> > > Weber, Carl Maria von: Der Freischütz: Semperoper Edition Vol. 5
Sonntag, 21. April 2019

Weber, Carl Maria von - Der Freischütz: Semperoper Edition Vol. 5

Dresdner Juwel


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wer einen richtig guten 'Freischütz' im Regal stehen haben möchte, der zudem über spannende Bonus-Tracks und ein umfangreiches und spannendes Booklet verfügt, dem sei dringend zum Kauf dieser Veröffentlichung geraten.

Für Liebhaber und Sammler historischer Opernaufnahmen ist der Dresdner 'Freischütz' unter der Leitung von Rudolf Kempe mit Bernd Aldenhoff und den Dresdner Stars Elfride Trötschel und Kurt Böhme schon lange kein Geheimtipp mehr. Doch anscheinend kursierte diese Rundfunkproduktion auf diversen Piratenlabels immer unter dem falschen Entstehungsdatum, dem Oktober 1949. Wie die sorgfältige Neuedition dieses Dresdner Juwels inklusive der Dialoge beim Label Profil Edition nun lehrt, stammt die Produktion aus dem Weber-Jahr 1951, dem 125. Todestag des Komponisten. Erste Stereo-Versuche machen diesen 'Freischütz' zum einem noch lebendigeren Erlebnis als er ohnehin schon ist; die deutlich verbesserte Tonqualität dieser Wiederveröffentlichung ist ein wahrer Genuss.

Zugegebenermaßen muss man sich vergegenwärtigen, dass die Art, Dialoge zu sprechen oder auch sich beim Singen zu artikulieren, wesentlich manierierter und altmodischer daherkommt, als man es von neueren Aufnahmen vielleicht gewohnt ist. Bei den emotional aufgeladenen Dialogen schleicht sich somit schnell ein Schmunzeln ins Gesicht des Zuhörers, besonders wenn Bernd Aldenhoff seine Standpunkte mit tenoralem Sprachglanz vertritt oder Irma Beilke soubrettig auf quietsch-lebendig getrimmt ist. Aber das sind charmante Nebenerscheinungen dieser ansonsten glanzvoll besetzten und restlos stimmigen 'Freischütz'-Aufnahme.

Die Sängerriege liest sich wie das Who-is-Who der deutschen Opernszene der Nachkriegszeit, und doch handelt es sich lediglich um das fürstliche Ensemble der Dresdner Semperoper zu einer Zeit, als man noch Ensembletheater pflegte. Genau dieser Umstand macht jene Rundfunkproduktionen oder Livemitschnitte der damaligen Zeit so faszinierend, weil ein vollkommen aufeinander eingespieltes Ensemble agiert und sich kollegial die Bälle zuwirft. Die musikalische Homogenität und das künstlerische Einverständnis aller Beteiligten sind mit Händen zu greifen.

Der Siegfried von Bayreuth und München, Bernd Aldenhoff, gibt sich in diesem 'Freischütz' die Ehre als kraftvoller Max mit strahlender Höhe und melancholisch verschattetem Grundton. Der Kaspar vom Dienst ist Kurt Böhme, der diese Partie mehrmals im Studio eingespielt hat. Es ist besonders eindrücklich, mit welcher Dämonie er den Jägerburschen ausstattet, und doch blitzt ein Quäntchen Spieloperngeist durch die Charakterstudie. Eine passende Mischung, die so nur noch einem Gottlob Frick gelingen konnte.

Elfride Trötschels Agathe

Bei Irma Beilke ist das Ännchen in bewährten Soubrettenhänden, die ordentlich zugreifen können und es gibt wohl neben Elisabeth Grümmer keine menschlichere und ergreifendere Agathe jener Zeit als Elfride Trötschel. 'Leise, leise, fromme Weise' lässt dem Hörer den Atem stocken, und die Kavatine rührt schlichtweg zutiefst. In weiteren Partien sind Werner Faulhaber als Kuno – laut Beiheft ist Faulhaber in Dresden auch als Kaspar zu erleben gewesen –, Karl Paul als Ottokar und Hans Kramer als Eremit zu erleben. Die angehängten Bonus-Tracks auf der dritten CD – dieser 'Freischütz' benötigt aufgrund des Bonusmaterials drei CDs – beinhalten Ausschnitte aus der 'Freischütz'-Aufnahme von 1944 aus Dresden unter Karl Elmendorff, wiederum mit der herrlichen Elfride Trötschel, damals noch als Ännchen, Margarete Teschemacher als Agathe, Lorenz Fehenberger als Max und schon damals Kurt Böhme als Kaspar.

Mit der Staatskapelle Dresden und dem Chor der Staatsoper Dresden stehen dem Dirigenten Rudolf Kempe zwei erstklassige Klangkörper zur Verfügung. Allein die warm tönenden Blechbläser zu Beginn der Ouvertüre sind die Anschaffung dieses Mitschnitts wert. Das treffende Dirigat von Kempe begeistert in seiner Tiefe und Konsequenz noch heute.

Wer neben der obligatorischen Keilberth-Aufnahme der EMI einen richtig guten 'Freischütz' im Regal stehen haben möchte, der zudem über spannende Bonus-Tracks und ein umfangreiches und informatives Booklet verfügt, dem sei dringend zum Kauf dieser Veröffentlichung geraten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Weber, Carl Maria von: Der Freischütz: Semperoper Edition Vol. 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Profil - Edition Günter Hänssler
3
11.06.2012
EAN:

881488100327


Cover vergössern

Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Profil - Edition Günter Hänssler:

  • Zur Kritik... Nüchterner Bruckner: Das WDR Sinfonieorchester Köln und sein Chefdirigent Jukka-Pekka Saraste widmen sich eingehend Bruckners Achter Sinfonie. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Vokal perfekt: Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden führten im Jahr 2014 in einem Gedenkkonzert Verdis Requiem mit hervorragenden Solisten auf. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Wenig Rares: Am Pult steht Lorin Maazel. Doch bis auf eine seltene Ausnahme legt das Label Profil Hänssler hier nur rechtefreie Zweitverwertungen vor. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Profil - Edition Günter Hänssler...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Blutarme Rarität: Nun kann man preiswert Johann Simon Mayrs 'I Cherusci' hören und die hauseigene Mayr-Bibliothek erweitern. Lust auf eine Wiederholung oder gar szenische Wiederbelebung dieser Opernrarität macht die Einspielung aber nicht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Sensationelle posthume Uraufführung: Jörg Halubek, Il Gusto Barocco und ein blendend aufgelegtes Ensemble lassen ihrer Begeisterung für Heinichens vergessene Oper 'Flavio Crispo' freien Lauf und stecken den Hörer mit ihrer Spielfreude und ihrem Können an. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Begrenzte Ausdrucksmittel: Olga Peretyatko ist bei Sony mit einem neuen Soloalbum zurück, dessen Programm sich spannender liest, als die Arien am Ende klingen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Verdienstvoll: Dieser dritte Teil der interessanten Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner erfreut: Dessen kompositorische Stimme immer weiter zu stärken, so wie Florian Heyerick das mit seinem Ensemble Ex Tempore tut, ist höchst verdienstvoll. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Wenig Emotion, Glanz und editorische Sorgfalt: Die um 1700 erstmals publizierte, in ihrem Umfang übersichtliche Cembalo-Musik dieser beiden Organisten, die am Hofe des Sonnenkönigs Louis XIV tätig waren, ist bereits in exzellenten Aufnahmen präsent, mit denen Yago Mahugo kaum konkurrieren kann. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Große Erzählung: Ralf Otto macht diese Produktion zu einem echten Erlebnis, zwischen theologischem Diskurs und Trauerspiel. Eine unbedingt hörenswerte, in ihrer textverständlichen Natürlichkeit eindrückliche Matthäus-Passion. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich