> > > Duo Riul - Werke für Klarinette & Klavier: von Brahms, Berg, Debussy u.a.
Sonntag, 21. April 2019

Duo Riul - Werke für Klarinette & Klavier - von Brahms, Berg, Debussy u.a.

Beflügelte Musik


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Deutsche Musikwettbewerb fördert zwei seiner Preisträger. Das Duo Riul hat das wohl kaum nötig, durch seine leichtfüßigen, unverbrauchten Interpretationen hingegen mehr als verdient.

An den Preisträgern des Deutschen Musikwettbewerbs bleiben eine Unzahl an weiteren Preisen und Auszeichnungen kleben; der Erfolg generiert gewissermaßen weitere Erfolge: Die Teilnehmer kommen nicht einfach aus dem Nirgendwo, sondern sie wachsen mit mehr und mehr Erfahrung in ihr Musikerdasein hinein wie wenige Menschen sonst. Sind sie einmal dort angekommen, ist ihrem Spiel meist eine große Selbstverständlichkeit zu eigen. Vor diesem Hintergrund lässt sich am besten verstehen, was das Duo Riul, bestehend aus Sebastian Manz, Klarinette, und Martin Klett, Klavier, hier darbietet: Ihre Einspielung vielfältiger Werke der Klarinettenliteratur ist nahezu perfekt, doch das fällt kaum auf, da alles so leichtfüßig klingt, als wäre es ‚einfach‘: hohe Kunst, aber vollkommen unprätentiös dargeboten.

Das Programm, so geben es die Interpreten im Booklet kund, wurde im Hinblick auf eine Konzertdramaturgie erdacht. Demnach fungiert das erste Stück als Eröffnung und Vorstellung der Interpreten und in diesem Sinne kommt es auch an. Bei Witold Lutoslawskis 'Five Dance Preludes' handelt es sich um ein sehr lebhaftes Stück voller Kontraste, das vom Duo Riul schwerelos und ohne Pathos in den langsamen Sätzen dargeboten wird. Eine schlanke Interpretation, die auch im Folgenden durchweg präsent sein wird, ist hier bereits voll ausgeformt. Das Werk wirkt im Ganzen lediglich etwas kühl. Mit den Vier Stücken op. 5 von Alban Berg wird eine ganz andere Richtung eingeschlagen: Es gibt hier kein Zuviel an musikalischer Information und demensprechend sitzt jede noch so kleine Geste, die die Klarinette vom Klavier annimmt oder an es zurückgibt. Gerade im dritten Stück zeigt das Duo seine Qualitäten im punktgenauen Zusammenspiel, während in den anderen Stücken vor allem die abgerundete Tongebung von Sebastian Manz zu würdigen wäre. Im letzten Stück schließlich breiten sich Klänge, die die Verwerfungen der Moderne bereits erahnen lassen, flächig aus, brechen in kleinste Eruptionen aus und verschwinden dann auf unscheinbare Art und Weise, so als ob nie etwas geschehen wäre. Genau an diesem Punkt steigt die 'Première Rhapsodie' von Claude Debussy ein. Was den Namen des Duo Riul anbetrifft, so ist dieses Stück die ideale Verkörperung von dessen Bedeutung: Das koreanische Wort ‚Riul‘ bedeutet Gesetz, Rhythmus oder fließende melodische Linie. Bei Debussy herrscht die Linie vor, der Rhythmus erscheint dagegen suspendiert. Manz artikuliert Erstere makellos und fügt sie nahtlos aneinander, sodass das ganze Stück sich in einem großen Spannungsbogen entfalten kann. Der Abschluss gerät funkensprühend und wirkt weniger kühl als noch bei Lutoslawski.

In Isang Yuns 'Riul' zeigt Sebastian Manz eine andere Seite der Klarinette: hoch und schneidend, aber nicht schrill, sondern in jedem Moment virtuos-beherrscht. Martin Klett zeigt sich hier, wie überhaupt durchgehend, als kongenialer Partner, der seinem Instrument mühelos die vielfältigsten Klangwirkungen entlockt. Das Stück zeigt exemplarisch, wie gut das Zusammenspiel des Duos auch in den schwierigsten Situationen funktioniert.

Kernstück der Einspielung ist die Sonate op. 120/1 von Johannes Brahms. Das fordernde Werk, welches in vielen Interpretationen schon im ersten Satz an Zugkraft verliert, ist ein weiteres Musterstück eines unangestrengten, schlanken Klangs. Gerade im zweiten Satz ist das gut hören: Hier wird das Tempo allzu oft verschleppt, doch das Gegenteil passiert hier. Trotzdem spielen Manz und Klett den Satz sehr ruhig, aber eben ohne jegliche Hast. Das Ende der Sonate gerät dann wieder sehr abwechslungsreich und lebhaft, die CD endet hingegen mit dem unscheinbaren 'Petite pièce'. Ein passender Ausklang, ebenso unprätentiös wie die ganze Einspielung.

Wer das Klarinettenrepertoire schätzt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Dazu erhält man ein Booklet, welches eine angenehme Seite des Deutschen Musikwettbewerbs zeigt: Die Protagonisten dürfen in einem Interview selbst zu Wort kommen, welches die übliche musikwissenschaftliche Abhandlung zu den dargebotenen Werken ersetzt. Klanglich ist überhaupt nichts zu beanstanden, sodass man die uneingeschränkte Empfehlung ohne Mühe aussprechen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Oliver Schulz,


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    Duo Riul - Werke für Klarinette & Klavier: von Brahms, Berg, Debussy u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
18.02.2011
EAN:

4260036251982


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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