> > > Semperoper Edition Vol. 1. Die Stunde Null: Szenen aus Opern von Mozart. Rossini, Verdi u.a
Dienstag, 18. Juni 2019

Semperoper Edition Vol. 1. Die Stunde Null - Szenen aus Opern von Mozart. Rossini, Verdi u.a

Klingende Schatztruhe


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schon dieser erste Teil der Semperoper Edition ist eine wahre klingende Schatztruhe; das Warten auf den zweiten Teil wird folglich zur schmerzvollen Geduldprobe.

Was für ein großes und zugleich großartiges Projekt: Beim Label Profil Edition Günter Hänssler erscheint eine mehrteilige CD-Edition, die Aufnahmen des MDR aus den Nachkriegsjahren der Dresdner Semperoper teils erstveröffentlicht oder neu restauriert. Der erste Teil dieser Edition präsentiert Opernszenen aus den frühesten Inszenierungen der Staatsoper Dresden nach 1945 in Rundfunkaufnahmen auf drei CDs und einer DVD. Die Klangqualität der Mitschnitte ist zwar unterschiedlich, insgesamt aber vollkommen in Ordnung und anhörbar. Immerhin sind hier Stimm- und Bühnenlegenden in ihren großen Partien zu erleben, da stört es nicht im Geringsten, wenn es mal knackt oder eine Tonverzerrung für einen Moment lang den Hörgenuss minimal beeinträchtigt.

Ohnehin ist man der Zusammenstellung schon nach wenigen Minuten derart verfallen, dass man aus dem Staunen, Forschen und Mitfiebern gar nicht mehr herauskommt. Das liegt neben den wertvollen Aufnahmen auch am aufwendigen Begleitbuch – Booklet wäre eine maßlose Untertreibung –, das mit zahlreichen Bilddokumenten und hochinteressanten Beiträgen verschiedener, namhafter Autoren ausgestattet ist. Schon hier versinkt man augenblicklich im Schmökern und entwickelt ein historisches Verständnis für die Bedeutung des Dresdner Opernensembles nach der vollständigen Zerstörung Dresdens 1945. Die beiliegende DVD informiert und berührt gleichermaßen.

Unter den hier veröffentlichten Rundfunkaufnahmen sind zahlreiche Dokumente mit der unvergleichlichen Christl Goltz, den Tenören Hans Hopf und Bernd Aldenhoff und die ersten Sarastro-Aufnahmen des jungen Gottlob Frick. Viele andere Dresdner Stimmlegenden ergänzen das vielfältige Programm mit Opernszenen von Mozart bis Strauss. Gerade wenn man dem Duett Plumkett-Nancy aus Flotows 'Martha‘, gesungen von Helena Rott und Kurt Böhme, lauscht, kann man dem Autor Thomas Voigt nur zustimmen, dass diese Nummer wohl kaum an spontaner Lebendigkeit und unmittelbarer Komik zu überbieten ist. Auch die Ausschnitte aus den 'Lustigen Weibern von Windsor‘ mit Elfriede Weidlich und wiederum Helena Rott und Kurt Böhme zeugen von einer bestechenden Unmittelbarkeit und Natürlichkeit, ganz abgesehen von der durchgehend klaren Diktion aller Sänger. Dass die Altistin Helena Rott auch im dramatischen Fach überzeugen konnte, beweist ihre Amneris in den Ausschnitten aus Verdis 'Aida‘ an der Seite von Christl Goltz und Bernd Aldenhoff.

Überhaupt beeindruckt die extreme Wandelbarkeit der Dresdner Sängerriege. Die Fachgrenzen sind bei Weitem nicht so eng gesteckt, wie man vermuten könnte. Wenn die zu früh verstorbene Elfride Trötschel beispielsweise eine berückend natürliche Pamina gibt, um hinterher mit Feuer und Verve als Butterfly zu überzeugen und schließlich mit ihrer innigen Rusalka den Hörer zu Tränen rührt, macht sich vor den Lautsprechern schlichtweg andächtiges Schweigen breit. Ohne Frage, man kann all diese Partien vielleicht technisch überlegener meistern, aber ein menschlich ehrlicherer Gesang scheint unvorstellbar.

Wie schon Thomas Voigt in seinem Begleitartikel bemerkt, wird einem beim Hören dieser CDs bewusst, was das Schlagwort ‚Sängerpersönlichkeit‘ bedeutet, denn es trifft auf all diese hier vertretenen Künstler zu. Einen Tenor wie Hans Hopf erkennt man an den ersten gesungenen Noten, sei es als strahlender Andrea Chénier oder als kerniger Cavaradossi in Puccinis 'Tosca‘. Ebenso unverwechselbar tritt dem Hörer der strahlende Sopran der jungen Lisa Otto als Papagena und Musetta gegenüber. Die Goltz ist außerdem als 'Maskenball‘-Amelia, Elisabetta in 'Don Carlo‘, 'Forza‘-Leonore und in ihrer Paraderolle als Salome zu erleben, die lyrisch-perlende Elfriede Weidlich als Marie in der ‚Verkauften Braut‘ und der mit 26 Jahren verunglückte Werner Faulhaber als Kezal. Neben mittlerweile vergessenen Dresdner Operngrößen wie dem Tenor Werner Liebing und der Sopranistin Dora Zschille sind natürlich auch legendäre Dirigenten am Pult der Staatskapelle Dresden zu erleben: Joseph Keilberth, Rudolf Kempe, Hans Löwlein und Kurt Striegler – um nur einige wenige zu nennen.

Schon dieser erste Teil der Semperoper Edition ist eine wahre Schatztruhe und man wird nicht müde, immer wieder von Neuem erlesene Schmuckstücke für sich selbst neu zu entdecken und immer wieder hervorzuholen. Das Warten auf den zweiten Teil wird folglich zur schmerzvollen Geduldprobe.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Semperoper Edition Vol. 1. Die Stunde Null: Szenen aus Opern von Mozart. Rossini, Verdi u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Profil - Edition Günter Hänssler
3
15.02.2010
EAN:

881488100075


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


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