> > > Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 4 in Es-Dur & Sinfonie Nr. 5 in B-Dur
Montag, 17. Juni 2019

Bruckner, Anton - Sinfonie Nr. 4 in Es-Dur & Sinfonie Nr. 5 in B-Dur

"Deutsche Geisteswelten"


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dies sind grundsolide, klanglich herausragende Bruckner-Darstellungen. Ihre Zeitgenossenschaft verleugnen sie jedoch nicht.

Man möchte Karl Böhm für einen berufenen Bruckner-Dirigenten halten: Der musikalischen Idiomatik nach ist er in österreichischen Traditionen verwurzelt. Sein rigoroses, etwas schulmeisterliches Taktieren begünstigt klare rhythmische und klangliche Konturen, weitab verweichlichenden Rubatos. Ähnlich vorteilhaft scheint die Neigung zu mittleren, konsequent durchgehaltenen Tempi. Sogar die Wagner-Aufführungen Böhms zeigen (nach dem Maß der sechziger Jahre) verblüffende nüchterne Klassizität – welche Nüchternheit, nicht nur bei Wagner, hausbacken und uninspiriert scheinen kann. Celibidache schimpfte Karl Böhm einen ‚Kartoffelsack‘, der ‚noch keinen einzigen Takt Musik‘ dirigiert habe – unter Celibidaches Prämissen eine zutreffende Charakterisierung. Sie dürfte zumal auf die Bruckner-Platten gemünzt sein. Diese zeigen ein uneinheitliches Bild und haben selbst Freunden Karl Böhms wenig Eindruck gemacht. Darüber hinaus ist die unverbesserlich urbane Vortragsweise der Wiener Philharmoniker gewiss nicht nach jedermanns Bruckner-Geschmack.

Von Böhm zu Thielemann

Nun sind im Rahmen der ‚Edition Staatskapelle Dresden‘ (Edition Günter Hänssler) zwei Bruckner-Aufnahmen Böhms aus den Jahren 1936 und 1937 erschienen. Böhm war 1934, in Nachfolge des aus Deutschland verjagten Fritz Busch, zum Leiter der Semperoper und deren Orchesters, der Sächsischen Staatskapelle, aufgestiegen. Er erwies sich als eilfertiger Diener der neuen Herren im Lande und sollte bis zum Ende seines Lebens keine Reue zeigen.

Weil Böhms Dresdner Jahre kaum dokumentiert sind, kommt diesen Aufnahmen der Vierten und Fünften Sinfonie einiger diskographischer Wert zu. Das Booklet versäumt nicht, den Bogen zum Dresdner Chefdirigenten unserer Tage, Christian Thielemann, zu schlagen. Dieser hatte sich mit Bruckners Achter und großem Aplomb in Dresden eingeführt. Beide, Thielemann wie Böhm, gewährleisteten, so das Booklet, vergleichbar ‚hohe Konzentration des Musizierens‘. Im Übrigen neigen beide Robert Haas’ Bruckner-Bearbeitungen zu. Diese werden vom Cover vollmundig als ‚Originalversionen‘ deklariert. Böhms Dresdner Aufnahmen firmieren als deren ‚erste Gesamteinspielungen‘. Auch gibt das Booklet – kommentarlos – einen ‚Beitrag‘ Haas’ ‚für das Programmheft zum Zweiten Leipziger Brucknerfest 1940‘ wieder. Darin lobt sich der leidenschaftliche Nationalsozialist selbst: ‚[…] eine der gigantischsten deutschen Geisteswelten, die vor ein paar Jahren noch nahezu rettungslos verschüttet schien, ist nun dem fast sicheren Untergang entrissen und strahlt bei jeder Aufführung im tönenden Glanz ihres neu erweckten Lebens.‘ Wohlgemerkt: Das Booklet enthält auch seriöse Artikel mit ‚Ergebnissen der heutigen Bruckner-Forschung‘. Dennoch verblüfft, dass Haas’ Ergüsse wie selbstverständlich und unkommentiert abgedruckt werden.

Markant bis markig

Was die musikalische Seite betrifft, so verzichtet Karl Böhm auf exzessive Temposchwankungen, wie sie von Furtwängler vertraut sind, dem Bruckner-Sinfonien zu formlosen Klangballungen zerfließen können. Dennoch nimmt sich Böhm allerlei Freiheiten. Die scheinbar unvermeidliche Verbindung von Crescendo und Accelerando begegnet auch hier. Die Ausdruckshaltung ist episierend und monumental. In Erinnerung bleiben ausgedehnte Forte-Strecken, die den Hörer düster dräuend überrollen. Markante Rhythmen des Schlagwerks werden, so im Andante der Vierten, markig, beinahe marschhaft herausgemeißelt. Im Kopfsatz der Fünften herrschen große, trotzige Gesten und rauschhafte Aufschwünge vor. Das Choral-Thema des Blechs wird triumphal, geradezu selbstherrlich ausphrasiert, dynamische Kontraste sind ins Extrem getrieben. Im breiten Tempo kommt der Fortgang der sinfonischen Entwicklung mehr als einmal ins Stocken. Noch das Gesangsthema der Streicher im 'Adagio' tönt wuchtig, beinahe aggressiv. Wer um die Zeitumstände dieser Aufnahmen weiß, wird ein gewisses Unbehagen empfinden.

Unheimlich wohltönend

Die Tonqualität ist vorzüglich. Von Aufnahmen der dreißiger Jahre ist solche Raumsuggestion, Ortung und Fülle nicht zu erwarten. Die Timbres einzelner Instrumentengruppen werden deutlich unterschieden, Artikulation und Stricharten genau wiedergegeben. Pizzicati nehmen sich teilweise zarter und spitzer aus als auf Stereo-Platten. Die – für Verhältnisse eines Opernhauses – hallreiche, klangvolle Akustik der Semperoper trägt einen nicht geringen Teil zur staunenswerten Klangqualität dieser – auch aus anderen Gründen – unheimlichen Einspielungen bei.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 4 in Es-Dur & Sinfonie Nr. 5 in B-Dur

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
16.01.2012
EAN:

881488902556


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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