> > > Wagner, Richard: Rienzi, der letzte der Tribunen
Montag, 27. Mai 2019

Wagner, Richard - Rienzi, der letzte der Tribunen

Im Führerbunker


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die historische Belastung von Wagners 'Rienzi' durch das "Dritte Reich" wurde 2010 zum Ausgangspunkt für die Inszenierung, die Philipp Stölzl an der Deutschen Oper Berlin realisierte.

Dass Hitler behauptete, eine Aufführung des 'Rienzi', die er als Heranwachsender in Linz gesehen habe, wäre der Auslöser für seine politischen Ambitionen gewesen, verschaffte Wagners frühem Werk im NS-Staat Hochkonjunktur. Diese historische Belastung des Stoffes wurde 2010 zum Ausgangspunkt für die Inszenierung, die Philipp Stölzl an der Deutschen Oper Berlin realisierte. Zu den Klängen des Vorspiels, das im ‚Dritten Reich‘ propagandistisch ausgeschlachtet wurde, lässt der Regisseur von Filmen wie ‚Nordwand‘ den Titelhelden wie Charlie Chaplin in ‚Der große Diktator‘ ein groteskes Ballett tanzen. Kein Zweifel: Rienzi ist Hitler, ein Verführer, der das römische Volk mithilfe endlos flimmernder Wochenschau-Bilder in seinen Bann zieht. Schon bald wird aus den Römern, die anfangs noch an die farbigen Figuren eines Otto Dix erinnern, eine gleichgeschaltete Masse schwarz Uniformierter. Kein Wunder, dass der Untergang hier nicht im brennenden Kapitol stattfindet, sondern im Führerbunker, wo Rienzi gerade eben noch von Albert Speers monströsen Germania-Phantasien schwärmte.

Im ständigen Blick auf den Massenmörder

So wichtig diese Auseinandersetzung mit der Rezeptionsgeschichte der Oper ist, so schwierig wird im ständigen Blick auf den Massenmörder Hitler eine differenzierte Sicht auf Wagners Titelfigur. Dass Stölzls Konzept dennoch nicht kippt, liegt an der großen Sängerpersönlichkeit von Torsten Kerl. Gesanglich wie schauspielerisch bringt er alle Voraussetzungen mit, die es für die Rolle braucht. Mühelos schwingt er sich hoch zu gleißenden Spitzentönen und hat auch am Ende der Oper noch genügend Kraftreserven, um den Ohren mit eleganten Verzierungen und samtenen Zwischentöne zu schmeicheln. Die Glanznummer 'Allmächtiger Vater', die Wagner ans Ende der Oper platzierte, singt er mit lyrischer Linienführung, ernster Innbrunst und großer Empfindsamkeit. So einen eleganten Heldentenor hat man auf internationalen Opernbühnen schon lange nicht mehr gehört.

Souverän gedeutet

Rienzis Schwester Irene hat in dieser Inszenierung eine inzestuöse Beziehung zu ihrem Bruder und sieht aus wie eine Kreuzung aus Magda Goebbels und Julija Tymoschenko. Schon bei den mörderischen Hilferufen der ersten Szene lässt Camilla Nylund in dieser Rolle aufhorchen, glänzt bei den geforderten Verzierungen und entfacht im Ausruf 'Vergeh, Wahnsinniger, frei bin ich' eine dramatische Intensität, die einem noch lange in Erinnerung bleibt.

Die Amerikanerin Kate Aldrich macht mit lyrischer Stimme und großer Durchschlagskraft aus der Hosenrolle des Adriano das glaubhafte Portrait eines von Leidenschaften getriebenen jungen Mannes. Der Dirigent Sebastian Lang-Lessing spürt den unterschiedlichen Einflüssen nach, die sich im 'Rienzi' erstmals zu Wagners unnachahmlichem Stil zusammenfügen. Trotz radikaler Kürzung auf 2,5 Stunden ist dieser Rienzi musikalisch auf hohem Niveau und szenisch ein interessanter Beitrag zum Thema Wagner im ‚Dritten Reich‘.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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Regie:






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    Wagner, Richard: Rienzi, der letzte der Tribunen

Label:
Anzahl Medien:
Arthaus Musik
2
EAN:

807280152197


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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