> > > Forner, Johannes: Ludwig van Beethoven - Die Klaviersonaten
Sonntag, 21. April 2019

Forner, Johannes - Ludwig van Beethoven - Die Klaviersonaten

Fundierte Werkschau


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Johannes Forners Einführung in einen der Eckpfeiler des Werkes Ludwig van Beethovens zeigt in verständlicher Sprache in Einzelbetrachtungen Beethovens kompositorische Entwicklung von den frühen Kurfürstensonaten bis zum Spätwerk auf.

Was ist nicht alles schon über Ludwig van Beethovens Klaviersonaten geschrieben worden. Da gibt es Werkbeschreibungen von Pianisten wie Andras Schiff oder Paul Badura Skoda und von Musikwissenschaftlern bzw. -kritikern wie Siegfried Mauser oder Joachim Kaiser, es gibt Werkanalysen, Darstellungen zur Harmonik, Metrik oder Form, zur Editionsgeschichte und sogar zur Pedalisierung.

Nun also ein neues Buch von Johannes Forner, inzwischen emeritierter Professor für Tonsatz, musikalische Analyse und Musikgeschichte an der Leipziger Musikhochschule. Aber keine Angst: Es handelt sich nicht um ein weiteres Werk in musikwissenschaftlichem Fachjargon, es soll als Einführung in die Materie der 35 Klaviersonaten Beethovens dienen und wendet sich an ‚Freunde Beethovenscher Klaviersonaten und all jene, die es werden wollen‘, womit der Autor Amateure genauso meint wie Studierende oder Musiklehrer. Das Buch basiert unter anderem auf Arbeiten für die eigenen Vorlesungen und für Programmhefte im Zusammenhang mit einer zyklischen Aufführung der Sonaten durch den Pianisten A. Meinel.

Zum Inhalt

Nach einer Einführung mit einem Nebenschwerpunkt auf den Variationswerken Beethovens, die im Buch allerdings nicht besprochen werden (womit aber auf die variierenden Techniken bei Beethoven als Gegenstück zu den durchführenden hingewiesen wird) und einem kurzen Abriss über die Entstehung und Definierung der klassischen Formschemata (z. B. Sonatenhauptsatz) geht es ans Eingemachte. Alle Sonaten werden einzeln besprochen, angefangen von den sonst oft weggelassenen ‚Kurfürstensonaten‘ ohne Opuszahl, über all die bekannten, mit (meist nicht vom Komponisten stammenden) Titeln versehenen Sonaten wie ‚Pathéthique‘, ‚Mondschein‘, ‚Waldstein‘, ‚Appassionata‘, ‚Les Adieux‘ oder die ‚Hammerklaviersonate‘, aber natürlich auch die Sonaten ohne Titel, bis zum krönenden Spätwerk. Dabei geht J. Forner zunächst auf die Entstehung ein, streift Anekdoten und Geschichten, etwa über die vielen Widmungsträgerinnen oder die Entstehung der Namen der Stücke, stellt Beziehungen zu gleichzeitig entstandenen anderen Werken her, geht auf die Erweiterung des Ambitus durch neu entwickelte Instrumente ein oder beschreibt die Wirkung der Sonaten auf seine Zeitgenossen.

Natürlich kommt J. Forner auch nicht ohne Analysen aus, die er aber auf das Nötigste reduziert, nur um die Zusammenhänge und Entwicklungsstränge aufzuzeigen, die ihm wichtig sind. So können wir mitverfolgen, wie Beethoven, ausgehend von der Musik- und Formensprache seines Lehrers J. Haydn in den ‚Kurfürstensonaten‘, sich immer mehr von diesen Schemata löst und ihre Inhalte stark erweitert, die Klaviersonate zu orchestralen Dimensionen führt wie in der ‚Pathétique‘ oder später in der ‚Appassionata‘, quasi improvisierend neue Formen (romantische Stimmungsbilder) einführt wie in den Sonaten op.27, den ‚klassischen‘ Themenbegriff auflöst in op.31 (‚neue Manier‘), seinen Schwerpunkt immer mehr auf die Außensätze (und später das Finale) verlagert (vor allem ab der ‚Waldsteinsonate‘) und zunehmend zu einem Stil findet, in dem sich Elemente der klassischen Formen noch finden lassen, das Material aber die Form bestimmt und nicht umgekehrt, und so sehr individuelle, charakteristische, einmalige Lösungen entstehen (Spätwerk). Das Besondere jeder Sonate in dieser Entwicklung zeigt J. Forner in auch für Nicht-Musikwissenschaftler verständlicher Sprache auf, unterstützt von zahlreichen Notenbeispielen und mit einem Glossar am Ende des Buches, in dem die wichtigsten musikalischen Begriffe kurz und treffend erläutert werden. Was fehlt, ist ein Literaturverzeichnis, in dem man weiterführende Bücher findet, wenn man durch die Lektüre Lust darauf bekommen hat. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt.

Ansonsten nimmt J. Forner den Leser durch seine eigene Begeisterung für diesen Eckpfeiler im Werk Beethovens (selten habe ich so viele Superlative gelesen wie in diesem Buch) gefangen und versucht seine Faszination für diese Werke in Worte zu fassen, wobei, nach seiner Aussage, die Sprache an ihre Grenzen kommt. Wer sich also über die Klaviersonaten Beethovens informieren will und nicht schon eines der vielen ähnlichen Bücher im Regal stehen hat, ist mit diesem Buch bestens bedient.


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    Forner, Johannes: Ludwig van Beethoven - Die Klaviersonaten

Label:
Anzahl Medien:
Querstand
1
EAN:
9783930550838

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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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