem Jahr 1853 weisen einen überraschenden Gedankenreichtum auf, den die Gebürder Kirpal exzellent herauszuarbeiten wissen. Doch vor allem in den vier musikalisch sehr abwechslungsreichen Sonaten laufen die beiden Musiker zur Höchstform auf: Andreas Kirpal ist sorgfältig auf Spannungsbögen und möglichst atmosphärische Gestaltung des Klaviersatzes bedacht und ordnet sich mit weichem Anschlag musikalisch dem Violinpart unter. Dieser ist, technisch rundum überzeugend, von einer schön geformten, facettenreich abgetönten und mit leichten Portamenti durchwirkten Kantabilität bis in die höchsten Lagen geprägt, die in melancholischen Sätzen wie dem Kopfsatz der Sonate Nr. 1 c-Moll op. 4 zu schwermütigen Momenten findet, daneben aber auch einen schwärmerischen Tonfall wie jenen des nachfolgenden 'Allegro scherzando' trifft. Die Brüder musizieren – exzellent aufeinander eingespielt – mit auffallendem Hang zu Zäsuren, trugschlüssigen Verzögerungen, agogischen Schwankungen oder den Charakter der Musik beeinflussenden Übergängen, was ihrem Vortrag eine stark narrative Komponente verleiht und ihn ebenso gut nachvollziehbar wie einprägsam macht.

Die eindringlichsten Momente entstehen daher gerade dort, wo Gernsheim die musikalischen Charaktere rasch aufeinander folgen lässt oder ineinander verschachtelt und dadurch das Gestaltungsvermögen des Duos geradezu herausfordert: etwa im Kopfsatz der Sonate Nr. 2 C-Dur op. 50 (in dem das ruhigere erste Thema zudem ganz wunderbar entfaltet und allmählich vom zurückhaltenden Lyrismus des Beginns bis zu den weitaus emphatischer formulierten Schlusspassagen geführt wird), im teils entspannten, teils markanten Finale der Sonate Nr. 3 F-Dur op. 64 oder in dem durch Überlagerung unterschiedlicher rhythmischer Werte unruhig stockenden und harmonisch vagierenden Klagetonfall des 'Andantino dolente'-Satzes aus der Sonate Nr. 4 G-Dur op. 85. Was trotz alldem nicht ganz überzeugt, ist die klangliche Balance der beiden Instrumente: Die Violine wirkt – bei gelegentlich leicht gepresster Schärfe in den energischer musizierten Passagen – ein wenig zurückgenommen und kann sich nicht vollständig entfalten, so dass sie gegenüber dem Klavier weniger Präsenz entfaltet und gelegentlich sogar etwas dumpf wirkt. Das ist zwar schade, sollte aber kein Hinderungsgrund sein, um sich diese lohnenswerte CD einmal genauer anzuhören.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gernsheim, Friedrich: Violinsonaten Nr. 1-4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
29.06.2012
Medium:
EAN:

CD
5028421944036


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