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Donnerstag, 22. August 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Cosi fan tutte

Musik ist die Hauptsache


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Travestie statt Analyse. Doris Dörrie bringt 'Così fan tutte' auf eine einfache Gleichung und findet kein Vokabular für die tiefe Melancholie des Stückes.

Als die Filmregisseurin Doris Dörrie 2001 ihren ersten Auftrag zu einer Inszenierung an der Berliner Staatsoper bekam, bekannte sie sich freimütig als ‚Operntrottel‘. Die vier oder fünf Opern, die sie bis dato gesehen hatte, hatten sie gelangweilt. Das Libretto zu Mozarts 'Così' weckte jedoch sofort ihr Interesse. Die Handlung erinnerte sie an ein Hollywood-Melodram, und nachdem sie sich näher mit dem Sujet beschäftigt hatte, stand für die Dörrie fest: ‚Mozart ist cool‘.

Freie Liebe im Sinn

Auf eine entsprechend einfache Gleichung bringt die Regisseurin die Handlung. Die beiden Freunde Ferrando und Guglielmo, die angestachelt vom zwielichtigen Philosophen Don Alfonso eine infame Wette bezüglich der Treue ihrer Verlobten abschließen, zeigt das erste Bild der Oper am Schalter eines Flughafens Ende der Sechzigerjahre (die weißen Lackstiefel der Stewardessen lassen daran keinen Zweifel). Klar, dass die Bürohengste, nachdem sie vorgegeben haben, in den Kriegsdienst zu müssen, nicht als Albaner verkleidet zu ihren Geliebten zurückkehren. Sie erscheinen mit Langhaarperücken und Flokatiwesten ausgestattet als Hippies, die nicht nur kiffen, sondern auch freie Liebe im Sinn haben. Offenbar liegen für Dörrie die Flowerpower-Zeiten in so exotischer Ferne wie 1790 für Lorenzo da Ponte der Balkan.

Ashram-Plunder

Was als Idee zu Anfang noch gut funktioniert, verliert im weiteren Verlauf der Handlung schnell an Tragfähigkeit. Dörrie liefert im Grunde nichts anderes als konventionelle Regie im lässigen Gewand. Da, wo der äußere Witz im Vordergrund steht, findet sie kein Vokabular für die tiefe Melancholie des Stückss. Travestie statt Analyse: Die Vermählung der beiden falschen Paare wird als indische Hochzeit unter leuchtenden Plastik-Blumen gefeiert. Wenn am Ende Guglielmo und Ferrando den ganzen Ashram-Plunder von der Bühne räumen und damit die altgewohnte Ordnung wiederherstellen, verstärkt das nur den Eindruck inhaltlicher Leere.

Romantisch und spannungsreich

Und die Musik? Die Akteure haben sich in den Rezitativen von der hysterischen Überdrehtheit des Regiekonzepts anstecken lassen. Vor allem die Liebespaare agieren davon abgesehen jugendfrisch und ausdrucksstark. Sängerischer Höhepunkt ist die mit vibrierender Sinnlichkeit und Charme gestaltete Fiordiligi von Dorothea Röschmann. Daniel Barenboim zeigt sich am Pult von der Bühnenhandlung unbeeindruckt und dirigiert romantisch und spannungsreich. Schmunzelnd hatte er ja schon im Vorfeld der Inszenierung wissen lassen, dass bei einer Oper die Musik immer die Hauptsache bleibt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
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Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Cosi fan tutte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
24.05.2010
Medium:
EAN:

DVD
880242522382


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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