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Dienstag, 21. Mai 2019

Villa-Lobos, Heitor - Komplette Solo-Stücke

Makellose Grifftechnik


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Frank Bungarten erweist sich mit seiner Einspielung des Gesamtwerkes für Sologitarre von Villa-Lobos als gewissenhafter Künstler.

Das Oeuvre des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos ist mit über 1000 Werken eines der größten der gesamten Musikgeschichte. Winzig klein im Verhältnis dazu ist das Repertoire, das der Komponist für die klassische Gitarre hinterließ. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Villa-Lobos selbst ein durchaus versierter Gitarrist war. Drei Zyklen und ein Einzelstück machen das Gesamtwerk aus, das auf eine einzelne CD passt: Die 'Suite Populaire Brésilienne' entstand zwischen 1908 und 1912. 1920 begann Villa-Lobos seine Serie von 'Choros' mit einer Komposition für Gitarre. Vier Jahre später traf er in Paris auf Andrés Segovia. Für den legendären Gitarrenvirtuosen, zu dem sich eine innige Freundschaft entwickelte, schrieb er seine '12 Etudes'. Die 'Cinq Préludes' wurden schließlich 1940 veröffentlicht. Zusammen gehören diese insgesamt 23 Werke zu den meistgespielten Gitarrenkompositionen des 20. Jahrhunderts. Und das zu Recht, denn Villa-Lobos’ Gitarrenwerke sind extrem fordernd, aber auch ausgesprochen dankbar für den ausführenden Instrumentalisten. Villa-Lobos wusste eben genau um die Möglichkeiten seines Instrumentes und war darauf bedacht, dessen Grenzen auszuweiten.

Schimmernde Akkorde

Frank Bungarten erhielt 1981 aus der Hand von Andrés Segovia den Ersten Preis des zu Ehren des Altmeisters in Granada abgehaltenen Wettbewerbs. Inzwischen hat sich der gebürtige Kölner selbst einen Ruf als hervorragender Gitarrist erarbeitet. Mit seiner Einspielung des Gesamtwerkes für Sologitarre von Villa-Lobos erweist er sich als gewissenhafter Künstler: Für die Aufnahme hat er gründlich die Manuskripte des Komponisten studiert und äußert sich im Booklet-Text fundiert zu Geschichte und Kontext der Werke. Nicht nur in den heiklen 'Etudes' glänzt Bungarten durch makellose Grifftechnik der linken Hand und einen äußerst kontrollierten Anschlag sowie volltönende Tongestaltung. Auch die 'Préludes' klingen bei ihm geschmeidig und elegant. Immer wieder lauscht der Gitarrist einzelnen Harmonien nach und feilt an sinnlichen Kantilenen und golden schimmernden Akkorden. Bungarten verliert die inneren Zusammenhänge der Musik für keine Sekunde aus den Augen. In diesem Sinne ist sein Ansatz zutiefst klassisch und kommt ganz ohne schmalziges Vibrato und übertriebenes Pathos aus. Das sorgt für Klarheit, wirkt jedoch an entscheidenden Stellen immer wieder etwas unterkühlt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Villa-Lobos, Heitor: Komplette Solo-Stücke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
24.09.2010
EAN:

760623162966


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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